Filmkritik | Martial Spirit (China, 2010)

Martial SpiritMartial Arts-Filme haben im chinesischsprachigen Raum eine lange Tradition. In den letzten Jahren ist das Interesse etwas zurückgegangen, was die Chinesen aber nicht daran gehindert hat, mit Martial Spirit wieder einmal einen solchen Film zu drehen. Das hätte man sich auch sparen können.

Joney (Theresa Fu) kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um ihren Vater zu besuchen, der sich in der Vergangenheit einen Namen als Wushu-Lehrer gemacht hat. Als Joney jedoch zu Hause ankommt, muss sie mit Entsetzen feststellen, dass ihr Vater seine Kampfkunstschule in einen Supermarkt verwandelt hat. Das will sie nicht so stehen lassen und tut alles, um ihren Vater zur Wiedereröffnung seiner Schule zu animieren. Unterstützung bekommt sie von Wang Bo (Zhang Chi), einem inzwischen erwachsenen Waisenjungen, mit dem sie nicht nur aufgewachsen ist, sondern der auch ein efriger Schüler von Joneys Vater war. Allerdings fehlt ihm in Sachen Kampfkunst der letzte Schliff, weshalb er auch erstmal zurückstecken muss, als er dem aufmüpfigen Dawei (Ao Quan aus z.B. Brown Sugar Macchiato) und seinen Lakaien über den Weg läuft.

Was jetzt schon nicht nach sonderlich Handlung klingt, ist es auf dem Celluloid noch weitaus weniger. Warum ist Joney eigentlich so versessen darauf, dass ihr Vater die Kampfkunstschule wiedereröffnet? Warum tut ihr Vater alles für den Waisen Wang Bo? Warum findet Wang Bo Gefallen an Joney, aber sieht dann tatenlos mit an, wie sie zu seinem Gegenspieler Dawei hinüberwechselt? Warum ist Dawei eigentlich der Böse, wenn er nach einer Kampfsequenz im Supermarkt sogar für den Schaden aufkommen will und Joney erklärt, warum er eigentlich so kampfsüchtig ist—nämlich, um sich selbst etwas zu beweisen und besser zu fühlen?

Wenigstens die letzte Frage lässt sich leicht beantworten. Auch wenn man mit Ao Quan und A Wei (als Daweis Lakai oder Bodyguard, Anstandswauwau oder was auch immer!) zwei Mitglieder der taiwanesischen Boygroup mit dem lächerlichen Namen Lollipop gecastet hat, hat man es hier mit einer Festlandproduktion zu tun. Und da mischt der Staat mit, der angeblich Richtlinien entworfen hat, nachdem in chinesischen Filmen jeder das Ende zu bekommen hat, das er verdient. Da man so einen »schnuckeligen« Typen wie Ao Quan schlecht zu einem bösen Feind machen kann, muss er im Film eben doch ein toller Kerl sein. Und weil einem das geschickte Handwerk fehlt, muss er seine guten Seiten eben im Film direkt selbst thematisieren. Wie öde!

Ein Film mit einem Cast, der plakativ auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten wurde und quasi nur zum Anschmachten gedacht ist, kann kaum überzeugen. Wenn man durch all die zahmen Typen auch noch vergisst, dass so ein Actionfilm auch mit ein bisschen Spannung und Konflikt einhergehen sollte, wird echt eine Schlaftablette draus. Obendrein sind die harmlosen Kämpfe, die nur der Kampfkunst wegen aber nie mit der Absicht, den anderen fertigzumachen entstehen, doof choreographiert. Zugegeben, die Lollipop-Members haben mit ihren Breakdance-Fähigkeiten immerhin eine Basis sich ein bisschen Kung-Fu-mäßig zu bewegen und Zhang Chi scheint auch einigermaßen agil zu sein, aber absolut schlecht eingesetztes Wirework, die blöde musikalische Untermalung und dieses ganze Feeling von gewollt und nicht gekonnt verdirbt einem den Spaß ganz schön. Weil die Macher offensichtlich um die Fadheit ihres Streifens wussten, schrieben sie wohl noch den Charakter des Huazi (Da Zhang Wei) in die Geschichte. Der ist ein Klassenkamerad von Joney (und eventuell ihr Freund?) und nervt mit seinem Overacting und pubertären Gehabe so was von, dass man höchstens noch über seinen Kleidungsstil schmunzeln kann.

Der Titel Martial Spirit klingt schon ziemlich lahm, der Film selbst toppt das noch einmal um Längen. Die Geschichte ist banal und durchsichtig, Spannung kommt zu keiner Zeit auf, die Charaktere sind schlecht ausgearbeitet und das Ende stellt sowieso die Daseinsberechtigung des ganzen Films in Frage. Fans von Theresa Fu oder den Lollipop-Typen dürften durch die Leinwandpräsenz auf ihre Kosten kommen, aber wer mit anderen Erwartungen an den Film herangeht, wird definitiv enttäuscht.

© Shaoshi, 9. Mai 2012
2/10

武动青春 | Wu Dong Qing Chun
China • 2010 • 90 Min. • Actionkomödie
Regie | Kou Zhanwen
Darsteller | Theresa Fu Wing, Zhang Chi, Ao Quan, Da Zhang Wei, Dang Shanpeng, Blue Bird, A Wei

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: wikipedia.zh

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