Filmkritik | That Year School Ended (China, 2012)

That Year School EndedAllen schlechten Kritiken zum Trotz habe ich mir den Film That Year School Ended angetan. Man könnte ja immerhin seine Sprachkenntnisse damit aufpolieren. Doch auch beim Lernen habe ich gern meinen Spaß. Mit That Year School Ended hatte ich ihn nicht. Ein schlechter Film, in der Tat. Dabei könnte er doch so Gutes verheißen: chinesische Studenten in ihrem Abschlussjahr, eine Zeit des Umbruchs, die harte Welt der Erwachsenen zum Greifen nah. So ein bisschen wie der deutsche Spielfilm Schule, nur in Gut. Falsch gedacht. Der Film ist nämlich durch und durch chinesisch. Und das ist hier leider mal wieder gleichzusetzen mit »argh!«

Gemäß den chinesischen Filmrichtlinien ist man zwar technisch gut ausgerüstet, bringt aber trotzdem nur ein mittelmäßiges Low-Budget-Filmchen zustande. Das an sich wäre ja noch keine Schande, denn auch ein mit weniger Geld vollgepumpter Film kann es durchaus in sich haben. Spätestens mit der praktisch nicht existenten Handlung ist es dann aber gelaufen. An der chinesischen Kunstakademie in der exotischen Inselprovinz Hainan verhält man sich nämlich wie Zwölfjährige. Die Kunststudentinnen malen, tuscheln und kichern und in der Musikabteilung spielt zwar Konglin (Zhu Wenchao) ganz doll Klavier, aber seine Kommilitonen tragen lieber doofe Hüte und mimen die pathetischen Loser. Die Abschlussfeier ist nicht mehr fern, trotzdem dreht sich letztendlich alles um die Frage: Können Konglin und sein weiblicher Gegenpart, Malerin Aila (Gu Liya), ein Paar werden?

Was sich auf dem Papier schon öde liest, wirkt auf Celluloid noch um einiges fader. Die Geschichte wird dermaßen lustlos heruntergespult, dass man spätestens nach zehn Minuten abschalten möchte. Die Figuren sind auf die ewig gleichen Stereotypen beschränkt. Aila ist gütig, hübsch und ruhig, das perfekte Mädchen von nebenan, das nicht nur davon träumt, eine gefragte Malerin zu werden, sondern die zufällig auch dufte singen kann. Verkörpert wird sie nämlich von Sängerin Gu Liya, die so manches Mal bei Karaoke und auf Bühnen ins Mikro trällern darf. Grund: So lässt sich der inhaltsarme Film doch noch irgendwie auf knappe 90 Minuten strecken. So unschuldig und nett Aila dargestellt ist, umso mehr nerven Gu Liyas dämliche Mimik und ihr Hang zum furchtbar schlechten Schauspielern. Ihr männlicher Gegenpart Zhu Wenchao verzichtet als Konglin gleich ganz aufs Schauspiel. Allerdings sei auch erwähnt, dass Konglin als »reiferer« Student, d.h. als ernsthafter Langweiler, angelegt ist. Die überdrehten Nebenfiguren um die zickige Ting Ting (Ye Xinchen) und ein paar doofe Jungs machen die Misere auch nicht besser.

So simpel wie es hier zur Sache geht, könnte man meinen eine niveaulose taiwanesische Serie für Teenies zu gucken. Man bedient sich vornehmlich auch der gleichen Elemente. Auch wenn man pubertäre Zickereien von der Highschool in die Uni verlegt—erwachsener wird das nicht. Da nützt es auch nichts, wenn Kunststudentin Lulu zwecks Selbstporträt mal die Hüllen fallen lässt—und die Jungs draußen nicht ganz so heimlich zugucken. Man versucht zwar ansatzweise, das Nichts durch Probleme aufzufüllen, aber sinnlose Wettbewerbe zwischen Kunst- und Musikdepartment oder kleinere Streitereien in einer Liebesbeziehung, die als solche kaum erkennbar ist, reichen nicht zu einem guten Film. Zumal die Figuren blass bleiben und ihre Hintergründe – Konglin kommt beispielsweise aus armem Elternhaus und muss sich seine Brötchen selbst verdienen, während Aila klar von ihren Eltern alles in den A**** geschoben bekommt – werden einem auch nur näher gebracht, indem man es kurz mal erwähnt. Kurz gesagt: die »Geschichte« wird nicht lebendig, alles bleibt oberflächlich, schablonenhaft, angedeutet. Bloß nicht tiefer gehen, scheint die Devise. Bloß keine echten Probleme ansprechen und die Thematik lieber aus einem naiven Blickwinkel in eine zuckersüße Märchenwelt verlegen, in der man unschuldig und keusch ist. Und quasi keine Probleme hat. Dass man sich in einer Zeit des Umbruchs befindet, wird zwar mal durch eine Gruppenumarmung mit Tränen deutlich, aber was eine solche Erfahrung wirklich für die jungen Menschen bedeutet, wird lieber ausgespart. Die harte Realität – bäh!

Neben den exotischen Locations (Palmen, Sonne, Strand, Salzplantage) gibt es sonst nichts Positives zu erwähnen. Die Popsongs mögen noch ganz nett sein, wenn man denn auf so was steht, allerdings werden sie nie komplett ausgespielt und obendrein unpassend eingesetzt. Wenn der Gesang auf der Bühne einzig von einer Gitarre begleitet wird, aber in der drübergespielten Musik allerhand Instrumente mit Ausnahme einer Gitarre vorkommen, wirkt das eher lächerlich. Auch die einzig innovative Szene, in der man in der Bibliothek schweigend per Buchtiteln miteinander kommuniziert, wurde durch absolut uninspirierte Regie verhauen.

Man kann den Film naiv nennen, zu oberflächlich. Man kann ihn sich sogar irgendwie schön reden, indem man behauptet, dass man sowieso nur etwas Anspruchsloses sehen wollte. Das lenkt aber noch nicht von den Tatsachen ab—nämlich, dass That Year School Ended ein schlechter Film ist. Und zwar in allen Belangen. Mit lustloser Regie und einem faden Drehbuch ist es hier noch nicht getan. Der naive Blickwinkel und die nervigen Schauspieler geben dem Ganzen noch den Rest. Selbst wer sich sonst auch mit schlechten Filmen amüsieren kann, dem könnte es hier schwer fallen. Das Gesamtprodukt ist einfach zu öde.

© Shaoshi, 8. November 2012
2/10

毕业那年 | Bi Ye Na Nian
China • 2012 • 89 Min. • Romanze
Alternativtitel | Graduation, That Year
Regie | Yu Yao
Drehbuch | Chang Yan
Darsteller | Gu Liya, Zhu Wenchao, Ye Xinchen, Ding Ting, Long Fei, Long Ze, Wang Zhongxin, Xiaopang, Li Jiale, Pu Yongchao, Li Yan, Chen Lu, Chen Yu, Xiaobei, Ma Min, Sun Lianyi, Dong Yan, Fu Yuelong, Xu Yue, Chang Tong

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Cover-Quelle: movie.douban.com

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