Filmkritik | Men Suddenly In Black (Hongkong, 2003)

Men Suddenly In BlackIst die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Getreu diesem Motto handeln die männlichen Figuren in Men Suddenly In Black. Denn Kumpels Tin (Eric Tsnang), Cheung (Jordan Chan), Chao (Chapman To) und Paul (Spirit Blue) wollen endlich einmal die Sau rauslassen—ohne ihre Frauen. Als die also zu einem Tagestrip nach Bangkok aufbrechen, ist die Freizeit bzw. Freiheit der Männer längst minutiös verplant. Gut ausgestattet mit Kondomen und Viagra wollen sie ihre langjährigen Ehefrauen mit einer anderen betrügen—eine Mission, die sich als gar nicht so leicht herausstellt.

Die Handlung von Men Suddenly In Black ist nicht gerade komplex und könnte dem ein oder anderen (und hier wohl vor allem den weiblichen Zuschauern) schon rein inhaltlich nicht ganz schmecken—seine Frau zu betrügen ist nun mal keine rühmliche Sache. Löblicher hingegen ist der Stil, in dem uns die unehrenhafte Story dargebracht wird. Dass Men Suddenly In Black eine Komödie ist, ist beim Thema zwar klar, doch eigentlich hätte man hier Primitivität, ausgelutschte Situationskomik und Zoten erwartet. Stattdessen bekommt man einen handwerklich überaus geschickten Film zu sehen, der sich gleich die Machart eines ganzen Subgenres zu eigen macht—die des Heroic-Bloodshed-Actioners nämlich. Kaum zu glauben, dass sich eine lässige Fremdgehkomödie mit einem Genre verbinden lässt, das ganz durch bierernste Action und knallharte Schießereien besticht. Die Mischung funktioniert. So gut sogar, dass man den Erfolg des Filmes fast vollständig der Inszenierung zuschreiben darf. Der düstere Soundtrack sorgt für Spannung und Gangsterfilmatmosphäre. Tatsächlich fühlt man sich die ganze Zeit, als säße man in einem Triadenfilm. Das geht schon bei der Figurenkonstellation los. Ausgerechnet Eric Tsang, der im Gangsterfilm ebenso zu Hause ist wie in primitiven Komödien, führt die Gruppe an und wird ergänzt vom Hitzkopf Chapman To, dem etwas überlegter handelnden Jordan Chan und Neuling Spirit Blue. Man trifft sich heimlich in düsteren Hinterzimmern, kleidet sich dunkel und bekommt ausgerechnet vor Containerhafenkulisse den Moralischen. Situationen und Eigenheiten, die man aus jedem Gangsterfilm so kennt, bei Men Suddenly In Black ins Groteske verzerrt durch die gänzlich unterschiedliche Thematik. Da verkommt das Treffen bei einem alten Freund (Tony Leung Ka-Fai), den seine Frau einst beim Fremdgehen erwischte, zum Gefängnisbesuch inklusive Philippino-Wärter; in actionreicheren Szenen duelliert man sich in guter alter John-Woo-Manier in Zeitlupen mit dem Feind—die Wahl der Waffen fällt hier allerdings nicht auf dicke Ballermänner sondern Fotoapparate und Gartenschläuche.

Gejagt werden unsere Antihelden natürlich auch noch—von ihren Frauen, die einer weiblichen Intuition folgend dann doch lieber in Hongkong geblieben sind, um ihren Männern hinterherzuschnüffeln. Auf Seiten der Frauen bleibt es zwar eher nebensächlich, aber mindestens eine gut in Szene gesetzte Stelle, als sie etwa in der Damentoilette einer »Informantin« so allerlei Info aus der Nase ziehen müssen, gibt es auch hier zu verbuchen.

Die Charaktere bleiben relativ platt, was bei dem hohen Erzähltempo und dem intelligenten Stil aber kaum negativ ins Gewicht fällt. Durch die Mission der Männer, hinter dem Rücken ihrer Ehefrauen eine Andere flachzulegen, gibt es zwar durchaus mal ein paar zotige Gags. Glücklicherweise behalten jedoch alle Figuren einen Rest Würde, so dass man sich von den geilen Männern dann doch nicht ganz abgestoßen fühlt und durchaus mit ihnen mitfiebert, wenn sie von ihren Frauen immer enger eingekreist werden. Das Ende kann noch einmal extra punkten—nachdem Patrick Kong, unserem Liebeszyniker Nummer Eins, am Drehbuch mitgewirkt hat, ist das auch nicht verwunderlich.

Intelligente Komödien findet man in Hongkong nicht allzu oft—Men Suddenly In Black darf aber zu Recht als eine solche betitelt werden. Mit seiner durchdachten Handlung und der genialen Idee, eine zotige Komödie im Stil eines Heroic-Bloodshed-Streifens zu drehen, punktet der Film in allen Kategorien. Er ist grotesk bis witzig, auch wenn er auf den ersten Blick todernst wirken mag, und nimmt dabei noch trotz völlig unterschiedlicher Themen das Heroic-Bloodshed-Genre aufs Korn. Bis zum Schluss bleibt es spannend und turbulent. Die Erotik kommt hier klar zu kurz—doch das ist gut so. Men Suddenly In Black hat weit interessantere Qualitäten.

© Shaoshi, 11. Mai 2011
8/10

大丈夫
Hongkong • 2003 • 98 Min. • Komödie
Regie | Edmond Pang Ho-Cheung
Drehbuch | Edmond Pang Ho-Cheung, Patrick Kong (Yip Lim-Sum), Erica Lee Man
Darsteller | Eric Tsang Chi-Wai, Jordan Chan Siu-Chun, Chapman To Man-Chak, Spirit Blue (Jia Zongchao), Teresa Mo Sun-Kwan, Candy Lo Hau-Yam, Tiffany Lee Lung-Yi, Marsha Yuan Ji-Wai, Maria Cordero, Sandra Ng Kwun-Yu, Tony Leung Kar-Fai, Teresa Mak Ka-Kei, Stephanie Che Yuen-Yuen, Nat Chan Pak-Cheung, Lam Suet, Jim Chim Sui-Man, Annabelle Lau Hiu-Tung, Chin Kar-Lok, Ellen Chan Ar-Lun, Carlo Ng Ka-Lok, Timmy Hung Tin-Ming, Belinda Hamnett, Kitty Chu Kit-Yi, Eric Kot Man-Fai, Cheung Tat-Ming, Ken Wong Hap-Hei, Iris Wong Yat-Tung, Jackie Lui Chung-Yin, Coco Chiang Yi, Sammo Hung Kam-Bo, Alan Tam Wing-Lun, Gia Lin, Osman Hung Chi-Kit, Otto Wong, Eddie Peng Wai-On, Eric Tse

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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