Serienkritik | Silence (Taiwan, 2006)

In ihrer Kindheit hatte Zhou Shen Shen (Park Eun-Hye) einen schweren Unfall, durch den sie auf immer verstummte. Ihr Freund Zuo Jun (Andy Hui), der sich die Schuld an Shen Shens schlimmem Schicksal gibt, bringt sie ins Krankenhaus, wo sie während ihrer Genesung auf den jungen Qi Wei Yi (Vic Zhou) trifft, mit dem sie sich anfreundet. Sie verlieben sich sogar ineinander und versprechen sich gegenseitig, sich Weihnachten 2006 wieder zu sehen. Durch eine Reihe von unglücklichen Zufällen können sie den Kontakt zueinander nicht aufrecht erhalten, obwohl sie sich niemals vergessen und sich gegenseitig Briefe schreiben, die sie in ihrem alten Geheimversteck deponieren.

Inzwischen ist Shen Shen eine junge Frau, die mit Zuo Jun und seinem Vater zusammenlebt und mit beiden einen Imbiss auf Rädern betreibt. Qi Wei Yi ist inzwischen ein überaus reicher Unternehmer geworden, der längst verlobt ist und die Firma seines Vaters übernehmen soll und dementsprechend arrogant und harsch mit seinen Angestellten umgeht. Wie es der Zufall so will, treffen Shen Shen und Wei Yi wieder aufeinander und verlieben sich nach anfänglichen Streits wieder, ohne dabei die wahre Identität des anderen zu durchschauen. Das Glück wird getrübt, als die Ärzte bei Wei Yi Leberkrebs feststellen und die Aussichten, dass er Weihnachten 2006 noch am Leben ist, sehr gering sind.

Silence ist für eine taiwanesische Telenovela recht professionell produziert, wenn der Charme des Einfachen doch auch immer wieder durchscheint. Mit Schauspielern aus Taiwan (u.a. Vic Zhou, Megan Lai), Südkorea (Park Eun-Hye) und Hongkong (Andy Hui) konnte die Serie eine internationale Gruppe namhafter Leute für sich gewinnen, die allesamt glaubwürdig und liebenswert agieren. Einzig Park Eun-Hyes übertriebene Gesten und Mimiken nerven teilweise, doch da sie eine stumme Frau spielt, darf man gern darüber hinweg sehen. Insgesamt spielt sie ihre Rolle als Zhou Shen Shen einfühlsam und vor allem lebhaft, so dass man schon mal übersieht, dass sie eigentlich stumm ist. Ihre untertitelte Zeichensprache ist nicht nur lehrreich und schön anzuschauen, sondern hilft auch dabei, die Stellen, in denen kein Wort gesprochen wird, nicht ins Langweilige laufen zu lassen.

Vic Zhou als arroganter Qi Wei Yi, dessen Herz ganz tief noch immer an der Jugendliebe Shen Shen hängt und seinen Charakter erst durch sie bzw. seine diagnostizierte Krankheit zu wandeln vermag, spielt wie gewohnt erstklassig, auch wenn seine aufgehellten Haare gewöhnungsbedürftig sind und anfangs eher an eine schlecht sitzende Perücke erinnern. Die Szenen, in denen er von seiner Krankheit erfährt und später seiner Verlobten (einer wunderbaren Megan Lai), die zunächst natürlich alles dafür tut, Wei Yi und Shen Shen auseinanderzuhalten, davon erzählt, sind so melodramatisch aber ohne Kitsch inszeniert, dass es einem wirklich zu Herzen geht.

Leider macht Kitsch insgesamt aber nicht vor Silence Halt. Ein speziell für Shen Shen dekoriertes Haus, das im Hochsommer bis in die kleinste Ritze mit kitschigem Weihnachtsschmuck vollgestopft ist, ist fast schon zum Davonlaufen. Als sie schließlich glücklich durch den Schnee tanzt (mit Geld scheint eben alles möglich) ebenfalls. Trotz vorhersehbarer Szenen und einem eher lächerlichen Nebenplot, in dem Shen Shen und Zuo Jun einem kleinen Jungen und seinen Verwandten in Qing Dao helfen, ihre Häuser vor dem Abbruch durch Qi Wei Yis Firma zu bewahren, ist Silence wahrlich nett anzusehen. Während die Geschichte als harmlose leichtfüßig erzählte Romanze beginnt, wächst sie sich dank Qi Wei Yis Krankheit und internem Familiendrama bald schon zu immer dramatischeren Höhenflügen aus. Zwar möchte man am Anfang nicht so ganz wahrhaben, dass es sich bei Silence mal wieder um so eine Liebe-zu-einem-Todkranken-Tragödie handelt, doch ist die Umsetzung dermaßen packend gelungen, dass es einem kaum etwas ausmacht.

Mit ein wenig Humor, sympathischen Figuren, respektvoller Dosierung von Melodramatik, einem netten Soundtrack und immer wieder neuen Wendungen und Vorkommnissen bleibt Silence bis zum Schluss überaus unterhaltsam, so dass man gern unter den Tisch fallen lässt, dass vieles offensichtlich oder gar arg konstruiert ist. Für Liebhaber asiatischer Serien ist Silence rundherum zu empfehlen.

© Shaoshi, 2. Februar 2008
9/10

深情密碼 | Shen Qing Mi Ma
Taiwan • 2006 • 19 Episoden • Romanze [Serie]
DARSTELLER | Vic Zhou, Park Eun-Hye, Andy Hui Chi-On, Megan Lai, Kingone, Feng Cui Fan, Liu Shang Qian, Liu Rui Qi, Jin Dong, Lin Mei Xiu, Carolyn Chen, William Su

Und wie gefällt Euch die Serie?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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