Filmkritik | A Family In Thousands (Hongkong, 1975)

A Family In ThousandsIn den 70er Jahren in Hongkong wurde es nach dem Eastern-Zeitalter zunehmend modern, ganz normale Menschen und ihren Alltag auf Celluloid zu bannen. Bei der Komödie A Family In Thousands ist der Name deshalb Programm. Und da die Komödie Mitte der 70er entstand, wirkt sie heute leider ziemlich angestaubt. Dabei stellt sie durchaus ein interessantes Zeitzeugnis dar.

Unsere fünfköpfige Familie wohnt gemeinsam in einem Ein-Zimmer-Apartment in einem primitiven Wohnblock in Rohbetonoptik. Obwohl sie nicht sonderlich gut betucht sind, sind sie glücklich und halten zusammen. Da hätten wir den Vater, der jeden Tag mit der Fähre nach Wanchai pendelt, um in einem Büro zu arbeiten. In seiner Abwesenheit näht Mutter Ah Zhen zu Hause Kleidung zusammen, um selbst ein paar Dollar zu verdienen. Der jüngste Sohn kennt sämtliche Gemüsepreise auswendig, da er für die tägliche Beschaffung von Nahrungsmitteln zuständig ist. Der älteste Sohn Ah Guang, der später mal Ingenieurswissenschaften studieren möchte, bereitet sich gerade auf die Abschlussprüfungen vor, was gar nicht so leicht ist, denn seine freche Schwester kann ganz schön nerven und die Nähmaschine seiner Mutter ist ganz schön laut. Außerdem fliegen ständig lärmende Flugzeuge über das Haus, was nun entweder aus humortechnischen Gründen in die Tonspur gelegt wurde oder einfach daran liegt, dass das Gebäude, in welchem man drehte, zufällig in der Flughafenschneise lag. So weit zum ersten Drittel Film, das mit einer detaillierten Schilderung des Alltags der Familie aufwartet, der so manchem modernen Zuschauer zu ausführlich geraten sein dürfte. Der Konflikt schleicht sich in das Leben der Sonnenscheinfamilie, als dem Vater überraschend gekündigt wird. Um seine Familie nicht zu beunruhigen, weiht er nur seine Frau ein und spielt seinen Kindern vor, er würde jeden Tag ganz normal zur Arbeit gehen, nur um sich dann den halben Tag auf einem Friedhof herumzutreiben. Sohn Ah Guang findet das zufällig heraus und beschließt, seinen Traum vom Ingenieur an den Nagel zu hängen und selbst einen Job zu suchen, um die Familie zu unterstützen.

Aus heutiger Sicht reicht der Inhalt kaum zu einem ganzen Film, schon gar nicht, wenn er auch noch so bieder und harmlos inszeniert ist wie A Family In Thousands. Auch die Witze sind keine Brüller, sondern aus heutiger Sicht eher heitere Dialoge, bei denen es vielleicht mal zu einem Schmunzler reicht. Trotzdem merkt man, dass man sich für den Film Mühe gegeben hat. Die Familie wächst einem tatsächlich ans Herz und gerade mit dem Vater, der als Familienernährer am meisten unter der Situation leidet, fühlt man mit. Eine chinesische Familie wäre aber keine Familie, wenn sie nicht zusammenhalten würde und so ist klar, dass sie gemeinsam die Probleme bewältigen können.

So belanglos A Family In Thousands heute anmuten mag, so passend war die Komödie wohl für damalige Verhältnisse. Man porträtierte hier das Leben einer ganz normalen Familie, mit der sich wohl ein Gros der damaligen Bevölkerung identifizieren konnte. Und wenn man so schaut, wie viele Filme es inzwischen gibt, in denen ein Mann vorgibt, arbeiten zu gehen, obwohl er arbeitslos ist, so zeigt das doch nur, dass die Thematik auch heute noch aktuell ist. Nur wurde sie in A Family In Thousands im Stil der 70er aufgearbeitet, und das bedeutet aus heutiger Sicht eben leider: bieder, harmlos, angestaubt.

© Shaoshi, 21. Dezember 2012
5/10

萬戶人家 | Wan Hu Ren Jia
Hongkong • 1975 • Komödie
Regie | Woo Siu-Fung
Drehbuch | Chow Yin
Darsteller | Henry Fong Ping, Pau Hei-Ching, Ye Hui, Lee Ching, Lee Cheung, Ping Faan, Siu Wa, Gam Sa, Leung Hang, Lee Bing-Wang, Suen Chi-Gwan, Chui Lik

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