Filmkritik | Believe In Love (China, 2012)

Believe In LoveMan könnte meinen, diese jüngste Generation chinesischer Filmemacher hätte noch nie in ihrem Leben Filme gesehen. Wie sonst kann man sich erklären, dass sie einem jedes Mal aufs Neue Standardware in Hochglanzbilder verpackt als ein innovatives Meisterwerk andrehen wollen. Auch bei der Romanze mit dem ach so kreativen Titel Believe In Love hat man es wieder einmal probiert. Wang Yibing hat sich nicht nur der Regie angenommen sondern auch noch das Drehbuch verfasst—und zeigt damit eindrucksvoll, dass er zwar was vom Filmemachen versteht, nichts aber von Filmen, die mehr als Durchschnitt sein wollen.

Wir lernen also Le Qi (Zhao Yufei) kennen, ihreszeichens chinesisches Topmodel und nach Aussage der Journalisten das derzeit heißeste Sexsymbol des Landes. Unser Topmodel ist außerdem gerade dabei, einen Vertrag beim begehrten Designer Tang Jun (Liu Zihao) zu unterschreiben. Einfach gestaltet sich das nicht, da Le Qi eine hoffnungslose Zicke und Tang Jun ein arroganter Schnösel ist. Nach anfänglichem Gezanke ist der Vertrag dann doch abgesegnet, mit der Bedingung allerdings, dass Le Qi Zeit mit Tang Jun verbringen muss, damit er ihr die Bedeutung von Liebe vermitteln kann, indem sie in einem Spontanurlaub fremde Pärchen beim Turteln fotografieren muss—wie sonst wohl könnte Le Qi auch angemessen sein neuestes Hochzeitskleid präsentieren?

In Zeiten von berühmten Fashionbloggern und Topmodel-Shows hat Wang Yibing für seine Romanze zwar einen aktuellen Rahmen gesteckt, nur hat er offensichtlich keine Ahnung vom Modelbusiness. Schnell dreht sich der Modelfilm, der eingangs noch recht lässig wirkt, in Richtung kitschtriefende Romanze bar jeder Realität. Le Qi ist die Prinzessin, immer perfekt gestylt, egal ob sie nun in Flip-Flops unterwegs oder nur in Stofffetzen gewickelt ist. Ihr Umfeld wird es auch nicht müde zu betonen, wie schön sie doch ist—als würde der Zuschauer das sonst selbst nicht bemerken. Hübsch ist Le Qi schon, wenn sie nicht gerade von unvorteilhaftem Licht eingefangen wird oder mit völlig überbelichteten Gesicht wie ein Geist wirkt (aber in China zählt weiße Haut ja als Schönheitsideal…). Auch so ein Modelleben ist aus Sicht von Wang Yibing nicht schlecht: man hat praktisch immer frei, dabei auch noch in stimmungsvollem Ambiente, bekommt von Designern teures Zeug geschenkt und kann sich am Tag fünfmal umziehen, selbst wenn man in den Ferienort gar keinen Koffer mitgenommen hat. Trotzdem findet Le Qi so ein Leben gar nicht so toll. Was für ein bedeutungsloser Job, meint sie irgendwo im Mittelteil, und dann die ständige Belagerung von den Paparazzi und das Fehlen von Privatsphäre! Dumm nur, dass wir sie bis dato nie in einer solch unangenehmen Situation gesehen haben und ihr ihr Selbstmitleid nicht abnehmen. Von der anfänglichen Zicke ist also bald nichts mehr übrig, denn die sinnlosen, romantischen Tage mit dem verhassten Designer wandeln sich bald zum Traumurlaub, in dem man sich natürlich verliebt. Jedenfalls soll das wohl so sein, denn so wirklich eindeutig wird der Film an dieser Stelle noch nicht.

Tang Jun ist ebenfalls eine Enttäuschung. Passt der cool frisierte Kerl anfangs in die Rolle des kaltherzigen Designers, verkommt auch er schnell zum Weichei. Denn unter der abweisenden, aber schönen Erscheinung steckt natürlich ein weicher Kern, der sein Label nicht nur ganz sentimental »Love« nennt, sondern auch noch Klavier und Gitarre spielen kann, sich aber unglaublich geniert, wenn er für eine Frau Damenbinden besorgen muss. Diese Stelle stellt übrigens das humoristische Highlight der eventuell als Liebeskomödie ausgelegten Romanze dar, was nun leider nicht positiv gemeint ist, wirkt die Szene doch eher gezwungen denn natürlich. Zurück zu Tang Jun. Als angeblich so hochprofessioneller und gefragter Designer ist er doch tatsächlich eingeschnappt, wenn er die Schlagzeilen über Le Qis angebliche Affäre lesen muss, dabei sollte er als Profi es doch eigentlich besser wissen, dass man den Schmierblättern nicht glauben darf. Sein Ärger muss aber so sein, denn sonst hätten wir in der Schnulze ja überhaupt keinen Konflikt und auch keinen Grund für das konstruierte, dämliche Finale.

Believe In Love ist eine Katastrophe. Viel erwartet man von Filmen, die »Love« im Titel haben, ja wirklich nicht, aber dass einem so etwas Kitschiges, Konstruiertes und aufrichtig Langweiliges geboten wird, hätte man nun auch nicht gedacht. Fängt der Film noch flott und relativ vielversprechend an, versumpft er schnell im üblichen Romanzenmorast, in dem es die Figuren trotz aller charakterlichen Blässe immer noch schaffen, sich unfreiwillig gegen ihre Natur zu verhalten (und das ist nun wirklich nicht positiv gemeint), aus Hass grundsätzlich Liebe resultiert und irgendwelche Erzählungen oder Gegenstände (in diesem Fall eine Muschelkette) für Hoffnung und Liebe stehen. Wer’s kitschig mag und Liu Zihao anschmachten möchte, ist bei Believe In Love richtig, der Rest sollte besser wegsehen.

© Shaoshi, 23. September 2012
3/10

初恋浅规则 | Chu Lian Qian Gui Ze
China • 2012 • 91 Min. • Romanze
Regie | Wang Yibing
Drehbuch | Wang Yibing
Darsteller | Zhao Yufei, Liu Zihao, uvm.

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Cover-Quelle: movie.douban.com

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