Filmkritik | Anja und die vier Jahreszeiten (Japan, 1980)

Anja und die vier JahreszeitenDer japanische Animé-Film Anja und die vier Jahreszeiten basiert auf einem russischen Märchen und transportiert so die allgemeingültigen Elemente klassischer Märchen. Starke Schwarzweißmalerei, die pädagogisch wertvolle Vermittlung menschlicher Werte und ein Happy End für unsere liebenswerte Hauptfigur sind da vorprogrammiert.

So ist Anja ein braves, unschuldiges Mädchen, das ohne zu Murren seine harte Arbeit verrichtet und (nicht nur Tieren gegenüber) ein gutes Herz hat. Sie leidet stark unter der geldgierigen, hartherzigen und herrischen Stiefmutter sowie ihrer ebenso charakterisierten Stiefschwester. Eines Tages wünscht sich die halbwüchsige Zarin, die sich in ihrem Palast langweilt, zum Neujahrsfest Schneeglöckchen und setzt eine hohe Belohnung für denjenigen aus, der sie mit den Frühlingsblumen überraschen kann. Da dies natürlich unmöglich scheint, schickt die böse Stiefmutter Anja hinaus in den Wintersturm, um nach den Blumen zu suchen. Und weil Anja so ein reines Herz hat, trifft sie des Nachts im Wald auf die zwölf Monate in Gestalt von zwölf Männern mit ganz besonderen Fähigkeiten, die ihr gerne helfen wollen, wenn Anja verspricht, das Geheimnis der zwölf Brüder zu bewahren.

Wie einem sofort auffällt, zielt die ruhige, unaufgeregte Erzählweise auf ein sehr junges Publikum ab. So kann das harmlose 50-Minuten-Filmchen durchaus schon im Kindergartenalter gesehen und geliebt werden. Die altmodische Erzählweise lässt sich einfach mitverfolgen und die Spannungskurve ist kindgerecht flach aber angespannt genug, um auch die Erwachsenen bei Laune zu halten. Anja, die für den anspruchsvolleren Zuschauer vermutlich etwas zu simpel charakterisiert und gezeichnet wurde, hat natürlich schnell alle Sympathien auf ihrer Seite und selbst die Zarin ist noch ein Kind, das mit seiner Aufgabe, ein Land zu beherrschen, überfordert ist und im Grunde in einer ähnlichen Situation wie Anja steckt.

Die routinierten Zeichnungen sind angenehm einfach und weich gehalten. Keine wilden Frisuren, keine kunterbunten Klamotten. Man schreibt das Jahr 1980 und erzählt uns in realistisch gehaltenen Zeichnungen die kleine Geschichte aus Russland. Das passt perfekt für ein Märchen, das mitunter schon mal ganz schön kitschig werden kann.

Anja und die vier Jahreszeiten ist ein klassisch erzähltes Märchen, das bei Groß und Klein für Sympathien sorgen sollte. Animé-Fans sei der Film als kleiner Klassiker ans Herz gelegt, der leider nicht mehr ganz einfach zu bekommen sein dürfte, zumal er auch gern mit der russischen Märchenverfilmung Die zwölf Monate (auch ein Alternativtitel für die japanische Version) von Iwan Iwanow-Wano verwechselt wird. Wer das Animé besitzt, darf sich glücklich schätzen: Es ist zwar nicht gerade ganz großes Kino, aber ein sehr liebenswerter Zeichentrickfilm, der zum Träumen einlädt und ein wirklich nettes russisches Märchen kindgerecht verarbeitet.

© Shaoshi, 5. April 2010
7/10

森は生きている | Sekai Meisaku Dowa: Mori Wa Ikiteiru
Japan • 1980 • 55 Min • FSK 6 • Märchen [Animé]
Alternativtitel | Die zwölf Monate
Regie | Kimio Yabuki, Tetsuo Imazawa

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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