Filmkritik | Downtown Torpedoes (Hongkong, 1997)

Downtown TorpedoesDowntown Torpedoes ließ sich ohne Zweifel vom Mission Impossible-Fieber anstecken. Dabei fällt die Hongkong-Version unter der Hand von Popcorn-Kino-Regisseur Teddy Chan freilich etwas ab, macht sich aber sämtliche Elemente eines Spionage- und Meisterdiebthrillers zu eigen und schafft einen Streifen, der ganz gut unterhält, aber den US-Vorbildern nun mal nicht das Wasser reichen kann.

Jackal (Takeshi Kaneshiro), Cash (Jordan Chan) und Titan (Ken Wong) sind perfekt ausgebildete Industriespione, die vor ihrer bislang schwierigsten Aufgabe stehen: Unter Leitung ihrer Chefin Sam (Charlie Young) und mit Hilfe von Hackerin Phoenix (Theresa Lee) sollen sie auf Geheiß von Stanley Wong (Alex Fong) für die Hongkonger Regierung Gelddruckplatten vom britischen Geheimdienst stehlen. Weil die Meisterdiebe nach verpatztem Diebstahl von geheimen Transrapidplänen in Frankfurt und Hamburg keine andere Wahl haben, willigen sie ein und begeben sich so auf ein äußerst heißes Pflaster.

Das Hirn darf der Zuschauer bei Downtown Torpedoes so lange getrost in den Kühlschrank legen. Denn die Story strotzt nicht gerade vor Logik. Unseren Freunden macht man das Agieren durch den Plot nämlich ganz schön leicht, denn mit den nötigen Gimmicks (die freilich immer griffbereit sind) und viel Computerschnickschnack meistert man jede brenzlige Situation mit Bravour. Der Film verkommt dann auch schnell zur vertechnisierten Schnitzeljagd, wenn sich herausstellt, dass offensichtlich die ein oder andere Person ein falsches Spiel spielt und man per Spurensicherungskit, Kreuzworträtsellösen, Hautfetzenanalyse und Von-Ort-zu-Ort-Hetzen vom Gejagten zum Jäger mutieren will. Da man sich als Zuschauer kaum auskennt in dem ganzen Treiben, könnte man auf Spannung hoffen, nur leider kommt die nicht so recht auf. Dazu ist die Plotentwicklung viel zu krude, die Logiklöcher teils zu groß und einiges absolut haarsträubend (wie etwa der Besuch beim plastischen Chirurgen). Die Druckplatten interessieren irgendwann auch nicht mehr und dass in der ganzen Chose die ein oder andere Figur ihr Leben lassen muss, nimmt auch kaum mit. Dafür sind die Hauptpersonen einfach zu nebensächlich. Takeshi Kaneshiro hat in seiner Rolle überhaupt nichts zu tun, Charlie Young bleibt mehr als blass und Ken Wong ist höchstens schmückendes Beiwerk mit einem offensichtlichen Alkoholproblem, das aber nur eines ist, weil Jordan Chans Cash es zu einem macht. Jordan Chan spielt dabei noch die wichtigste Persönlichkeit, die den Film am ehesten vorantreibt und interessant macht. In einer Gruppe voller ansonsten schablonenhafter Charaktere ist es aber auch nicht sonderlich schwer, positiv herauszustechen.

Ansonsten bedient man sich der üblichen Actionfilmklischees: ein bisschen Abseilen an der Außenfassade diverser Hochhäuser, Hilfe zu Luft per Gleitschirmflieger, Verfolgungsjagden auf Straßen und Wasser, ein paar (löblicherweise handgemachte) Explosionen, ein bisschen Schießerei und das sofortige Tragen von schwarzen Lederjacken und Dreitagebart, sobald man als Bösewicht enttarnt wird.

Teddy Chans Regiearbeit ist dabei grundsolide genug, dass es nicht langweilig wird. Zwar sammelt sich die Action erst richtig im letzten Drittel an, aber das etwas ungewisse Voranschreiten der Handlung und die Konzentration aufs Wesentliche sollten dem unbedarften Zuschauer genügen. Außerdem wechselt man die Örtlichkeiten von Deutschland nach Hongkong und Budapest für ein internationales Flair. Schön ist, dass man im Gegensatz zum auf einer ganz ähnlichen Schiene fahrenden Hot War dabei auch viele Außenaufnahmen zeigt, was für die Chinesen vermutlich für exotisches Flair sorgt und auch bei uns eine willkommene Abwechslung ist.

Insgesamt ist Downtown Torpedoes ein standardisierter Actionthriller mit gut inszenierter aber etwas zu dünn gesäter Action und mehr als mäßigem Thrill. Der Spaßgehalt bleibt trotz allem ordentlich, auch wenn sich der Hongkongstreifen mehr als offensichtlich an amerikanischen Genrevertretern messen will und die Story im Grunde vernachlässigbar ist. Allzu viel verpasst man bei Downtown Torpedoes also nicht, doch wer Lust auf einen (für Deutschland viel zu stark gekürzten) Actionfilm ohne Anspruch hat, der sollte mit Downtown Torpedoes akzeptabel bedient werden. Man darf kein Meisterwerk erwarten, aber das ist für gute Unterhaltung ja auch nicht zwingend erforderlich.

© Shaoshi, 16. Januar 2010
6/10

神偷諜影 | San Tau Dip Ying
Hongkong • 1997 • 85 Min. • FSK 16 • Actionthriller
Regie | Teddy Chan Tak-Sum
Drehbuch | Poon Yuen-Leung
Darsteller | Jordan Chan Siu-Chun, Takeshi Kaneshiro, Theresa Lee Yi-Hung, Ken Wong Hap-Hei, Charlie Yeung Choi-Nei, Alex Fong Chung-Sun, Choi Yip-Shun, Chris Hunt

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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