Filmkritik | Duel For Love (China, 2009)

Duel For LoveWas wie eine weitere romantische Komödie klingt, entpuppt sich erfreulicherweise als ein Liebesdrama. Dummerweise fällt der Streifen eher in die Kategorie des Tanzfilms, denn im Grunde lebt Duel For Love von Latinoklängen und Profitanz. Somit ist klar, dass der Film nur an der Oberfläche kratzen kann und die Story eher zweitrangig ist. Schade.

Und darum geht’s: Lili (Ai Dai) und Chu Sinan (Wallace Chung) sind Weltmeister im lateinamerikanischen Tanz. Der Schein vom glücklichen Paar trügt jedoch. Sinan stellt das Tanzen über alles andere, eine Tatsache, die Lili zunehmend unter Druck setzt. Sie flüchtet sich in die Alkoholsucht und liegt nach einem stümperhaften Selbstmordversuch im Krankenhaus. Sinan hingegen will weitertanzen. In der jungen Tänzerin Xiao Man findet er eine neue Partnerin. Doch ist Tanzen wirklich alles im Leben?

Alkoholsucht. Selbstmordversuch. Leistungsdruck. Ein Paar zwischen Liebe und Hass. Klingt nach guten Zutaten für ein Drama. Nur zu dumm, dass Duel For Love in erster Linie ein Tanzfilm ist und für das Drama kaum noch Zeit ist. Beachtet man außerdem, dass der Film mit gerade mal 90 Minuten inklusive vieler Tanzszenen extrem kompakt geraten ist, sollte klar sein, dass das Drama hier zugunsten biegsamer Körper hinten anstehen muss. Diese inhaltliche Fehlgewichtung ist es auch, weswegen der Film nicht richtig in die Gänge kommen will. Dabei hätte er durchaus das Potenzial gehabt. Wenn aber die Figuren und ihre Gefühlswelten aufs Nötigste reduziert werden, lassen sich weder ihre Beweggründe nachvollziehbar darstellen noch Beziehungen zu den Charakteren aufbauen. Auf der emotionalen Ebene befinden wir uns dann auf Seifenopernniveau, ein Eindruck, der durch die gewählte musikalische Untermalung in den dramatischen Momenten noch unterstützt wird.

Lili ist zwar schlichtweg unsympathisch, ist in der Geschichte allerdings die Leidtragende. Sie hat zwar angeblich ein Alkoholproblem, ist einsam und kotzt sich jeden Tag die Seele aus dem Leib, aber zu sehen bekommen wir es nie. Und nur weil sie einmal betrunken nach Hause wankt, halte ich sie noch lange nicht für eine Alkoholikerin. Auch ihr Aufenthalt in einer Entzugsklinik ist viel zu knapp und harmlos gehalten, um wirklich mitfiebern zu können. Kurz: Ihre Situation wird zwar zeredet, aber nicht gezeigt. Ich kann zwar verstehen, dass sich in ihrem Inneren so einiges an Drama abspielen mag, aber ich kann es nicht fühlen. Durch ihre anfängliche Arroganz wird die Distanz zu ihr sogar noch erhöht. Gleiches gilt für Sinan. Tanzen ist sein Leben und dafür benimmt er sich auch wie der letzte Idiot auf Erden. Sein Charakter wird im Film zwar besser zur Schau gestellt, wenn er Lili etwa im Krankenhaus besucht und statt zu fragen, wie es ihr geht, gleich vom nächsten Tanzwettbewerb spricht. Aber so doof wie er sich benimmt, lässt es mich ziemlich kalt, ob er Lili am Ende doch wieder für sich gewinnen kann. Xiao Man, die Dritte im Bunde, bleibt als junge engagierte Frau, die ihren Traum vom Tanzen in Peking verwirklichen will, gleich so blass, dass sie mehr wie eine flüchtige Nebenrolle anmutet, obwohl sie sich in so mancher Szene zu coolen Rhythmen verbiegen darf.

Die Tänze können sich allerdings sehen lassen. Selbst wer Tanzfilme nicht mag, muss einsehen, dass hier Profis am Werk sind, wenn sich Männer und Frauen zu Latinoklängen drehen und verbiegen. Ganz nett kann man da sagen. Allerdings werden sich mit solchen Szenen Leute, die das Drama dem Tanzen vorziehen, nicht als allzu zufriedene Zuschauer gewinnen können. Ich werde Männer in tief dekolletierten Glitzeranzügen wohl nie richtig ernst nehmen können, nicht einmal, wenn sie dabei gute Performances abliefern.

Duel For Love entpuppt sich als zweischneidiges Schwert. Als Drama ist der Streifen zu lasch, bemüht zwar interessante Motive, lässt diese aber hinter schillernden Tanzszenen verkümmern. Dadurch wirkt der Film viel zu oberflächlich und wenig fesselnd. Durch die uninteressant dargestellten Figuren wird weiteres Potenzial verschenkt. Immerhin der Soundtrack ist hörbar geworden und auch die zahlreichen Tanzszenen dürften dem ein oder anderen gefallen.

© Shaoshi, 25. Oktober 2012
5/10

斗爱 | Dou Ai
China • 2009 • 90 Min. • Drama | Tanzfilm
Regie | Zhang Ting
Drehbuch | Zhang Ting
Darsteller | Wallace Chung, Ai Dai, Liu Bin, Sun Tianlizi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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