Filmkritik | Treasure Hunt (Hongkong, 2011)

Treasure HuntCecilia Cheung hat sich für ihr Comeback letztes Jahr nicht gerade die besten Filme ausgesucht. Ihre Rolle in All’s Well Ends Well 2011 war so so la la und Wong Jings Abenteuerkomödie Treasure Hunt ist gleich von vorn bis hinten ein Riesenmurks. Wie immer stopft Wong Jing seinen Film mit allen nur möglichen Details und viel schlechtem Witz voll. Dabei hatte er doch irgendwann einmal groß posaunt, sich in Zukunft mehr damit zurückzuhalten, um sich dem Markt (und hier vor allem China) anzupassen. Heißt das also, dass die Chinesen tatsächlich auf einen Schmarrn wie Treasure Hunt stehen?

Beginnen wir den Film zunächst mit einer frechen Produktplatzierung. Schleichwerbung kann ja schon nervig genug sein, aber uns direkt einen Werbespot für den Sponsor der Wahl (einen Milchpulverfabrikant) reinzudrücken, ist schon extrem. Wong Jing hält das den Film über allerdings durch, so dass ständig mal irgendjemand so einen Bottich Milchpulver in die Kamera hält. Ach ja, eine Handlung hat der Film irgendwie auch und die beginnt deshalb mit der Milchpulverwerbung, weil Peggy (Cecilia Cheung) als Werbespot-Regisseurin arbeitet. Ihr großer Traum: einmal bei einem Spielfilm Regie zu führen. Finanzielle Unterstützung ist bereits zugesagt. Allerdings muss sie dafür erst für die Milchpulverfirma arbeiten, was ihrem Ehemann (Ekin Cheng) gar nicht behagt, weshalb er samt Sohnemann im Gepäck (Lucas Tse, auch im echten Leben Cecilia Cheungs Bratze) abtaucht.

Für den nächsten Spot geht es auf die chinesische Insel Weizhou, wo Peggy nicht nur durch ihr kaputtes Handy komplett von ihrer Familie abgeschnitten wird, sondern sich erst einmal mit ihrem Team arrangieren muss. Da wäre u.a. Kung-Fu-Mime Mr. Big (Ronald Cheng), der für das oben genannte Produkt werben soll, sowie dessen Tochter Cissy (Lin Maoke) und sein Agent Wayne He (Wong Jing) samt unliebsamem Anhang. Nun befindet sich auf der Insel ein verborgener Schatz, den Gangster Cobra (Liu Hua) und seine tumben Lakaien gern in ihrem Besitz wüssten. Allerdings kommen ihnen Peggys Truppe sowie der Lianen-schwingende Aussteiger Star (Shao Bing) und dessen Sohn Starlet (Peng Gen) in die Quere.

Das klingt für Optimisten nach zweckmäßigem Spaß, für Realisten nach einem typischen Wong Jing-Murks. Und letzteres ist der Film auch. Die Handlung ist dünn, ändert sich nach Belieben und die einzelnen Szenen und Figuren sind ziemlich vage miteinander verbunden. Freilich steht die Schatzsuche im Mittelpunkt, obwohl mindestens die Hälfte des Casts eigentlich für was anderes auf der Insel ist. Der Werbespotdreh wird schnell zur Nebensache (nicht aber das Milchpulver, das sogar in Stars Luxus-Aussteigerbaumhaus Einzug erhalten hat).

Wie es der Zufall so will, ist der absolut unerträgliche Mr. Big gar kein so toller Kampfkünstler. Er nervt von der ersten Minute an nicht nur Peggy, sondern auch den Zuschauer mit seiner Überdrehtheit, den Grimassen oder seinem Schicksal, sich ständig überall wehzutun. Offensichtlich soll das lustig sein, aber außer Kindern, auf die der Film (auch dank des kinderreichen Casts) zugeschnitten ist, wird bei diesem albernen, absolut infantilem Slapstick niemand auf seine Kosten kommen.

Im Verlauf des weiteren Films wird dann gekidnappt, in guter alter Kevin allein zu Haus-Manier werden die Bösewichte durch blöde Fallen an ihrer Mission gehindert und zuletzt finden sich alle auf einem gestrandeten Piratenschiff in einer Höhle wieder. Dort kommt es dann auch zum Showdown, wo sich immerhin die animierten fleischfressenden Pflanzen sehen lassen können, wenn der Endkampf auch so uninspiriert daherkommt wie erwartet.

Wong Jing kann es einfach nicht lassen, hochkommerzielle Filme zu drehen, die kein bisschen originell sind und meist mit infantilem Humor verstören. War das früher gelegentlich noch witzig, zerrt das heutzutage arg an den Nerven der Zuschauer. Immerhin die Optik seiner Filme hat sich gebessert, aber das ist wohl eher der Nachfrage auf dem Festland (hust Zensurbestimmungen hust) zu verschulden, denn filmschaffendem Können.

Man kann Wong Jing für diese Gurke nicht einmal einen Vorwurf machen. Er macht das, was er am besten kann: schlechte Filme. Richtig übel wird es aber erst durch den unerträglich agierenden Ronald Cheng und einem Großteil der Nebendarsteller. Cecilia Cheung wirkt in dieser Abenteuerkomödie völlig zu Recht verloren, hat sie doch Besseres verdient als Murks wie diesen. Man kann für sie nur hoffen, dass sie in Zukunft bei der Wahl ihrer Rollen etwas vorsichtiger vorgeht, obwohl es nicht danach aussieht—die 2012 gedrehte Romanze Shadows Of Love ist nämlich ausgesprochen öde und noch schlechter als Treasure Hunt.

© Shaoshi, 19. November 2012
3/10

無價之寶 | Mou Ga Ji Bao
Hongkong • 2011 • 98 Min. • Abenteuerkomödie
Regie | Wong Jing, Keung Kwok-Man
Drehbuch | Wong Jing
Darsteller | Cecilia Cheung Pak-Chi, Ronald Cheng Chung-Kei, Shao Bing, Liu Hua, Wong Jing, Lin Maoke, Zhou Qiqi, Xing Yu, Jacqueline Chong Si-Man, Peng Gen, Joe Cheng Cho, Zhang Keyuan, Li Danni, Fu Tianjiao, Philip Ng Won-Lung, Ekin Cheng Yee-Kin, Lucas Tse

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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