Filmkritik | Lawyer, Lawyer (Hongkong, 1997)

Laeyer LawyerNach Justice, My Foot! (1992) und Hail The Judge (1994) kehrt Comedy-Großmeister Stephen Chow in Lawyer, Lawyer noch einmal zur komödiantischen Aufarbeitung von Gerichtsszenen zurück.

Diesmal spielt Stephen Chow zu Zeiten der Qing-Dynastie den Anwalt Chan Mong-Gut, der in seiner Freizeit gern andere in die Pfanne haut und dabei auch die größten Geschmacklosigkeiten nicht scheut. Egal ob Bettlerbanden, die schöne Lotus (Chingmy Yau) oder sein Zögling Foon (Eric Kot)—alle werden früher oder später Opfer von Chan Mong-Guts frivolen Spielchen. Es kommt, wie es kommen muss, und Foon flüchtet sich nach einem Streit in die nächstbeste Stadt—die noch junge Kolonie Hongkong. Dort hat er es allerdings auch nicht besser, weil er nach kürzester Zeit als angeblicher Mörder ins Gefängnis geworfen wird. Nun ist es an Chan Mong-Gut, Foons Unschuld zu beweisen. Gar nicht so einfach, denn der Täter (Bowie Lam) ist ausgerechnet der gegnerische Anwalt, Chan Mong-Gut kennt sich mit der britischen Gesetzeslage nicht aus und seine Frau (Karen Mok) hat in England gar nicht Jura studiert sondern Fashiondesign.

Das lässt auf ein Gagfeuerwerk allererster Güte hoffen. Zuletzt gibt es bei Lawyer, Lawyer auch einiges zu lachen. Die eingänglichen Freizeitsequenzen, welche die Handlung recht langsam ins Rollen bringen, leben von Fäkalhumor, der so derbe sein kann, dass man schon nicht mehr weiß, ob man sich wirklich noch darüber amüsieren kann. Chan Mong-Gut besticht vor dem britischen Richter durch unkonventionelle Plädoyers, Rückschlüsse und Zeugenbefragungen und auch sonst gibt es wieder allerhand Slapstickeinlagen und Wortspiele (die relativ plump ausfallen und in der Übersetzung fast gänzlich verloren gehen) zu verbuchen. Anspruchsvolle Unterhaltung erwartet man bei einem Stephen Chow-Film ja nicht und so freut man sich über jede Albernheit, etwa über die Freizeitgestaltung im Knast oder auch das dortige Stauraumproblem.

Trotzdem hätten die Gags um einiges dichter sitzen können. Das Problem: außer Stephen Chow als unkonventioneller Anwalt bleiben alle anderen lediglich Nebenfiguren und teilweise ungerechtfertigt hohl. Besonders gutes Beispiel ist Karen Mok, die als Chan Mong-Guts Frau rein gar nichts zu tun hat, obwohl sie schließlich mit ihrem vermeintlichen Jura-Studium als die große Hoffnung im Gerichtssaal gilt. Schon allein dieses Dilemma, in dem sie steckt, hätte so viel Humorpotential hergegeben, das aber noch nicht einmal angekratzt wird. Stumm sitzt sie bei der Verhandlung neben ihrem Mann und gibt recht schnell zu, was sie wirklich studiert hat. Und dieses Schicksal erleiden auch andere Figuren. Schade.

Lawyer, Lawyer ist keine schlechte Komödie, nur gibt es eben etwas weniger zu lachen als man erwartet hätte. Viel Slapstick, depperte Einfälle und Stephen Chows Trademark-Overacting sorgen trotzdem für viel Freude. Wer primitivem Hongkong-Humor etwas abgewinnen kann, ist hier an der richtigen Adresse. Stephen Chow-Fans sowieso. Trotz allem bleibt Lawyer, Lawyer im Vergleich zu anderen Stephen Chow-Komödien eher Mittelmaß.

© Shaoshi, 31. Mai 2011
6/10

算死草 | Suen Sei Cho
Hongkong • 1997 • 86 Min. • Komödie
Produzent | Joe Ma Wai-Ho
Regie | Joe Ma Wai-Ho
Drehbuch | Joe Ma Wai-Ho, Wong Ho-Wa
Darsteller | Stephen Chow Sing-Chi, Eric Kot Man-Fai, Karen Mok Man-Wai, Chingmy Yau Suk-Ching, Bowie Lam Bo-Yi, Lee Kin-Yan, Moses Chan Ho, Paul Fonoroff, Wyman Wong Wai-Man, Lan Sai, Chung King-Fai, Lee Siu-Kei, Law Kar-Ying, Cheung Tat-Ming, Tats Lau Yi-Tat, Vincent Kok Tak-Chiu, Simon Lui Yu-Yeung, Spencer Lam Seung-Yi, Leila Tong Ling

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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