Filmkritik | Million Dollar Crocodile (China, 2012)

Million Dollar CrocodileAls ich vor Monaten an den Kinoplakaten für Million Dollar Crocodile vorbeigegangen bin, habe ich den vermeintlichen Monstertrash für einen US-Film gehalten. Wie überrascht war ich daher, dass der Film aus China stammt, ist es doch eher ungewohnt, dass sich Chinesen einem solchen Thema widmen. Zwar lässt sich der Film ganz gut sehen, aber anders als die trashigen Vorbilder aus den USA ist der Streifen auch nicht.

Das titelgebende Krokodil ist Ah Mao, ein zehn Meter langes Ungetüm, das vor langer Zeit nach China geschmuggelt wurde und heute auf der Farm des Krokodilzähmers Liu (Shi Zhaoqi) in der Nähe von Hangzhou lebt. Weil dieser die Krokofarm schließen will, um zu seiner Familie in Peking zurückzukehren, verkauft er sämtliche Krokodile an ein illegales Krokodilrestaurant. Den Gaunern (u.a. Lam Suet) entkommt das Monstrum allerdings und schnappt sich auf einer Teeplantage erst einmal die Handtasche von Wen Yan (Barbie Hsu). Das Ärgerliche: in der Handtasche befand sich ihr sämtliches Gespartes, das nun in Form eines 100.000 Euro-Bündels (was ca. einer Million Yuan entspricht, daher der Titel) im Magen des Krokodils liegt. Als Wen Yan Loserpolizist Wang Beiji (Guo Tao) von dem Vorfall erzählt, will der ihr natürlich nicht glauben, aber nach ersten Opfern und Augenzeugenberichten fährt man dann doch noch Militärgeschütze auf, um das Vieh zu erledigen.

Das liest sich wie jeder beliebige Monsterfilm und das ist es im Grunde auch, mit dem einen Unterschied, dass Million Dollar Crocodile eben aus China kommt und mit Hangzhous Umgebung (u.a. der berühmte Westsee) ein paar schöne Kulissen bekommt. Ansonsten ist alles wie gehabt: Riesenvieh meuchelt sich durch die Gegend, wir haben den Polizisten, der die Jagd quasi im Alleingang durchführt (Kollegen und Militär sind nur Statisten), da ist die Tanktop-Frau und ein bisschen Fußvolk, das man im Notfall dezimieren kann. Dem Monsterfan, der vor allem auf Splatter aus ist, dürfte das Gebotene mit Sicherheit zu zahm sein. Der Body Count bleibt sehr niedrig und die Szenen, in denen sich das Krokodil eine Beute schnappt, sind kurz, unblutig und unspektakulär, damit’s, wie das Zensurbüro verlangt, auch kindertauglich bleibt.

Das Zahme mag auch daran liegen, dass der Film ausgerechnet ein Kind (Ding Jiali) in den Mittelpunkt rückt, das eine besondere Beziehung zu dem Riesenkrokodil zu haben scheint. Als Enkel des Krokodilkenners verfüttert er Ah Mao nicht nur seine Noten, sondern will auch ums Verrecken nicht, dass dem Tier etwas passiert. Folglich hat er auch keine Angst, wenn das wildgewordene Vieh nachts die ganze Bude zertrümmert. Das ist ein bisschen so wie die Godzilla-Filme, in denen Kinder Godzilla, der regelmäßig ohne Rücksicht auf Verluste ganze Großstädte platt trampelt, für ein liebenswertes Geschöpft halten und ihm zum Schluss ein »Besuch uns bald mal wieder!« hinterherrufen. Es könnte also den ein oder anderen aggressiv machen. Im Gegensatz zu den Ami-Pendants setzt man in China auch nicht so sehr auf Splatter, Action und Spannung, sondern macht den Monsterfilm einem breiteren Publikum zugänglich, indem man den Streifen fast schon als Actionkomödie aufzieht. Wie sonst ist zu erklären, dass sich die Bande rund um Lam Suet so extrem beschränkt verhält oder Barbie Hsu sich als die übliche Schickse, wie man sie eher in einer RomCom erwarten würde, lächerlich machen darf.

Aggressiv machen könnte übrigens auch besagte Barbie Hsu, die vor allem in der ersten Hälfte als wildgewordene Furie nervt. Nachvollziehbar sind ihre Gründe ja schon: immerhin hat sie ihr komplettes Gespartes, das sie aus fadenscheinigen Gründen stets bar mit sich herumträgt, verloren, der Boyfriend ist auch futsch und sie selbst konnte sich nur mit Müh und Not vor dem Krokodil retten, indem sie mit Mega-High-Heels einen Pfahl hinaufgeklettert ist. Im Laufe des Films legt sich ihr Gekeife zwar, da sie einsieht, dass das Geld vermutlich für immer weg ist, aber trotzdem. Guo Tao als Loserpolizist bleibt extrem austauschbar, was man bei Filmen dieser Art ja gewohnt ist. Das Krokodil selbst wurde computeranimiert, ist streckenweise sogar gelungen, aber sieht in vielen Einstellungen einfach nur nach B-Film-CGI aus. Immerhin kommt es im Film oft vor die Linse und das auch gern in Ganzkörperaufnahmen.

Million Dollar Crocodile ist der übliche Monstermurks, wie man ihn auch aus den USA kennt, und hebt sich–von Kulisse und chinesischen Darstellern mal abgesehen–auch kein bisschen von dem internationalen Einheitsbrei ab. Die Chinesen bleiben den Klischees des Genres treu und setzen sogar noch in der letzten Szene mit dem nicht überraschend gefundenen Nest das Statement, dass sie die Ami-Vorbilder offensichtlich genauestens studiert haben. Unterhaltsam ist der Streifen auf seine Weise schon. Richtig Trash ist er nicht, dafür ist er insgesamt zu solide verarbeitet, aber die üblichen Klischees und kratertiefe Logiklöcher reizen wohl trotzdem eher den Trash- denn den Splatterfan.

© Shaoshi, 27. Februar 2012
5/10

百万巨鳄 | Bai Wan Ju E
China • 2012 • 89 Min. • FSK 16 • Monsterfilm
Regie | Lin Lisheng
Drehbuch | Lin Lisheng
Darsteller | Barbie Hsu, Guo Tao, Shi Zhaoqi, Ding Jiali, Lam Suet, Hung Yan-Yan, Purba Rgyal, Fang Qingzhuo, Wang Jinsong, Li Qinqin, Hou Chuanguo, Che Jin

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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