Filmkritik | No Limit (China, 2011)

No LimitMit der Actionromanze No Limit tun sich die Chinesen mal wieder keinen Gefallen. Vermutlich haben sie es gut gemeint und stopfen in den in Shanghai angesiedelten B-Film so alles hinein, was sonst passable Unterhaltung verspricht: Kung-Fu-Action, Stunts auf Fahrrad- und Rollerblades, Romantik, ein brisanter McGuffin, dem es hinterherzujagen gilt, und Humor. War ja fast klar, dass das nichts wird bei dem Overload an Versatzstücken. Am Drehbuch hapert’s obendrein gewaltig. Warum man dafür ganze acht Autoren gebraucht hat, ist fraglich.

Da haben wir also Wu Jixian (Hans Zhang), seineszeichen der erfolgreichste Fahrradkurier von ganz Shanghai. Er ist nicht nur der schnellste (obwohl er auf seinen Touren grundsätzlich an sämtlichen Shanghaier Sehenswürdigkeiten vorbeifährt), sondern auch der zuverlässigste. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem er es mit seiner Arroganz übertreibt und mal eben so im Vorbeifahren mit seinen Angebereien die örtliche Skatergang an der Halfpipe aufmischt. Der Gute kann ja nicht ahnen, dass seine brisante Ware auf dem Spiel steht. Denn die Skater fühlen sich in ihrem eigenen Angeberstolz gekränkt, lauern Jixian auf und entwenden ihm sein Paket. Fortan ist Jixian nicht mehr der erfolgreichste Fahrradkurier. Sein Chef will ihn hochkantig rausschmeißen, doch Jixian verspricht, die Ware aufzuspüren und an seinen rechtmäßigen Empfänger zu übergeben. Die Skater unter Leitung der herrischen Xiao An (Zheng Shuang) sind eigentlich gar nicht so böse, zumal sich Xiao An bei der nächstbesten Gelegenheit in Jixian verliebt und ihm helfen will. Außerdem ist sie zumindest kurzzeitig im Besitz seiner Ware – die sich als unsterblicher, da genetisch veränderter Graupapagei entpuppt. Kurzzeitig deshalb, weil es noch ein paar Bösewichte mit Beziehungs- und Klischeeproblemen gibt, die das Federvieh gern für ihre eigenen Zwecke hätten. Deshalb wird sie von Nengrang (Shi Yanneng) gekidnappt, der den brisanten Vogel an ein paar Japaner verschachern möchte. Spitzbube The Master (Fu Huayang) kann das so nicht stehen lassen und hetzt ihm ein paar Kampfamazonen auf den Hals, unter denen Nengrangs Verflossene Nina (Patricia Hu) ist. Das Chaos ist perfekt.

Man weiß gar nicht, was an diesem Film am schlimmsten ist. Dass er so vollgestopft ist? Dass er so vollgestopft mit Müll ist? Dass er so lieblos zusammengestümpert ist? Dass er an so vielen Logiklöchern krankt? Dass die Figuren unerträglich sind? Dass die meisten Figuren für so ein Abenteuer sowieso viel zu jung sind und deshalb nicht glaubwürdig rüberkommen? Dass man mit vermeintlich coolen Sportarten beeindrucken möchte? Dass der Actioner eigentlich eine verkappte Teenie-Action-Romanzen-Suppe ist? Dass sich der Film viel zu ernst nimmt? Dass der Film sich für cool hält, obwohl er einfach nur peinlich ist? Das mag jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist allerdings, dass No Limit schlecht ist. In allen Belangen. Dabei erreicht der Streifen noch nicht einmal das Niveau eines B-Actioners aus den USA und das tut echt weh.

In den besseren Szenen hat der Film immerhin noch eine Trash-Aura um sich, aber selbst für Trash-Fans ist das noch zu wenig. Meistens ist der Streifen nämlich einfach nur beknackt. Die Action kommt trotz Martial-Arts-Profis Shi Yanneng und Tang Jin einfach nur lächerlich rüber, weil sie so dermaßen grottenschlecht inszeniert wurde. Die Klischees sind übel und das ganze Teenie-Romanzen-Getue ist vielleicht in einer Taiwan-Serie wie Meteor Shower gut aufgehoben (aus dieser kennen sich übrigens Hans Zhang und Zheng Shuang), aber in einem Spielfilm, der auf cool und hart machen will, ist so ein kindliches Gehabe einfach fehl am Platz. Mit so einem unausgegorenen Mix vergrault man wirklich jeden Interessenten.

Actionromanze der ganz üblen Sorte. Viel habe ich mir von Anfang an nicht versprochen, aber so dermaßen grottig hatte ich mir den Film in meinen trashigsten Visionen nicht ausgemalt. Öde, nervig, lächerlich – so kann man keinen Blumentopf gewinnen, nicht mal ein klitzekleines Plastiktöpfchen made in China.

© Shaoshi, 28. Dezember 2012
2/10

无极限之危情速递
China • 2011 • 94 Min. • Actionkomödie
Regie | Fu Huayang
Drehbuch | Fu Huayang, Sharon Hui, Yeung Sinling, Lina Chow, Wu Youyin, Chiu Senming, Li Ping, Zhao Yu
Darsteller | Hans Zhang Han, Zheng Shuang, Shi Yanneng, Frieda Hu Dan, Fu Huayang, Hong Bin, Cao Shuai, Jessie Zhou, Julia33, Tang Jin, Eva Lau, Franky Zhang, Yan Xiayan

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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