Filmkritik | Shadows Of Love (Hongkong, 2012)

Shadows Of LoveDer letzte gute Film mit Cecilia Cheung, den ich gesehen habe, war One Nite In Mongkok und der ist nun auch schon fast zehn Jahre alt. Filme der letzten Jahre wie das mittelmäßige The Shopaholics, das doofe The White Dragon oder das unnötige Treasure Hunt sind nichts weiter als enttäuschendes Füllwerk in ihrer Filmographie und das noch in diesem Jahr entstandene Shadows Of Love reiht sich bedenkenlos in die Liste der Überflüssigkeiten. An Cecilia Cheung liegt es nicht, mehr am Thema selbst, das so dermaßen ausgereizt ist, dass man weitere Filme dieser Art eigentlich am besten mit einer Strafe belegen sollte.

Nun zum Plot. Da hätten wir Korea-Schönling Kwon Sang-Woon als, nun ja, Kwon, der uns gleich eingangs erzählt, dass er einen schlechten Tag hat. Nach einem Lawinenunglück ist seine Freundin Paris, die zufällig wie Cecilia Cheung aussieht, nämlich verschollen und ihr böser Onkel Dong droht damit, die Firma von ihr und ihrem kränkelnden Vater zu übernehmen, sollte Paris nicht innert einer Woche wieder auftauchen. Was für ein Glück, dass Kwon gerade jetzt der Floristin Qinxin über den Weg läuft, die nicht nur ebenfalls wie Cecilia Cheung aussieht, sondern ganz bestimmt seine Paris sein muss. Entweder stimmt das Klischee also tatsächlich, dass Chinesen alle gleich aussehen, oder Kwon ist wirklich zu dumm, die eigene Freundin zu erkennen. Als sich der Irrtum dann endlich herausstellt, findet es Kwon eine dufte Idee, Qinxin als Paris mit nach Hause zu nehmen, um das Unglück der Firma abwenden zu können. Qinxin willigt schließlich ein und tritt fortan nicht länger als simples Blumenmädchen sondern als perfekt gestylte Diva auf den Plan.

Die dem Film zugrundeliegende Idee von der Prinzessin über Nacht! Diese ewigen Doppelgängerinnen, die sich bis ins letzte Haar gleichen! Ich kann sie nicht mehr sehen! Noch dazu, wenn man als Filmemacher nicht einmal versucht, wenigstens einen Funken Originalität oder Kreativität in den Film einfließen zu lassen. Da reicht es nicht, eine Nebenfigur (Sphinx Ting) per schlecht getrickstem Gleitschirmflieger in seine Szenen einfliegen zu lassen. Da gehört einfach mehr dazu. Cecilia Cheung gibt entweder als Paris die unausstehliche Zicke oder als Qinxin das nette, bescheidene Mädel von nebenan—beides Rollen, die einem auf den Zeiger gehen, aber sowas von! Kwon darf sich immer top gestylt zeigen—eben genau so wie es seine Fans erwarten. Der Rest der Darsteller ist nebensächliches Beiwerk. Da ist Richard Ng als Diener ebenso verschenkt wie die scheinbare Liebesgeschichte zwischen Sphinx Ting und Jing Tian. Man konzentriert sich also auf Cecilia Cheung und Kwon Sang-Woon, allerdings nur oberflächlich betrachtet, so dass man nie richtig nachvollziehen kann, wann und warum sich da eine Liebe zwischen den beiden entwickelt. Oh, das war ein Spoiler? Sorry. Einmal neben Qinxin vor dem Spiegel zu stehen und ihr die Haare hochzustecken, weil Paris das angeblich zu Ballkleidern immer so macht (was sie nicht tut, wie wir am Ende sehen können—Berechnung von Kwon oder wohl doch eher ein Kontinuitätsfehler?), und sich dann mit dem Manschettenknopf in ihren Haaren zu verfangen ist ein bisschen mager als Schlüsselmoment.

Und so plätschert die ganze Geschichte dahin. Cecilia wird umgestylt und in Paris’ Upper-Class-Leben eingeführt. Und zwar sowas von dermaßen nebenbei, dass auch dieser potenzielle Konflikt verschenkt ist. Zwei Nebenfiguren (Jing Tian und Sphinx Ting) durchschauen das falsche Spiel außerdem sofort, helfen aber ebenso gern dabei, Qingxin zur Paris umzuerziehen, wie der Butler bereitwillig seinen Mund hält. Und natürlich finden alle die neue Paris viel netter. Gähn. An einem Punkt in der Handlung kehrt Paris natürlich nach Kanton zurück, doch wird der Konflikt wieder so unspektakulär gelöst, dass man immer noch auf den Höhepunkt wartet als er längst schon vorbei ist. Weil das alles noch nicht reicht, erzählt Qinxins im Sterben liegende Großmutter gern in unnötigen Rückblenden von ihrer großen Liebe, die sie, verkörpert von Angela Zhang, einst als bei einem Japaner aufgewachsenen chinesischen Mädchen zu einem chinesischen Soldaten erfahren hat. Schade, dass diese Geschichte eigentlich interessanter ist als der Hauptstrang und dennoch absolut fehlplatziert in den Film montiert wurde.

Shadows Of Love ist öde in jeder Beziehung. Die Idee ist ausgelutscht, Originalität ist Fehlanzeige und die Inszenierung ist so dermaßen belanglos, dass nicht mal die schön gefilmten Bilder noch irgendwas rausreißen können. Wer noch nicht so viele Filme dieser Art gesehen hat, dürfte etwas weniger streng mit seiner Kritik sein, da der Film im Grunde die gängigen Solls einer kommerzigen Romanze erfüllt. Aber wer mehr als ein, zwei Vertreter dieser Gattung bereits kennt, sollte von Shadows Of Love unbedingt die Finger lassen. Die Zeit lässt sich anderweitig besser investieren, auch wenn der Film gerade mal knappe 90 Minuten lang ist. Die einem dank seiner generellen Belanglosigkeit allerdings wie doppelt so lange vorkommen.

© Shaoshi, 23. September 2012
2/10

影子愛人 | Jeng Zi Ngoi Jan
Hongkong • 2012 • 85 Min. • Romanze
Alternativtitel | Repeat, I Love You
Regie | Calvin Poon Yuen-Leung
Drehbuch | Qin Wen, Poon Yuen-Leung
Darsteller | Cecilia Cheung Pak-Chi, Kwon Sang-Woo, Tien Niu, Sphinx Ting, Jing Boran, Jing Tian, Richard Ng Yiu-Hon, Angela Zhang Shao-Han, Cheng Taisheng

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Shadows Of Love (Hongkong, 2012)

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