Filmkritik | Don’t Go Breaking My Heart (Hongkong, 2011)

Don't Go Breaking My HeartDie romantische Komödie Don’t Go Breaking My Heart kommt zwar aus Hongkong, richtet sich aber speziell an den Festlandmarkt. Kein Wunder also, dass da kein HK-Flair aufkommen mag und der Film wie eine durchschnittliche China-RomCom daherkommt. Was für ein Glück, dass das Milkyway-Gespann Johnnie To und Wai Ka-Fai die Zügel in der Hand hält und es mit Witz und Kreativität schafft, das Maximum aus dem Blockbuster für die Massen herauszuholen.

Unterstützung holt man sich von Festland-Star Gao Yuanyuan, deren Figur aus Arbeitsgründen nach Hongkong gezogen ist. Wichtiger jedoch ist: Chen Zixin (Gao Yuanyuan) hat Pech in der Liebe. Ihr inzwischen Ex-Freund (Terence Yin) hat eine andere geschwängert und ihr selbst einen hässlichen Frosch überlassen. Einzige Ablenkung findet Zixin ausgerechnet in der Arbeit. Im Büroturm nebenan versucht Playboy Cheung Shenran (Louis Koo) ihr nämlich mit Post-It-Kunstwerken den Tag zu versüßen. Als sie sich von Fenster zu Fenster in einem Café verabreden, kommt Shenran allerdings nicht, da er zufällig im Bett einer anderen Frau (Larisa) gelandet ist. Trotzdem kommt sie von ihm nicht los, auch wenn Shenran der Finanzkrise wegen bald seine Sachen packen muss: Jahre später wird er nämlich Zixins neuer Boss! Außerdem hätten wir da noch Fang Qihong (Daniel Wu), der sie eingangs als verlotterter Trinker vor einem Unfall bewahrt und ihr außerdem geholfen hat, Erinnerungen an ihren Ex-Freund loszuwerden und auch den Frosch in Pflege genommen hat. Inzwischen ist er als neu motivierter Architekt ins Büro gegenüber eingezogen und beginnt nun seinerseits, Zixin mit Fensterentertainment bei Laune zu halten. Nun buhlen also zwei Männer um ihre Gunst. Nur für wen soll sich Zixin entscheiden?

Johnnie To ist ja eher für seine Gangsterfilme à la The Mission bekannt, doch hat er damit zwar viele treue Fans nicht aber die großen Gewinne eingefahren. Die Massen erreicht man eben vor allem durch romantische Komödien, und das gilt in China vielleicht sogar noch mehr als im Rest der Welt. Nicht verwunderlich, dass Don’t Go Breaking My Heart sich vor allem beim Festlandpublikum anbiedern will. Das geht leider mit Qualitätsverlust einher. Denn Chinesen stellen ganz eigene Bedingungen an Filme und setzen Kitsch, übermäßigen Luxus und Happy Happy Joy Joy vor Realismus. Johnnie To entwirft für Don’t Go Breaking My Heart also ein Hongkong, das nur aus (ungerechtfertigtem) Luxus besteht. Wie sonst ließe sich erklären, dass hier keiner arbeitet (auch nicht, wenn sie mal im Büro oder sogar der Chef sind) und sich trotzdem Maseratis und Wohnungen mit Blick auf die Happy Valley-Rennbahn leisten können. Echtes Hongkong-Flair, wie wir es von früher kennen, geht natürlich flöten. Hier befinden wir uns in einer Traumwelt, die auch auf die Dreiecksbeziehung zutrifft. Welche Frau wünscht sich nicht, von zwei echten Traummännern gleichzeitig umschwärmt zu werden, vor allem wenn man selbst nur so ein 0815-Mädchen ist wie Gao Yuanyuan hier geben darf? Mal abgesehen vom tadellosen Äußeren sind die Männer aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Daniel Wu mimt den weinerlichen Warmduscher, dem man weder das verlotterte Pennerleben eingangs, noch das plötzlich reiche Architektenleben abnimmt. Immerhin wünscht man ihm aber Glück in der Liebe, und das ist die Hauptsache. Auch Louis Koo spielt einen weniger begehrenswerten Typen, als man seinem Charme nach urteilen könnte. Im Grunde ist er ein reicher Playboy, der jedem Rockzipfel hinterherrennt. Louis Koo liefert hier aber ein so gelungenes Spiel ab wie vielleicht noch nie. Er schafft es mit Leichtigkeit, die Sympathien der Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Dadurch gewinnt der Film sogar an Spannung. Wer von den beiden wird denn nun am Ende mit Zixin zusammenkommen? Die Antwort: der, der am Ende mit dem kitschigeren und unrealistischeren Heiratsantrag aufwarten kann. Möh! Dass der Verlierer seine Niederlage mit einem Schulterzucken abtut, setzt dann noch eins obendrauf!

Wüsste man es nicht besser, würde man glauben, einen waschechten Chinafilm zu sehen. Glücklicherweise schaffen es Johnnie To und Wai Ka-Fai noch eine Portion Witz und Intelligenz hinzuzugeben, was den durchschnittlichen China-Romanzen in der Regel fehlt. Und schon wird Don’t Go Breaking My Heart doch noch ganz gut. Gerade die »Fensterszenen« sind amüsant und kreativ in Szene gesetzt. Obendrein lassen sich die Figuren auch zwischen den Zeilen etwas besser kennen lernen, oder wenigstens ein bisschen. Und das ist auch schon mehr, als man im eher plumpen und offensichtlichen Storytelling vergleichbarer Romanzen erwarten kann.

Don’t Go Breaking My Heart ist im Herzen zwar nur eine mittelmäßige romantische Komödie mit mehr China- denn Hongkong-Flair, wird aber von Johnnie To immerhin mit echtem Witz und einer Intelligenz veredelt, die Festlandfilmen für gewöhnlich fehlt. Dadurch wird man ganz gut unterhalten. Allerdings sollte man nicht zu hohe Ansprüche stellen. Im Herzen bleibt Don’t Go Breaking My Heart nämlich genau das: eine mittelmäßige romantische Komödie. Und gerade zum Ende hin wird der Kitsch fast schon unerträglich.

© Shaoshi, 23. Oktober 2012
6/10

單身男女 | Daan Gyun Naam Yu
Hongkong • 2011 • 114 Min. • Romantische Komödie
Regie | Johnnie To Kei-Fung, Wai Ka-Fai
Drehbuch | Wai Ka-Fai, Yau Nai-Hoi, Ray Chan Wai-Ban, Jevons Au Man-Kit
Darsteller | Gao Yuanyuan, Louis Koo Tin-Lok, Daniel Wu Yin-Cho, Lam Suet, JJ Jia, Larisa, Terence Yin Chi-Wai, Selina Li Si-Wan, Chow Ka-Sing, Jeana Ho Pui-Yu

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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