Filmkritik | House Mania (China, 2011)

House ManiaEs ist immer wieder schön zu sehen, wenn sich Filme mal einem Thema annehmen, das noch nicht so ausgelutscht ist. Der chinesische Regisseur Sun Da widmet sich in seiner Komödie House Mania dem Immobiliengeschäft. Das gefällt, zumal das Thema den Zeitgeist Chinas trifft und Potential hat. Nur schade, was Sun Da mit dem Stoff letztendlich gemacht hat (oder machen musste?).

Loser Yingming (Zhao Yi) hat eben seinen Job als Bademeister verloren, nachdem sich herausgestellt hat, dass er überhaupt nicht schwimmen kann. Seiner Freundin Xiaoke (Li Nian) und ihrer Mutter lügt er allerdings weiterhin vor, als betuchter Chirurg zu arbeiten, auch wenn er neuerdings als illegaler Taxifahrer arbeitet und abends nur so tut, als käme er aus dem Krankenhaus. Mit diesem Lügengeschick bringt er natürlich die besten Voraussetzungen für eine Karriere als Immobilienmakler mit. Denn als seine Freundin Xiaoke, die selbst in der Immobilienbranche arbeitet, gefeuert wird, will das Pärchen ein eigenes Immobiliengeschäft aufziehen. Gezwungenermaßen konzentrieren sie sich dabei auf Pekings praktisch unverkaufbarste Objekte und haben damit so großen Erfolg, dass der Hello-Kitty-Kleinwagen schnell einem seriöseren Audi weichen muss. Dann aber geht alles schief. Yingming ist praktisch pleite und Xiaoke ist auch weg. Doch Yingming gibt nicht auf: mit der Spekulation auf eine Insel will er nicht nur seinen Reichtum, sondern auch seine Freundin zurückgewinnen.

Es hätte dem Film gut getan, wenn man eine bissige Satire aus dem Stoff gemacht hätte, doch Sun Da beschränkt sich auf eine harmlose Komödie, deren treibender Kern eigentlich nicht das Immobiliengewerbe ist, sondern die sich doch wieder nur auf eine Beziehungskiste stützt. Und die ist herzlich uninteressant. Dass Lügen kurze Beine haben, ist nichts Neues, weshalb auch niemand darüber erstaunt sein dürfte, dass Xiaoke ihrem Yingming ohne große Worte den Laufpass gibt, als sie auf recht plump konstruierte Weise von seinem großen Lügengerüst erfährt. Dass er sie zurück will, ist auch klar und dass ihm das gelingen wird, ebenfalls. Spannung: Null. Zumal die Beziehung auch nicht gerade interessant dargestellt ist und die Figuren reichlich blass bleiben. Yingming ist als Lügner zwar ansatzweise ganz amüsant, aber insgesamt doch viel zu beliebig geraten, während Xiaoke schlichtweg langweilt.

Den beiden nimmt man zu allem Übel auch ihre Immobiliengeschäfte nicht ab. Zwar ist es eingangs noch zum Schmunzeln, wenn sie Häuser und Wohnungen verkaufen, die direkt an einer vielbefahrenen Bahnstrecke oder neben einer Wohnung mit lauten Arbeitslosen liegen, aber der Witz nutzt sich ziemlich schnell ab. Der Einfallsreichtum ist durchaus groß, um die Objekte wenigstens beim Besichtigungsrundgang als tollen Wohnraum anpreisen zu können, doch man merkt schnell, dass hier Konflikte fehlen. Im Grunde läuft doch alles reibungslos. Dass sie ein mieses Geschäft gemacht haben, sollten die ahnungslosen Käufer zwar mit dem Einzug ziemlich schnell bemerken, aber ein reumütiger Kontrollbesuch Xiaokes zeigt, wie einfach sich in einem Film doch alles zum Guten wenden kann. Wenig glaubwürdig. Das setzt sich auch noch in Sequenzen fort, in denen in Xiaokes ehemaliges Büro eingebrochen wird, um das eigene Geschäft erst richtig zum Laufen zu bringen, aber anschließend niemand die entwendeten Kundendaten auch nur vermisst. Dümmer wird es nur noch, als das Haus von Yingmings Eltern zum Verkauf stehen soll und Yingming samt Kumpel im Internet über selbiges recherchiert und auf allerhand Legenden stößt, aber nicht den wahren Grund für den Wertanstieg bzw. –verfall findet, der sogar groß in den Tageszeitungen steht. Das wirkt alles viel zu konstruiert, zu unrealistisch, um noch zu gefallen. Obendrein ist der Film an einigen Stellen auch noch viel zu zäh und schöpft auch das humoristische Potential lange nicht aus.

House Mania ist eine Enttäuschung. Zwar trifft der Film immer noch irgendwie den Zeitgeist Chinas, aber nur im Ansatz, zu harmlos und dann auch noch extrem unrealistisch konstruiert. Mal ist der Film zwar ganz amüsant, aber meistens einfach nur langweilig und absolut belanglos. Gut sieht anders aus.

© Shaoshi, 1. März 2012
4/10

房不剩防 | Fang Bu Sheng Fang
China • 2011 • 94 Min. • Komödie
Regie | Sun Da
Drehbuch | Zha Muchun
Darsteller | Zhao Yi, Li Nian, Wu Chao, Li Jing, He Yunwei, Fang Qingzhuo, Zhang Dali, Zhang Shaohua, Chen Youwang, Jiang Chao, Li Qinqin, Yan Ganying

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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