Filmkritik | A Chinese Ghost Story 2 (Hongkong, 1990)

A Chinese Ghost Story 2Drei Jahre nach dem international gefeierten Fantasy-Romanzen-Action-Comedy-Horror-Hit A Chinese Ghost Story schoben Regisseur Ching Siu-Tung und Produzent Tsui Hark die erste (überflüssige) Fortsetzung nach, die sich zwar nahtlos an den Vorgänger reiht, insgesamt jedoch nicht mehr dessen Klasse erreichen kann.

Nachdem die Liebe zwischen dem etwas tollpatschigen Steuereintreiber Ling Choi-Sin (Leslie Cheung) und dem betörenden Geist Siu-Seen (Joey Wong) im ersten Teil tragisch geendet hat (in A Chinese Ghost Story 2 noch einmal in einer etwas unnötigen Zusammenfassung dargereicht), wandert Ling Choi-Sin nun wegen einer sturen Verwechslung geradewegs ins Gefängnis. Als er seiner Hinrichtung entfliehen kann, läuft er dem jungen Geister und Dämonen bezwingenden Mönch Chi Chau (Jacky Cheung) über den Weg, worauf sich die beiden bald zusammentun—nicht nur, weil sie zufällig beide in einem Spukhaus übernachten und freilich bald schon von einem missgelaunten Monster gejagt werden. Dem entkommen, stolpert Ling Choi-Sin auch schon der schönen Ji Bo (Joey Wong) vor die Füße, die gerade dabei ist, zusammen mit ihrer Schwester (Michelle Reis) und einem Haufen Schwertkämpfer im Gefolge, ihren Vater vor dessen Hinrichtung zu bewahren. Ling Choi-Sin, der von den Rebellen als berühmter Gelehrter verwechselt und verehrt wird, ist hin und weg: Denn Ji Bo ist seiner Angebeteten aus dem ersten Teil wie aus dem Gesicht geschnitten. Logisch, dass sich da bald wieder eine Romanze anbahnt. Doch zunächst heißt es gegen weitere Monster anzustinken, denn ein bösartiger Dämon in Priestergestalt möchte gern die Macht über das Land übernehmen.

War es in A Chinese Ghost Story u.a. die düstere Gruselatmosphäre und die bis auf zwei Szenen noch recht ausgewogene Mischung an verschiedenen Genres, die den Film so toll machten, gelingt das in A Chinese Ghost Story 2 leider nur noch bedingt. Die Fortsetzung konzentriert sich mehr auf das Fantasy- und Martial-Arts-Genre und vernachlässigt dadurch stark die geisterhafte Atmosphäre, die man allein schon vom Titel erwartet hätte, und weist trotz aller Actioneinlagen vor allem in der ersten Hälfte große Längen durch unnötige Slapstickeinlagen (etwa ein steifgezauberter Chi Chau) auf. Bis sich die Story also endlich entwickelt, vergeht eine ganze Weile. Gruselig wird es dabei leider nie, denn die Monster, die hier auf den Plan treten, sind zwar größer als die im Vorgänger, aber trotz besserer Tricktechnik ziemlich lächerlich. Das gilt vor allem für das erste große Monster, das immer wieder einmal auftaucht und ein glibberiger Dinosaurierverschnitt ist, der in mancher Szene einfach nur ungelenk wirkt. Das zweite große Monster, ein fliegender Tausendfüßler, ist da im Vergleich schon etwas besser, aber gar nichts zu den schrumpeligen Stop-Motion-Zombies des ersten Teils. Auch die angerissene Romanze zwischen Ling Choi-Sin und Ji Bo, die dank Ji Bos Schwester auch noch zur unnötigen Dreiecksbeziehung verkommt, kann der Intensität des ersten Teils nicht das Wasser reichen.

Inhaltlich bleibt man A Chinese Ghost Story trotz allem treu. Immer noch wirbelt man hier (vermutlich noch öfters als im ersten Teil) entgegen jeglichen Schwerkraftgesetzes durch die Lüfte und schaltet dabei nicht nur die Logik sondern gleich komplett die Realität aus. Alles ist möglich, und was im Vorgänger an abgefahrenen Ideen gezeigt wurde, wird hier noch getoppt. Da man den Schwerpunkt außerdem auf furiose Actionszenen verlagerte, bekommt man in A Chinese Ghost Story 2 trotz immer noch unzähliger Special-Effects-geladener Zaubersprüche deutlich mehr Schwertkämpfe zu sehen, die von Ching Siu-Tung stets schön wild inszeniert wurden.

Das typische Hongkong-Flair dieser Zeit ist hier genauso vorhanden wie in A Chinese Ghost Story. Ebenso begeistern die Kulissen, die Choreographien der Kämpfe und der Einfallsreichtum der Chinesen nach wie vor. Einzig störend sind eigentlich die doch sehr unausgewogen dargebotene Genre-Mischung, der teils klamaukige Humor und die uninspirierte Geschichte, die sich zu Beginn etwas zieht. Wer A Chinese Ghost Story mochte und damit leben kann, dass die gruselige Atmosphäre des ersten Teils im zweiten einer hektischeren, völlig abgehobenen Fantasy-Eastern-Stimmung Platz machen muss, wird auch den zweiten Teil mögen, wenn er vermutlich auch nicht mehr ganz so hingerissen sein wird.

© Shaoshi, 9. November 2009
6/10

倩女幽魂II 人間道 | Sien Nui Yau Wan II Yan Gaan Do
Hongkong • 1990 • 99 Min. • FSK 16 • Gruselromanze
Regie | Ching Siu-Tung
Drehbuch | Edward Leung Yiu-Ming, Lam Kee-To, Lau Daai-Muk
Darsteller | Leslie Cheung Kwok-Wing, Joey Wong Cho-Yin, Michelle Reis, Jacky Cheung Hok-Yau, Wu Ma, Ku Feng, Lau Shun, Lau Siu-Ming, Waise Lee Chi-Hung, To Siu Chun

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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