Filmkritik | A Chinese Ghost Story 3 (Hongkong, 1991)

A Chinese Ghost Story 3War schon A Chinese Ghost Story 2 eine überflüssige Fortsetzung, so kann man das auch vom dritten Teil behaupten, obwohl sich das dynamische Duo Ching Siu-Tung und Tsui Hark hier wieder mehr auf den Geisteraspekt berufen haben und sich eher am Original orientieren als sie es bei A Chinese Ghost Story 2 getan haben.

Diesmal spielt die Geschichte hundert Jahre nach den Ereignissen aus den beiden Vorgängern, die uns eingangs noch einmal in kurzer Zusammenfassung präsentiert werden. Das ist aber nicht weiter wichtig, denn A Chinese Ghost Story 3 hat eine ganz eigenständige Geschichte und—schon wieder—eine neue Rollenverteilung. Am auffälligsten und traurigsten dürfte sein, dass Leslie Cheung diesmal nicht mehr dabei ist. Stattdessen übernimmt Tony Leung die Hauptrolle und wandert mit seinem Meister (Lau Shun) und einem goldenen Buddha im Gepäck als flapsiger Wandermönch namens Fong durchs Land. Beim nächsten Wolkenbruch suchen die beiden Unterschlupf im Lan Po Tempel, in dem es immer noch spukt. Während Fongs Meister sofort auszieht, um draußen Dämonen zu bekämpfen, bewacht Fong im Tempel die Buddha-Figur und bekommt schon bald Besuch vom schönen Frauengeist Lotus (Joey Wong) und kann sich selbst als enthaltsamer Mönch nur schwer ihren aufdringlich zur Schau gestellten Reizen entziehen. Lotus, die das »kleine Mönchlein« nach getaner Verführarbeit eigentlich umbringen soll, bandelt stattdessen mit Fong an und bringt sich bald in Schwierigkeiten. Ihre bösartige Schwester sowie ihre Herrin—der tuntige Baumgeist aus dem ersten Teil—wollen nicht nur die Menschen tot sehen, sondern auch Lotus bestrafen. Als Fongs Meister von den Geistern gefangen genommen wird, will Fong ihn befreien und bekommt nicht nur Unterstützung von der unentschlossenen Lotus sondern auch noch von einem Schwertkämpfer (Jacky Cheung), der für Geld jeden Auftrag annimmt.

War der erste Teil noch eine willkommene Mischung aus so ziemlich jedem Genre, beschränkte sich der zweite schon auf Fantasy und Swordsplay-Action. A Chinese Ghost Story 3 hat sich nun endgültig dem Fantasy-Genre verschrieben. Damit geht (wie schon in Teil 2) viel der einst so tollen Atmosphäre verloren. Da A Chinese Ghost Story 3 außerdem nur ein fader Aufguss der Grundidee des ersten Teils ist, geht auch noch die Originalität flöten. Das wäre ja noch nicht so schlimm und tatsächlich besticht der dritte Teil wieder mit seinen eigentümlichen Studiokulissen und abgefahrenen Kampfsequenzen voll Wire-Work und vielen fantasievollen Effekten, die schon in den Vorgängern so gut funktioniert haben, doch der Rest hinkt hinterher. Größtes Manko dürften die dümmliche Story und ihre noch dümmeren Charaktere sein. Leslie Cheung als liebenswerter Tollpatsch lässt sich einfach nicht ersetzen, schon gar nicht von einem naiven (und grausam synchronisierten) Mönch, den Tony Leung so dermaßen dumm spielen muss, dass es schon fast weh tut. Auch Jacky Cheung als geldgieriger Schwertkämpfer ist eine Plage. Szenen mit ihm sind überaus lästig, da er stur und übertrieben großspurig ist und außerdem in einem fort mit Fong streitet. Leider machen diese Streitereien einen großen Teil des Humorgehalts aus, womit dann auch gesagt wäre, dass der Comedy-Anteil von A Chinese Ghost Story 3 nicht lustig sondern einfach nur anstrengend ist. Fongs Meister ist den halben Film sowieso abwesend und kämpft (in nicht gezeigten Szenen) gegen Monster, bettelt um Essen oder lebt in Gefangenschaft—alles nur Mittel zum Zweck, damit Fong und Lotus mehr Zeit miteinander verbringen können. Leider fällt Joey Wong als betörende Lotus ebenfalls in die Kategorie der nervtötenden Charaktere. Spielte sie im ersten Teil noch eine tragische und sympathische Geisterrolle, fehlte ihr als irdische Kämpferin bereits im zweiten Teil das gewisse Etwas. Im dritten Teil spielt sie nun wieder einen männerverführenden Geist und tut dies auf absolut aufdringliche Art und Weise und verhält sich auch in den Szenen, die nicht erotische Zweisamkeit andeuten, ganz schön sprunghaft. Die Liebe zwischen Geist und Mönch kommt nie glaubhaft daher und das, obwohl es doch—für A Chinese Ghost Story-Verhältnisse—so mancher Intimität beizuwohnen gilt.

Lotus‘ Herrin, der abstoßende Baumgeist, haust wie gehabt mit seinem hysterischen Geistergefolge in schönen Kulissen und lässt, wenn es sein muss, mal wieder Äste und Zungen ins Unermessliche wachsen. Auch sonst ist die Fantasy zur Routinearbeit geworden. Frauen wirbeln in schönen Kostümen betörend durch die Lüfte, die Erde tut sich auf und Zaubersprüche (hier Gebete) sorgen für bahnbrechende Kräfte. Die Effekte sind natürlich auf modernerem Niveau als die aus den Vorgängerfilmen, trotzdem wirkt es vergleichsweise billiger, wenn fliegende Schwerter ins Bild retuschiert wurden. Nicht zuletzt fällt dann auch noch der einst so tolle Synthesizer-Soundtrack ab und verkommt hier zur uninspirierten Nebensächlichkeit ohne jegliches Flair.

Wer A Chinese Ghost Story 1 und 2 mochte, wird auch am dritten Teil noch seine Freude haben. Kostüme und Kulissen sind immer noch top, auch die Kameraarbeit ist toll. Doch die Idee der romantischen Geistergeschichte nutzt sich eben ab, zumal der letzte Teil der Trilogie keine nennenswerten Neuheiten zu Tage fördert und uns nur noch einen lauwarmen dritten Aufguss vorsetzt, der zwar schmeckt, aber trotz viel schrillem Fantasy-Gewürz reichlich dünn geraten ist.

© Shaoshi, 12. November 2009
5/10

倩女幽魂III 道道道 | Sien Nui Yau Wan III Do Do Do
Hongkong • 1991 • 104 Min. • FSK 16 • Gruselromanze
Regie | Ching Siu-Tung
Drehbuch | Tsui Hark
Darsteller | Tony Leung Chiu-Wai, Jacky Cheung Hok-Yau, Joey Wong Cho-Yin, Nina Li Chi, Lau Siu-Ming, Lau Shun, Tiffany Lau, Tommy Wong, Waise Lee Chi-Hung, Ho Choi Chow, Cheung Yiu Sing

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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