Filmkritik | Lethal Hostage (China, 2012)

lethalhostageAls ein Deal schiefzulaufen droht, nimmt sich ein chinesischer Drogendealer (Sun Honglei) ein kleines Mädchen zur Geisel und flüchtet nach Burma. Jahre später ist aus dem Mädchen eine junge Frau (Wang Luodan) geworden, mit der er eine Liebesbeziehung führt. Aus dem Drogenhandel möchte er auch am liebsten aussteigen, doch schließlich wird er zu einem letzten Deal genötigt – mit verheerenden Folgen.

Der superb besetzte Thriller Lethal Hostage zeigt eindrucksvoll, dass aus China richtig gute Filme kommen können. Das klassische Thema vom Gangster, der nach einem letzten großen Coup sauber werden will, ist nun wirklich nichts Neues, aber was Regisseur und Autor Cheng Er aus dem Stoff gemacht hat, ist allererster Sahne. Da wäre zunächst die Location, die sich auf die Grenze zwischen China und Burma beschränkt, und trotz herrlich heruntergekommener Kulissen unglaublich edel gefilmt wurde. Vor diesen tristen aber faszinierenden Bildern wählt Cheng Er eine verschachtelte Erzählweise, um dem an sich ausgelutschten Thema eine neue Richtung zu geben. Dadurch wirkt der Film überraschend intelligent, bleibt aber immer nachvollziehbar und wird nie konfus. Wie nach und nach immer mehr Personen in den letzten Deal verwickelt werden, wirkt nie konstruiert. Jeder Darsteller glänzt in seiner Rolle. Ob der vielseitige Sun Honglei nun als eiskalter Dealer ebenso scharf schießt, ein weiterer chinesischer Dealer (Yang Kun) noch viel rabiater zur Sache geht, als ihm seine Nachbarin zu neugierig wird, oder ob Wang Luodan ihre Rolle als junge Frau in schwieriger Situation meistert – toll. Selbst Ni Dahong gibt als ihr Vater eine perfekte Figur ab, egal ob er nun um seine kleine Tochter bangt, selbst in den Bau wandert oder sie als erwachsene Frau immer noch zu sich zurückholen möchte. Die Figuren und ihre Beweggründe sind durchdacht. Obwohl hier niemand ein Sympathiebolzen ist, kann man die Handlungen einer jeden Person nachvollziehen. So sind die Bösen mal die Guten und umgekehrt. Hier kommt es wirklich nur auf die Sichtweise an, die das Schwarz-Weiß-Denken so herrlich außer Gefecht setzt.

Lethal Hostage ist überraschend fesselnd und brutal. Die Beziehungen zwischen den Figuren sorgen für Tragik, die Bilder für ein optisches Vergnügen. Die verschachtelte Erzählweise sorgt außerdem dafür, dass man als Zuschauer am Ball bleiben muss, allerdings ohne verwirrt zu werden. Hier wurde alles richtig gemacht. Der Thriller dürfte mit einer der besten chinesischen Filme 2012 sein. Und das sage ich nicht nur, weil die Konkurrenz größtenteils schwach ausfällt, sondern weil Lethal Hostage wirklich richtig gut geworden ist.

© Shaoshi, 26. Dezember 2012
9/10

边境风云 | Bian Jing Feng Yun
China • 2012 • 96 Min. • Thriller
Regie | Cheng Er
Drehbuch | Cheng Er
Darsteller | Sun Honglei, Ni Dahong, Wang Luodan, Yang Kun, Zhang Mo, uvm.

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Lethal Hostage (China, 2012)

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