Filmkritik | Break Up Club (Hongkong, 2010)

Break Up ClubBarbara Wongs Filme sind im Ansatz ja immer richtig gut. Bei Break Up Club ist das auch so. Gerne fängt Wong das moderne Leben der Hongkonger Jugend ein und thematisiert dabei auch Ängste, Wünsche und Liebschaften. Mit Six Strong Guys verlegte die Regisseurin und Drehbuchschreiberin diese Geschichte in die Welt der reiferen Erwachsenen. Ihre Spezialität ist aber nach wie vor das Leben der Jüngeren, die erst noch in die Rolle des ernsthaften Erwachsenen hineinwachsen müssen. Und genau diesem Thema widmet sich Barbara Wong nun wieder mit dem nahzu superben Break Up Club. Dabei porträtiert sie eine Beziehungskiste, die realistisch und facettenreich dargestellt wird.

Wir lernen also Joe (Jaycee Chan) und Flora (Fiona Sit) kennen, die weder mit- noch ohne einander können. Nachdem sie eben wieder einmal miteinander Schluss gemacht haben, sucht Joe einen Weg, um Flora zurückzubekommen. Mit Hilfe der ominösen Webseite breakupclub.asia will er sein Ziel erreichen. Wer auf dieser Seite die Namen eines Pärchens eingibt, das auseinandergetrieben werden soll, kann die eigene Beziehung wieder kitten. Joe und Flora kommen also wieder zusammen, doch dann muss Flora als Assistentin für den japanischen Graffiti-Künstler Lies (Hayama Hiro) arbeiten und kommt ihm näher als ihr lieb ist.

Klingt jetzt vielleicht nicht allzu spektakulär, ist aber richtig gut gemacht. Weniger gut—und für einige definitiv ein Ärgernis—ist eine weitere Rahmenhandlung um diese Geschichte. Barbara Wong tritt im Film nämlich als sie selbst auf und sucht mit ihrem Filmteam kamerageile junge Pärchen, die ihr Bildmaterial für ihre neueste Beziehungsdokumentation liefern sollen. Joe macht natürlich mit, was für gelungene Handkamerasequenzen sorgt. Ein Dorn im Auge ist dieser Rahmen trotzdem, zieht er den Film unnötig in die Länge und ist für die Kerngeschichte—der Liebesbeziehung zwischen Joe und Flora—absolut unwichtig. Zum Schluss findet diese Geschichte zwar noch einen cleveren Abschluss, wäre aber trotzdem nicht nötig gewesen. Das gilt auch für die titelgebende Webseite, die man nur in einem einzigen Lokal in Hongkong aufrufen kann und die ohne jeglichen Zusammenhang Pärchen auseinanderbringen bzw. vereinen kann. Das ist natürlich völliger Schwachsinn und wird für die Handlung auch nicht wirklich gebraucht, ist aber doch recht bezeichnend fürs neuere Asien-Kino, das sich in seichten Filmen gerne an solche symbolträchtigen Gegenstände klammert.

Zurück zu den schönen Seiten des Films. Hauptaugenmerk liegt auf Joe und Flora, die nicht nur ein süßes Pärchen abgeben, sondern auch einzeln überzeugen. Joe ist der sympathische Halb-Loser von nebenan und Flora die Hübsche mit dem eigenen Kopf, ein bisschen egoistisch, ein bisschen kindisch und gerne mal ganz schön zickig—allerdings nicht ganz ohne Sympathien. Joe mag zwar ein bisschen zu passiv bleiben, ist aber eine durchaus sehr realistische Figur. Hinzu kommt das klasse Spiel von Jackie Chan-Sprössling Jaycee Chan, der überzeugend den technikliebenden Herumhänger mimt. Auch Fiona Sit, im echten Leben angeblich Jaycees Freundin, geht ganz in ihrer Rolle auf. Gemeinsam entwickeln die beiden auf der Leinwand eine stimmige Chemie, egal ob sie nun miteinander turteln oder auch mal streiten. Selbst Tränen nimmt man ihnen ohne Weiteres ab. Und so hat Break Up Club seine Höhen und Tiefen, seine niedlichen, witzigen und auch traurigen Momente. Wie in einer echten Beziehung eben.

Der Film porträtiert Hongkongs Jugend in realistischen Bildern. Hier gibt es keine heile Welt in poppigen Farben, sondern das echte Leben; den Kampf ums finanzielle Überleben, um Liebe und Geborgenheit und natürlich den Kampf gegen die böse Welt mit all ihren Gefahren und Versuchungen. Obendrein wird auch die Liebe zwischen Joe und Flora als eine solche dargestellt und nicht so oberflächlich und angedeutet abgehandelt wie in vielen anderen Genrevertretern aus Hongkong. Hier wird schon mal geknutscht und angefasst, was den Film doch um einiges ehrlicher macht als viele andere Hongkong-Romanzen. Untermalt ist das Ganze dann auch noch mit schönen Popsongs, die zwar auf die Jugend zugeschnitten sind, aber super zur Atmosphäre passen.

Besonderes Augenmerk hat außerdem die Inszenierung an sich verdient. Mit unkonventionellen Handkamerabildern, (etwas seltsamen) Splitscreens, stellenweise einem dokumentarischen Erzählstil und schönen Bildkompositionen macht Break Up Club nicht nur was fürs Herz sondern auch was fürs Auge her. Würden in Hongkong doch nur wieder mehr solcher Filme gedreht.

Break Up Club ist eine sensible Romanze mit Tiefgang und tollen Hauptdarstellern. Relativ ruhig, aber mit viel Liebe zum Detail erzählt Barbara Wong eine Beziehungsgeschichte, die fesselt. Einziges Manko ist die Rahmenhandlung mit dem Filmteam, welche der eigentlichen Geschichte etwas an Gewicht nimmt. Ob der Teil um das Filmteam nun als Seitenhieb auf die voyeuristische Film- und Fernsehindustrie zu verstehen ist, wird nicht ganz klar, weshalb diese Szenen nur umso überflüssiger anmuten. Wer sich von diesen Filmstellen, die zum Glück nur zu Beginn und Ende des Films auftauchen, nicht irritieren lässt und auch darüber hinwegsieht, dass die Idee der Break Up Club-Homepage absoluter Humbug ist, der bekommt die Chance ein realistisches Liebesdrama zu sehen, das nicht nur vor schöner Hongkong- und Macau-Kulisse gedreht worden ist, sondern auch ehrlich berührt. Und das ganz ohne Kitsch.

© Shaoshi, 15. Mai 2011
8/10

分手說愛你 | Fun Sau Suet Oi Nei
Hongkong • 2010 • 114 Min. • Liebesdrama
Regie | Barbara Wong Chun-Chun
Drehbuch | Barbara Wong Chun-Chun, Lawrence Cheng Tan-Shui
Darsteller | Jaycee Chan, Fiona Sit Hoi-Kei, Patrick Tang Kin-Won, Bonnie Xian, Hayama Hiro, Barbara Wong Chun-Chun, Lawrence Cheng Tan-Shui, Gus Liew

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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