Filmkritik | Happy Hotel (China, 2012)

Happy HotelIm Happy-Hotel geht alles drunter und drüber! Lösegeldübergaben, Affären, geheime Termine mit Schönheitschirurgen, ein eventuell toter Koreaner und die Jagd nach einer Tasche voll Geld—klingt turbulent und spaßig, wenn auch oberflächlich und nicht sonderlich nachhaltig. Genau das ist Happy Hotel auch—Popcornkino für die ganz Unbedarften. Durchaus unterhaltsam, allerdings.

Mr. Xis Sohn hat in Korea beim Glücksspiel beschissen und so eine Gruppe Gangster provoziert. Gegen ein Lösegeld soll der Sohnemann freikommen, allerdings muss hierfür erstmal der koreanische Lakai Kim Taesun (Jeon Kyeong-Ho) nach China geschickt werden, um das Geld abzuholen. Mr. Xi (Yao Lu), Chef des Happy-Hotels, hat bereits Geld in einem Tresor in einem der Hotelzimmer für die Übergabe vorgesehen, doch zu seinem Schreck muss er feststellen, dass das Geld an besagtem Tag nicht mehr da ist—und der koreanische Geldeintreiber hat sich bereits im Nebenzimmer einquartiert! Zu dumm, dass mit den Koreanern nicht zu spaßen ist. Der Gangsterboss hat den Sohnemann drüben in Korea schlimm zugerichtet und foltert seine Mitmenschen gern mit einem Nussknacker—und sei es nur, weil der andere zu viele Wong Jing-Filme gesehen hat.

Mr. Xi braucht also dringend eine andere Million Yuan und bekommt dazu die Gelegenheit, als er zufällig Hotelgast Shiqian (Jiang Wu) mit seiner Geliebten Kitty erwischt, der prompt glaubt von seiner Ehefrau ausspioniert zu werden und ihm gern eine Million Schweigegeld bezahlt. Was bis dato keiner ahnt: Shiqians Frau Jinghua (Ning Jing) wohnt gerade ebenfalls im Hotel, um einen heimlichen Termin bei einem Schönheitschirurgen wahrzunehmen. Nur verwechselt sie den mit dem koreanischen Gangster, der wiederum glaubt, sie wäre eine Prostituierte. Geistesgegenwärtig schlägt sie ihn k.o. und muss die vermeintliche Leiche nun verschwinden lassen. Ihr Mann, dem sie bald über den Weg läuft, will ihr dabei helfen. Inzwischen türmt Kitty allerdings mit dem Geld, so dass das Chaos bald schon perfekt ist.

Lässt man das absolut unbefriedigende Ende mal außen vor, kann man nur sagen: Wow, die Komödie hat Witz, Drive, sämtliche Figuren haben nachvollziehbare Motive und laufen sich sogar ständig über den Weg, ohne dabei sonderlich konstruiert zu wirken. So viel Professionalität ist nicht das, was man von einem modernen chinesischen Film gewohnt ist. Zugegeben, die Inszenierung wirkt so amerikanisch, dass das turbulente Treiben sowieso herzlich wenig mit China zu tun hat. In diesem Fall ist das aber egal. Man amüsiert sich nämlich ganz gut.

Irgendwo ist immer was los, sei es, weil man sich in der Waschküche gegenseitig per Stromschlag ins Jenseits befördern möchte, weil man sich aus dem Weg gehen muss oder die Tasche mit dem Geld wieder einmal den Besitzer wechselt. Schauplatz ist dabei größtenteils das Hotel; langweilig wird es allerdings nicht, da das Gebäude als Kulisse groß genug ist, um für den Zuschauer immer wieder neue Räumlichkeiten zu erschließen.

Der Humor ist simpel, aber zweckmäßig und erlangt mit dem koreanischen Gangster eine echte Bereicherung. Eigentlich will er gar nicht nach China reisen, weil er abends eine Verabredung mit seiner Freundin hat, er ist süchtig nach Lippenbalsam und außerdem extrem auf seine weißen Schuhe fixiert. Außerdem gefällt es, wie er sich mit bruchstückhaftem Chinesisch und schlechtem Englisch mit den anderen verständigen muss. Auch Shiqian und Jinghua als das reiche Ehepaar, das sich eigentlich längst auseinandergelebt hat, ist amüsant. Shiqian will eigentlich mit seiner Geliebten Kitty durchbrennen, an einen Ort, an dem man auch im Stehen pinkeln kann, aber die vermeintliche Leiche, die auf die Kappe seiner Frau geht, schweißt das Paar zusammen und entfacht eine neue Liebe. Kitty ahnt, dass sie leer ausgeht und ihre Zickereien enden nicht überraschend damit, dass sie mit dem Geld türmen will. Allerdings will Mr. Xi das Geld um alles in der Welt behalten, um seinen Sohn freizukaufen, aber auch Jinghua will das Geld zurück—glaubt sie doch, ihr Mann hätte die Million beim Pokerspielen verloren.

Happy Hotel ist eine turbulente Komödie voll Situationskomik und albernem Witz. Abgeschnittene Finger, Koreaner in Waschmaschinen, Geiseln und Erpressung—am Ende aber leider doch nichts weiter als ein harmloser Spaß für die ganze Familie. Wer hektische, gut geplottete Komödien dieser Art mag, ist mit Happy Hotel gut bedient. Kurzweilige Unterhaltung kann manchmal ja auch ganz entspannend sein. Nur das völlig unbefriedigende Ende ist hier ein echter Dorn im Auge.

© Shaoshi, 24. September 2012
7/10

乐翻天 | Le Fan Tian
China • 2012 • 96 Min. • Komödie
Regie | Wang Yuelun
Drehbuch | Wang Yuelun
Darsteller | Jiang Wu, Ning Jing, Yao Lu, Jeon Kyeong-Ho, Meng Tongdi, Tian Jiada, Lam Chi-Chung, Crystal Huang Yi, Liu Hua, Du Haitao, Cheung Tat-Ming, Michael Sui Kai, Huang Ziqi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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