Filmkritik | Bulletproof Monk – Der kugelsichere Mönch (USA, 2003)

Bulletproof MonkBulletproof Monk ist mal wieder ein guter Beweis dafür, warum sich Hongkong-Star Chow Yun-Fat in Hollywood nie richtig etablieren konnte. Wenn man ihn in klischeetriefende Rollen in stupiden Filmen wie Bulletproof Monk packt, ist das halt auch den Amis zu dumm. Hinzu kommt, dass Chow Yun-Fat in der primitiven Comic-Verfilmung auch noch einen Martial-Arts-Künstler abgeben muss, er aber keiner ist und nie einer sein wird. Das Resultat sieht dementsprechend bemüht aus und ist durch konstante Arbeit mit Drahtseilen ganz schön lächerlich geraten. Dass er dabei auch noch American Pie-Star Seann W. Scott an seiner Seite hat, der für den pubertären Humorgehalt des Films verantwortlich ist, macht alles nur noch schlimmer.

Inhaltlich beginnt man im Zweiten Weltkrieg, wo ein verrückter Nazi (Karel Roder) in einem Tempel im tibetischen Hochland die Herausgabe einer heiligen Schriftrolle fordert, die ihrem Träger nicht nur ewige Jugend und Unsterblichkeit zusichert, sondern mit der man auch so schön die Welt beherrschen könnte. Ein namenloser Mönch (Chow Yun-Fat), der diese Schriftrolle besitzt, gibt sie jedoch nicht her und taucht unter. 60 Jahre später taucht der Mönch im heutigen New York wieder auf, wo inzwischen auch unser garstiger Altnazi—jetzt mit faltigem Gesicht und im Rollstuhl—seine Supervillain-Behausung im großangelegten Kellergewölbe bezogen hat und dem Mönch immer noch nach dem Leben trachtet. Unser Mönch hat es inzwischen satt, die Schriftrolle zu beschützen, weshalb er einer Prophezeiung gemäß nach einem Nachfolger Ausschau hält—und diesen ausgerechnet in dem unbedarften, großspurigen Taschendieb Kar (Seann William Scott) findet. Man tut sich also bald als typisch ungleiches Paar zusammen und muss noch einmal gegen das Böse ankämpfen.

Eine so flache, altbekannte Story schmeckt auch zum zehntausendsten Mal wiedergekäut nicht besser. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind klar gesteckt—auf Seiten der Guten ist man cool, witzig und bekommt mit Jade (Jaime King), einem nervigen Mädel mit stets fettigem Haar, auch noch ein Love Interest für Kar zur Seite gestellt—auf Seiten der Bösen trägt man viel Schwarz und Sonnenbrillen und gibt auch sonst nur die üblichen Sprüche von sich. An Klischees wird aber bei keiner Person gespart. Kar ist der übliche Ami der McDonald’s-Generation, der blöd daherredet, sich gern übernimmt und sich seine Kampfkünste—auwei!—von alten Eastern im Programmkino abgeschaut hat. Chow Yun-Fat hat’s auch nicht leichter: In gewohnter Karate Kid-Manier gibt der Meister seine Weisheiten kryptisch an den Lehrling weiter und bleibt auch sonst stets so stoisch und mystisch wie möglich. Immerhin kommt man ja aus Fernost und muss sich entsprechend benehmen. Und natürlich Kung Fu können—was sich in Bulletproof Monk in grottenschlechter Seilakrobatik niederschlägt. Wie die Leute hier durch die Lüfte wirbeln und sich in den unrealistischsten Posen bewegen, ist schlicht und ergreifend lächerlich. Kinderkacke. Was auch für die Action im Allgemeinen gilt, die recht harmlos in genau dem dümmlichen Stil daher kommt, die man von einer Comic-Verfilmung so erwartet.

Seinen Liebling Chow Yun-Fat in einem solchen 08/15-Schund verheizt zu sehen, macht echt traurig. Zu wissen, dass sogar John Woo noch Geld in diesen Schmarr’n gesteckt hat, macht es da auch nicht besser. Mit anderen Darstellern hätte der Film allerdings auch nicht funktioniert, weil schon die Substanz selbst schwächelt. Jede Szene ist hier vorhersehbar, weil schon tausendmal woanders gesehen, und die 08/15-Figuren hat man in der üblichen Konstellation routiniert wie schablonenhaft charakterisiert. Bulletproof Monk ist die reinste Zeitverschwendung. Zwar ahnte man das vor dem Sehen schon, aber dass der Film so schlecht sein würde, hätte man auch wieder nicht erwartet.

© Shaoshi, 28. November 2009
3/10

Bulletproof Monk
USA • 2003 • 99 Min. • FSK 16 • Actionkomödie
Regie | Paul Hunter
Drehbuch | Ethan Reiff, Cyrus Voris
Darsteller | Chow Yun-Fat, Seann William Scott, Jaime King, Karel Roden, Victoria Smurfit, Marcus J. Pirae, Mako, Roger Yuan, Chris Collins, Sean Bell, Kishaya Dudley, Rob Archer

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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