Filmkritik | Go Lala Go! (China, 2010)

Go Lala GoMit ihrer vierten Regiearbeit Go Lala Go! nimmt sich Xu Jinglei einer Romanvorlage an, die ihrer Leserschaft Einblicke in den Büroalltag einer internationalen Firma gewährt und zeigt, wie man sich erfolgreich die Karriereleiter hocharbeiten kann. Xu Jinglei hat darauf aber scheinbar keine Lust und macht aus dem Stoff stattdessen eine Büroromanze, die in den schillerndsten Teilen Pekings angesiedelt ist.

Im Zentrum dieser Romanze steht Xu Jinglei natürlich selbst und übernimmt die Hauptrolle der jungen, entschlossenen Du Lala, die auf der Suche nach einem neuen Job als Sekretärin bei der internationalen Firma DB endet. Ihr Traumjob ist das nicht, doch zum Glück weiß sie, wie man die Karriere vorantreiben kann: durch harte Arbeit nämlich. Und so steigt sie schnell zur persönlichen Assistentin ihres Bosses David (Taiwan-Poprocker Stanley Huang) auf—wohlgemerkt erst, nachdem sie beim Firmenausflug in Thailand im Suff mit ihm geschlafen hat, doch das ist Nebensache. Die Affäre dauert an, muss aber geheim gehalten werden, da der eigene Job auf dem Spiel steht. Kann Du Lala in dieser Umgebung bestehen?

Na logisch. Ob sie ihren Mann behalten kann, dürfte auch sonnenklar sein. Es zweifelt ja auch niemand daran, dass Lala und David zusammengehören, auch wenn Xu Jinglei und Stanley Huang es nicht schaffen, mit sonderlicher Chemie zu glänzen. Schuld daran dürfte auch das Script sein, das aus den Figuren seelenlose Scherenschnitte macht, zu denen der Zuschauer keinen richtigen Zugang findet und die sich nicht immer ganz nachvollziehbar oder konsequent verhalten. Schon wie sie in Thailand zufällig in ein Bett finden, wirkt konstruiert und forciert. Als Lala dann einmal frustriert das Kreditkartenlimit ihres Liebhabers austestet, folgt darauf sogar nicht einmal eine Reaktion. Schlimmer noch: Xu Jinglei besitzt in Go Lala Go! nicht einen Funken Ausstrahlung und verblasst wie all ihre Kolleginnen vor Nebendarstellerin Karen Mok, die so in ihrer Rolle als undurchschaubare Bürowichtigkeit und Davids Ex-Liebhaberin Rose aufgeht, dass es eine wahre Freude ist, ihr bei ihrem—wenn auch unspektakulären—Treiben zuzusehen. Sie ist auch die einzige, der man die glamorösen Outfits, mit denen sie durch den Film stöckelt, abnimmt, während der restliche weibliche Cast in teuren Kleidern und ausgefallenen Designer-Fetzen zwar eine gute Figur macht, aber angesichts des spärlichen Sekretärinnengehalts eher unfreiwillig komisch rüberkommt. Zu verdanken haben die Grazien das Patricia Field, die einst schon den Cast von Sex And The City einkleidete und für Xu Jingleis Kommerzkiste offensichtlich denselben Kleiderschrank bediente. Übertrieben hat man es außerdem gnadenlos in Sachen Product Placement. Ständig hält die Kamera penetrant auf Lenovo-Logos, Namensschilder von teuren Geschäften und Riesenwerbeplakate, dass man fast schon kotzen möchte. Selten erregen Produktplatzierungen in Filmen solch intensive Gefühlsausbrüche.

Auch die Art, wie die Geschichte erzählt wird, ist unglücklich gewählt. Xu Jinglei stellt zwar die Liebesgeschichte in den Vordergrund, lässt aber auch Lalas Aufstieg in der Firma nicht außen vor. Dumm nur, dass der sich über Jahre erstreckt und mehrere Zeitsprünge zwar den einzelnen Karrierestufen Lalas guttun, die Liebesgeschichte dafür so stark verwässern, dass man sich weitaus weniger dafür interessiert, als der Film eigentlich nötig gehabt hätte. Zudem läuft für Lala alles zu glatt. In der Arbeit kann Lala quasi ungehindert aufsteigen und auch die Heimlichkeit ihrer Beziehung zu David, der sie als feste Freundin sieht, sieht sich nie aktiv bedroht—nicht einmal, als Rose davon Wind bekommt. Das ist schade, da die Spannung so flöten geht und sich der Film gerade im Mittelteil stellenweise enorm zieht.

Auf der Plus-Seite hätten wir immerhin die gutgemeinten Anstrengungen des Filmteams. Go Lala Go! ist nämlich keinesfalls lustlos hingeschnoddertes Material, sondern erstaunlich detailverliebt und gründlich bearbeitet. Sorgfältig ausgewählte Locations, die Peking von seiner modernsten, glamorösesten Seite zeigen und in Pattaya kräftig die Tourismuswerbetrommel für Thailand rühren, verwöhnen das Auge. Weiters unterhält Go Lala Go! mit fähiger Kameraarbeit und kreativen Schnitten, auch wenn der ein oder andere Split Screen dann doch etwas zu viel des Guten ist. Zu einem zufriedenstellenden Filmerlebnis reicht das zwar nicht ganz, kaschiert aber gut die ein oder andere Schwachstelle.

Die Wahl der Werbepartner, des Settings und der Kleider zeigt schon deutlich, an welche Zielgruppe sich Xu Jinglei mit ihrer Kommerzromanze Go Lala Go! richten will. Die oberflächliche, teils unterhaltsame, teils zähe Geschichte hat in der Erzählweise und der Performance der Hauptdarsteller zwar nur Mittelmaß zu bieten, sieht dafür aber klasse aus und zeigt der Zielgruppe zumindest, wie man immer eine gute Figur abgibt—wenn man sich die teuren Produkte doch nur leisten könnte… Zuletzt bleibt einem allerdings nur Karen Mok im Gedächtnis, die es in ihrer kleinen Nebenrolle mit Leichtigkeit schafft, alle anderen zu übertrumpfen und im Zuschauer diesen Wow-Effekt hervorzurufen, den wohl der gesamte Film anstrebte. Ob das wirklich für Hauptdarstellerin, Autorin und Regisseurin Xu Jinglei spricht? Das wage ich doch sehr zu bezweifeln.

© Shaoshi, 27. Februar 2012
5/10

杜拉拉升职记
China • 2010 • 101 Min. • Romanze
Regie | Xu Jinglei
Drehbuch | Xu Jinglei, Zhao Meng, Wang Yun
Darsteller | Xu Jinglei, Stanley Huang, Karen Mok Man-Wai, Pace Wu (Ng Pui-Chi), Li Ai, Alice Wang, Peter Loehr, Erik Siao, Wu Jianxin, Su Xiaoming, Zhao Baogang, Song Ning

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Go Lala Go! (China, 2010)

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