Filmkritik | Kung Fu Rabbit (China, 2011)

Kung Fu Rabbit / Legend Of A RabbitDrei Jahre hat das Team um Produzent und Regisseur Sun Lijun für die Produktion gebraucht, und nun ist er fertig: der erste 3D-Animationsfilm in Spielfilmlänge made in China. Der Titel: Legend Of A Rabbit oder auch Kung Fu Rabbit. Na, an was erinnert uns das? Und nicht nur beim Titel drängt sich der Vergleich mit der erfolgreichen US-Animation Kung Fu Panda auf.

Hase Tu’er ist ein unbedarfter Kuchenverkäufer, bis ihm ein sterbender Meister einer berühmten Kung-Fu-Akademie den Auftrag erteilt, eine kleine Jadetafel an seine Tochter Peony zu überbringen. Tu’er macht sich also pflichtbewusst auf den Weg zu jener Kung-Fu-Akademie, in der Peony zu finden ist. Als Tu’er endlich dort ankommt, ist die Tochter aber nicht da und dem dicken Hasen bleibt nichts anderes übrig als als Küchenhilfe in der Akademie anzuheuern, die seit dem Tod des großen Meisters vom bösen Pseudo-Panda Slash terrorisiert wird. Der will nämlich die Macht über die Martial-Arts-Welt an sich reißen und könnte nur durch Peony oder besagte Jadetafel daran gehindert werden. Es dauert natürlich nicht lange, bis sich Tölpel Tu’er mit Peony und ihrem Freund (einen kleinen, nervenden Hasen) anfreundet, die momentan in einem verlassenen Tempel ganz in der Nähe Unterschlupf gefunden haben. Wird es unseren Helden gelingen, die Gerechtigkeit siegen zu lassen und Slash entsprechend zu bekämpfen? Hust, na klar, hust, hust.

Animationsfilme haben noch nie durch innovative Storys gepunktet und so ist es denn nicht verwunderlich, dass auch Legend Of A Rabbit nur Althergebrachtes verwurstet. Und das noch nicht einmal besonders intelligent. So stirbt der Kung-Fu-Meister, ein Affe übrigens, gleich zu Beginn in Tu’ers Haus, worauf der gemütliche Hase natürlich nichts Besseres zu tun hat, als sich auf des Meisters Geheiß völlig unbegründet ins nächstbeste Abenteuer zu stürzen. Dass ihm der Meister vor seinem Ableben noch schnell durch Handauflegen sämtliche Kung-Fu-Kenntnisse überträgt, bekommt Tu’er zwar am ganzen Leib zu spüren, scheint es aber für nahezu den Rest des Filmes völlig vergessen zu haben. Auch als er auf die geschmeidige Kätzin Peony trifft und Tu’er sie nicht als diese erkennt, ist die Verwechslung so an den Haaren herbeigezogen, dass man dem Hasen gern mal die Ohren lang ziehen würde—wären die unter seiner doofen Tigermütze nicht schon so lang. Im Bereich Gut und Böse wird plump mit Schwarz und Weiß gemalt und so ist Slash, der Bär, der sich zum Panda schminkt, so unglaublich böse, dass es fast schon unfreiwillig komisch wirkt. Einzig der cholerische Küchenchef, ein fettes Schwein, ist ganz gut gelungen.

Auch die Rollenverteilung auf bestimmte Tiere scheint mehr als willkürlich vonstatten gegangen zu sein. Bei Tu’er, dem Hasen, bleibt man zu sehr an der Vorlage des Pandabären hängen und macht den Hasen zu einem großen, dicken Fellbündel, um sich der Statur des Kung Fu Panda so weit wie möglich anzunähern, ohne selbst einen Pandabären in den Mittelpunkt rücken zu müssen. So entspricht Tu’er dann auch tatsächlich dem Klischee des gemütlichen Bären und weist keinerlei hasentypische Charakteristika auf, womit die Figur des Hasen total verschenkt ist. Ebenso ist fraglich, wieso ein Affe ausgerechnet eine Katze oder zumindest eine Katzenartige zur Tochter hat oder warum der Hase fast alle anderen Tiere mit Leichtigkeit überragt.

Pixar und Dreamworks haben Maßstäbe im Bereich Animationsfilm gesetzt, die Legend Of A Rabbit natürlich nicht erfüllen kann. Zwar wurde der Streifen durchaus mit Liebe animiert, allerdings nicht mit der Detailverliebtheit der westlichen Vorbilder. So ist zwar das Fell einiger Tiere angedeutet, aber nicht so bahnbrechend in jedes einzelne Härchen animiert wie etwa in Kung Fu Panda. Auch in den Hintergründen und den Bewegungen der Figuren sieht man da himmelweite Unterschiede. Verwerflich ist das natürlich nicht, da jeder seinem eigenen Stil nacheifern kann, nur wirkt Legend Of A Rabbit wie gewollt und nicht gekonnt. Über das Niveau der animierten Serien, die so im Kinderprogramm laufen, kommt der Film zwar schon hinaus, aber mehr als ein durchschnittliches modernes Computerspielambiente ist da nicht drin.

Die Chinesen rühmten sich ja außerdem damit, dass sie mit Legend Of A Rabbit einen Animationsfilm im Kung-Fu-Bereich geschaffen haben, der nicht nur akkurater in der Darstellung des alten Chinas ist, sondern auch mit mehr und besseren Actionsequenzen punkten kann als vergleichbare Filme (hust, Kung Fu Panda, hust, hust). Akkurater? Kann sein. Sind die Actionszenen besser als die in Kung Fu Panda? Vermutlich nicht, da völlig überzogen; sie haben aber definitiv ein weitaus asiatischeres Feeling als das westliche Vorbild, das ja unter dem Vorwand, eine Hommage an alte Eastern darzustellen, nur mit allerhand Klischees um sich warf.

Ich war noch nie ein Freund von Animationsfilmen und kann auch dem chinesischen Beitrag kaum etwas abgewinnen. Der Film ist wenig originell, wenig witzig und wenig unterhaltsam. Noch dazu sind noch nicht einmal die mittelmäßigen Animationen sehenswert. Dreamworks und Pixar kupfern ja schon seit Jahren voneinander ab, nur bei dem unterhaltsamen und auch ganz sympathischen Kung Fu Panda gab es bis jetzt noch kein ebenbürtiges Gegenstück. Mit Legend Of A Rabbit ist zwar eine Antwort auf das Original geschaffen, nur ist die so nichtssagend ausgefallen, dass es letztendlich doch nur wieder heißt: »Billige China-Kopie!«

© Shaoshi, 11. Februar 2012
3/10

兔侠传奇 | Tu Xia Chuan Qi
China • 2011 • 89 Min. • Actionkomödie [Animation]
Alternativtitel | Legend Of A Rabbit
Regie | Sun Lijun
Drehbuch | Zou Jingzhi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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