Filmkritik | Das Medaillon (Hongkong / USA, 2003)

Das MedaillonSo manchem Jackie Chan-Fan gefallen seine US-Produktionen ja nicht so. Fairerweise muss man zugeben, dass auch die Hongkong-Filme mit dem quirligen Action-Star nicht alle das Gelbe vom Ei sind. So etwa der Streifen Das Medaillon, der schon beim lustlosen Titel erkennen lässt, dass man es hier mit einem billigen, primitiven und langweiligen Film zu tun hat. Aber: Das Medaillon ist noch viel schlechter als man erwarten würde und enttäuscht auf ganzer Linie.

Jackie Chan ist Eddie, ein langhaariger Hongkong-Cop in Lederjacke, der Interpol gerade dabei hilft, Oberbösewicht Snakehead (Julian Sands) durch Hongkong zu jagen. Snakehead kann jedoch entkommen und nimmt auch noch brisante Beute mit in sein Wahlversteck Irland. Einen kleinen Jungen nämlich, der nicht nur notorischer Dummgucker, sondern auch noch der Hüter eines seltsamen Medaillons ist, mit dem man es von—WOW!—ungeahnten Kräften bis zur Unsterblichkeit bringen kann. Eddie wechselt also kurz den Haarschnitt und reist nach Irland, wo er nicht nur auf sein Love Interest Nicole (Claire Forlani) sondern auch (leider wieder) auf Interpol-Kollege Watson (Lee Evans) trifft, die ihm freilich bei der Suche nach Kind und Kegel helfen.

Die Handlung klingt schon mal wenig innovativ und ist praktisch nicht existent. Tatsächlich scheint man hier beinahe wahllos Szenen aneinanderzureihen, auf die sich der Zuschauer selbst einen Reim machen darf. Erklärungen und Logik darf man jedenfalls nicht erwarten. Oberfiesling Snakehead und seine Randgruppen-Gang sind die üblichen B-Movie-Bösewichte mit entsprechenden Outfits und penetranter Lache. Wo der Bösewicht den Besitzwunsch eines fantastischen MacGuffins in der Regel mit Weltherrschaft oder unermesslichem Reichtum rechtfertigt, kann sich der Zuschauer dank Fernseherfahrung hier nur denken, warum Snakehead das Medaillon haben will. Die kryptische »Legende«, die sich um das Medaillon rankt, wird uns von einem Hippie-Hobby-Professor übers Internet erklärt (woher der davon weiß oder warum in Hongkong noch niemand mitbekommen hat, dass ein solches Medaillon in einem geheimen Tempel in der örtlichen Kanalisation existiert, bleibt auch im Dunkeln) und die Liebesgeschichte zwischen Eddie und Nicole wird uns nahe gebracht, indem die beiden gemeinsam auf ein paar gerahmten Fotos vor einem Sonnenuntergang stehen und sich Nicole in Eddies Gegenwart wie ein nervöser Teenager benimmt.

Ein Film mit Jackie Chan in der Hauptrolle will natürlich ein Actionfilm sein und so bietet uns Das Medaillon Action—allerdings kaum die Art, auf die man gehofft hatte. Überraschenderweise bleibt Jackie Chans Markenzeichen-Kampfstil (Zweckentfremden von Gegenständen, flinkes Ausweichen und augenzwinkernde Choreographien) gänzlich außen vor. Man setzt vorrangig auf uninspiriertes B-Movie-Gekloppe und ein bisschen Schießerei zu penetrant-grottigem Soundtrack und setzt bei Stunts—die sich auf weite Sprünge zu beschränken scheinen—ungewohnter Weise auf Wirework. Sobald Eddie (und später auch Snakehead) dank Medaillon zu ungeahnten Kräften gelangen, geht es sogar überhaupt nicht mehr ohne künstliches Herumgehampel und Seilarbeit. Die Action wirkt einfach nur noch lächerlich. Da tut einem der gute Jackie schon fast wieder leid.

Die Action ist allerdings noch nicht einmal das Schlimmste, was einem hier geboten wird. Tatsächlich ist es der Humor, der dem Film den Gnadenstoß versetzt. Wo Humor ja bekanntermaßen Geschmackssache ist und die Chinesen sowieso gern sehr grenzwertige Witze an den Tag legen, ist klar, in welche Kategorie die vorliegenden Späße fallen. Jackie Chan bleibt dabei recht ernst. Den meisten Mist fabriziert Lee Evans als Interpol-Agent, der grimassiert und gestikuliert wie ein Geisteskranker, tolpatschig und unsympathisch ist und keinen einzigen intelligenten Satz zustande bringt. Eine einzige Kinderei, die aber leider nicht trashig-witzig, sondern einfach nur aggressionsfördernd dämlich ist.

Das Medaillon ist ein überraschend schlechter Film und unterbietet sämtliche (ohnehin sehr niedrigen) Erwartungen. Hier werden nicht nur Fans enttäuscht, auch wer Jackie Chan sonst nicht leiden kann, muss zugeben, dass der Mann schon in besseren Filmen zu sehen war. So lustlos wie uns hier zusammenhangslose Actionszenen hingerotzt werden ist echt eine Frechheit. Die Schauspieler nerven durch die Bank und nicht nur die B-Movie-Darsteller, auch Hongkong-Größe Anthony Wong in einer strunzdämlichen Nebenrolle werden richtiggehend verheizt. Jackie Chan wird mit seiner Performance, die nichts mit seinem sonstigen Gebärden zu tun hat, keinen Blumentopf gewinnen und kriegt noch nicht einmal den Toten überzeugend hin. Ein einziges Trauerspiel—und das, wo der Film doch so lustig sein soll. Selten so wenig gelacht. Schund!

© Shaoshi, 7. September 2010
2/10

The Medaillon
Hongkong | USA • 2001 • 84 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | Gordon Chan Kar-Seung
Darsteller | Jackie Chan, Lee Evans, Claire Forlani, Christy Chung, Julian Sands, John Rhys-Davies, Anthony Wong Chau-Sang, Johann Myers, Alex Bao, Scott Adkins, Nicola Berwick, Billy Hill

Und wie gefällt Euch der Film?

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