Filmkritik | The First Shot – Unbestechlich bis in den Tod (Hongkong, 1993)

The First ShotThe First Shot ist zwar Standardware zum Thema Korruption, dafür aber ganz ansehnlich verpackt.

Anfang der 70er Jahre ist ganz Hongkong von korrupten Polizisten überschwemmt, die genauso skrupellos und geldgierig sind wie die unzähligen Gangster, die zusätzlich die Bevölkerung von Hongkong terrorisieren. Der ehrliche Inspector Wong (Ti Lung) will da nicht mitspielen und fängt sich deshalb schon bald von einem Kollegen (Simon Yam) eine Kugel ein. Nach seiner Genesung gründet er mit eben diesem Kollegen, der Staatsanwältin Annie (Maggie Cheung) und zwei Polizeischülern (Andy Hui, Canti Lau) eine Anti-Korruptionseinheit, um endlich wieder Friede und Gerechtigkeit über Hongkong zu bringen. Das entpuppt sich als gefährlicher als gedacht, denn nicht nur Wongs korrupte Kollegen sondern auch Obertriadenboss Chu (Waise Lee) erweist sich als harter Gegner.

Dass die Geschichte in den 70er Jahren spielt, bekommt man eigentlich nur durch einen Fernsehausschnitt ganz zu Beginn mit, der Bruce Lees plötzlichen Tod ankündigt. Ansonsten sorgt nur das ein oder andere Outfit in einer Schwulenbar fürs 70er-Jahre-Flair, was ein wenig schade ist, wenn man schon so darauf erpicht ist, den Film in der Vergangenheit spielen zu lassen.

Mal abgesehen von schlechter Lippensynchronisation und drögen deutschen Sprechern kann man an The First Shot im Grunde kaum herummäkeln. Die auswegslose Situation vom tapferen Wong und seinem kleinen Gefolge sorgt für eine schön düstere Stimmung und die eher dünn gesäten Kämpfe sind in ihrer Härte fast schon wieder realitätsnah. Da sich die Storyline schön weiter entwickelt und nur selten auf der Stelle tritt, entwickelt sich ein solider Spannungsbogen, auch wenn man die ein oder andere Szene durch den vorigen Konsum ähnlicher Filme oft erahnen kann.

Auch die Charakterisierung der einzelnen Figuren ist gut gelungen. Ti Lung verkörpert perfekt den ehrgeizigen Cop, die damaligen Jungschauspieler Andy Hui und Canti Lau sorgen mit ihren humorigen Einlagen für eine Lockerung der angespannten Atmosphäre. Mit Simon Yams Figur geht man im Film wahrlich nicht zimperlich um—ob er nun mit dem Vorschlaghammer verprügelt wird oder hinter einem Motorrad hergeschleift wird—, und Maggie Cheung spielt zwar eine untergeordnete, aber starke Frauenrolle, die überzeugt und überhaupt nicht nervt. Mit einem galanten Waise Lee hat man einen schön widerwärtigen Gegenspieler gewonnen. Eher nervig hingegen die vielen schwulen Nebenfiguren, die mit ihrer Darstellung ununterbrochen balzender Tunten doch nur ein doofes Klischee nach dem anderen herunterleiern. Dabei entlocken sie dem Zuschauer zwar den ein oder anderen Schmunzler, passen aber nicht so recht ins sonst doch sehr ernste Bild des Films.

Obwohl die Action in einem Film dieses Genres bei The First Shot insgesamt ein wenig zu kurz kommt, wird es nicht langweilig. Die Geschichte fesselt den Zuschauer und der tolle Cast überzeugt auf ganzer Linie. The First Shot ist ein guter Beweis dafür, dass man auch eine eher ausgelutschte Idee noch ansprechend verpackt auf Celluloid bannen kann.

© Shaoshi, 2007
7/10

廉政第一擊 | Lim Jing Dai Yat Gik
Hongkong • 1993 • 97 Min. • Actionthriller
Regie | David Lam Tak-Luk
Drehbuch | Chan Kiu-Ying, So Man-Sing, Wong Ho-Wa
Darsteller | Ti Lung, Maggie Cheung Man-Yuk, Frankie Chan Chi-Leung, Simon Yam Tat-Wah, Andy Hui Chi-On, Canti Lau Sek-Ming, Lee Hoi-Sang, Waise Lee Chi-Hung, Jamie Luk Kim-Ming, Cheung Fung-Lei, Kam Hing-Yin, Baat Leung-Gam, Kong Man-Sing, Chow Hong-Chiu, Mantic Yiu Chi-Wan, uvm.

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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