Filmkritik | Doggy Poo (Südkorea, 2003)

Doggy PooDoggy Poo. Der Titel hält, was er verspricht. In diesem südkoreanischen Animationsfilm geht es nämlich tatsächlich um genau das: einen Haufen Hundekacke! Nachdem dieser von einem Hund auf einem Feldweg zurückgelassen wurde, grübelt er über seine Existenz und lernt dabei ein vertrocknetes Blatt, einen Dreckklumpen und eine Löwenzahnpflanze kennen. Und zuletzt findet das Häufchen dann auch noch seine wahre Bestimmung.

Die Geschichte existiert dabei schon seit den 60er Jahren, als Kwon Jung-Saeng das gleichnamige Kinderbuch schrieb. 2003 wurde die Geschichte schließlich zu einem aufwändigen Animationsfilm verarbeitet. Und der kann sich sehen lassen, auch wenn sich hier alles um Scheiße dreht. Zunächst einmal wurden detailreiche Kulissen von idyllischem Dorf und besagtem Feldweg angefertigt, die zwar sehr realistisch gehalten sind, aber natürlich trotzdem einen typischen Trickfilmcharakter aufweisen. Recht traditionell greift man bei den Animationen auf Stop-and-Motion-Tricks und Knetfiguren zurück. Die ungewöhnlichen Figuren sind sehr liebevoll animiert und dürften bei kleinen Kindern und allen, die nie ganz ihrer Analphase entwachsen sind, großen Anklang finden.

In das ländliche Idyll wird nun also der Hundehaufen »hineingeboren«, wobei es für die Südkoreaner Ehrensache ist, selbst Kacke als niedliches, liebenswertes Wesen darzustellen. Und so blickt das pausbäckige Häufchen zu Tränen gerührt, staunend und auch ängstlich in diese wunderbare Welt, in welcher es noch nach seiner Bestimmung sucht. Für einen Augenblick trifft es auf Gefährten—ein vorbeiwehendes Blatt etwa oder den von einem Ochsenkarren gefallenen Dreckklumpen, der nun um sein Leben zittert, weil er jeden Moment von einem Wagen überfahren werden könnte. Und während diese Gesellen bereits mit ihrem Leben abgeschlossen und ihren Zweck erfüllt haben, steht die zarte Löwenzahnpflanze, die über Nacht neben unserem Doggy Poo aus dem Boden sprießt, für den Beginn eines neuen Lebens. Dabei ist der Kurzfilm durchaus philosophisch angehaucht und dürfte vor allem die Kleinen dazu anregen, mal über das eigene Dasein nachzudenken. Zuletzt besticht der Kurzfilm dann auch noch durch seine wunderschöne musikalische Untermalung. Die verträumte Klaviermusik von Yiruma gibt dem Film nämlich einen passenden märchenhaften Charakter.

Man hätte ja kaum vermutet, dass sich hinter dem Titel Doggy Poo tatsächlich eine kleine südkoreanische Perle versteckt. Zwar ist der halbstündige Kurzfilm auf alle Fälle für kleine Kinder gedacht, aber durch seine ungewöhnlichen Protagonisten, die sorgfältige Animation und die liebevolle und kindgerechte Aufarbeitung von der Suche nach dem Sinn des Lebens dürften hier auch aufgeschlossene Erwachsene auf ihre Kosten kommen. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass der knuddelige Hauptdarsteller in Doggy Poo ausgerechnet ein Scheißhaufen ist. Und deshalb wird es etliche Leute geben, die den Film schon allein aufgrund dieser Tatsache »Scheiße« finden werden. Wer so engstirnig ist, verpasst allerdings was. Selber schuld!

© Shaoshi, 10. Juni 2011
6/10

강아지 똥 | Gangaji Ddong
Südkorea • 2003 • 34 Min. • Kurzfilm [Animation]
Regie | Kwon Oh-Sung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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