Filmkritik | Making It (Hongkong, 1978)

Making ItDie einzige Existenzberechtigung der 70er-Klamotte Making It dürfte der Fan-Service sein, mit dem man einst die Teenies von Hongkong bediente. Denn die furchtbar frisierten Köpfe der Hongkonger Erfolgsband The Wynners blödeln sich hier 95 Minuten lang durch eine Geschichte ohne Hand und Fuß und trällern dabei noch das ein oder andere Liedchen.

Der Großteil von Making It besteht dabei aus wahllos aneinandergereihten Sketchen, die besonders davon leben, dass irgendjemand irgendwo dagegenläuft oder eins auf die Birne bekommt. Gelegentlich ist das sogar im neuen Jahrtausend noch lustig, doch wer heute noch über einen geistig beeinträchtigten Dicken im gelben Bruce-Lee-Schlafanzug lacht, ist entweder extrem einfach gestrickt oder kann sich auch über Trash herrlich amüsieren. Eine Handlung kristallisiert sich dann doch noch rudimentär heraus, als unsere fünf Freunde (»The Wynners« Alan Tam, Kenny Bee, Bennett Pang, Danny Yip und Anthony Chan) unter dem Band-Namen The Five Tigers ein Konzert in einer Disco geben sollen, Ah Lun (Alan Tam) dank Lebensmittelvergiftung aber nicht teilnehmen kann und dann auch noch aus dem Krankenhausbett entführt wird. Die bettnässenden Bösewichte halten ihn nämlich für einen ausgebüchsten Millionärssprössling (wieder Alan Tam), der zufällig in der Nähe des Konzerts ist und flugs als Ah Luns Doppelgänger auf die Bühne geholt wird.

Vor Making It wurden die Fans bereits mit zwei The Wynners-Filmen abgespeist: Let’s Rock (1975) und Gonna Get You (1976) bieten den Fans bereits eine Überdosis an Alan Tam, Kenny Bee und Co., weshalb fraglich ist, ob ein dritter Film wirklich noch nötig gewesen ist. Er wurde aber gedreht, mit einem Budget, das offensichtlich so gering war wie das Talent der Beteiligten, was Schauspielern und Filmemachen im Allgemeinen angeht. Heutzutage dürfte das nur noch die Trash-Fans freuen, denn von konsistenter Handlung, Anspruch oder Spannung ist man weit entfernt. Obendrein ist das 70er-Jahre-Ambiente, was Outfits, Frisuren und alles andere von Menschen Gemachte angeht, penetrant über den Film gekleistert, was zwar für so manchen Schmunzler sorgen kann, aber den modernen Zuschauer auch extrem irritieren kann. Dasselbe gilt für die harmlosen Popsongs, welche The Wynners zumeist auf Englisch trällern. Zwar hatten sie mit diesen Songs in der damaligen Kronkolonie großen Erfolg, doch die Oldies zeigen auch deutlich, dass sich die Welt in den letzten dreißig Jahren in Sachen Musik ebenfalls weitergedreht hat.

Gute Filme sehen anders aus, aber mit Making It hat Produktionshaus Golden Harvest wohl auch gar kein Meisterwerk beabsichtigt. Der Streifen wurde lediglich gedreht, um der Fangemeinde von The Wynners das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die wurde dafür mit einer Überdosis kaugummikauendem Alan Tam und Co. abgespeist und konnte auch eine weniger fanatische Begleitung mit ins Kino schleppen. Immerhin ist Making It mit genügend primitivem Humor vollgestopft, um auch dann noch zu unterhalten, wenn man die fünf 70er-Jahre-Jünglinge nicht ganz so stark findet. Heutzutage dürfte man sich wohl nur noch als Trash-Fan über den angestaubten Slapstick amüsieren.

© Shaoshi, 25. Februar 2012
5/10

追赶跑跳碰 | Zhui Gan Pao Tiao Peng
Hongkong • 1978 • 95 Min. • Komödie
Regie | Richard Chen Yao-Chi
Drehbuch | Ku Hua, Lau Tin-Chi
Darsteller | Alan Tam Wing-Lun, Kenny Bee, Anthony Chan Yau, Bennett Pang, Danny Yip Chi-Keung, Chan Wai-Lau, Emily Chang Ying-Chen, Fung Hak-On, Ho Pak-Kwong, Kwan Shan, Sai Gwa-Pau, Sek Fung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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