Filmkritik | The Hidden Enforcers – Nur die Starken überleben! (Hongkong, 2002)

The Hidden EnforcersAn einen Sammo Hung-Film sollte man nicht unbedingt mit den höchsten Ansprüchen herangehen, vor allem wenn er erst vor wenigen Jahren gedreht wurde. Für The Hidden Enforcers ist das das allerhöchste Gebot, auch wenn sich schnell herausstellt, dass Sammo Hung für diesen Schwachsinn bei Weitem nicht so wichtig ist wie das DVD-Cover und diverse Werbung uns weismachen will. Fluch oder Segen?

Weil sein Kollege bei einem fehlgeschlagenen Einsatz brutal getötet wird, ist Inspektor King (Sammo Hung) beleidigt, hängt seine Dienstmarke an den Nagel und setzt sich nach Thailand ab, wo er aber alles andere als ruht. Da dem verantwortlichen Gangster mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen war, will King künftig mittels illegalem Morden schlimmen Fingern das Handwerk legen. Doch das muss gut geplant sein. In Thailand adoptiert er sich also eine Gruppe Waisenkinder (Ken Wong, David Lee, Monica Lo, Tong Ka-Fai) zusammen und trainiert diese mit Mutterersatz Fanny (Nadia Chan) mit stoischer Lethargie zu gewieften Killern, bringt ihnen die Philosophie hinter dem hinterhältigen Töten von wehrlosen Tigern bei, lehrt seinen heranwachsenden Schützlingen aber außer Schießen und Kämpfen scheinbar rein nichts. Die verheerende Folge: Kings Zöglinge sind strunzdumm wie ein Wäscheständer und naiver als sieben Zeugen Jehovas, halten zusammen wie siamesische Zwillinge und quieken vergnügt beim kindlichen Tummeln am Strand oder beim Anblick eines Kaufhauses. Und sind dabei so böse doch gar nicht.

Als die Zeit endlich reif scheint, nimmt King seine Nachwuchskiller mit nach Hongkong, um den seit damals flüchtigen Gangster endlich um die Ecke zu bringen. Zunächst muss aber erst einmal Hongkong kennen gelernt werden (und zwar ohne Aufsicht des Dicken), denn Hongkong, das ist ein magischer Ort voll hoher Häuser, fremdartiger Taxis und Menschenschlangen, die vor einer Disco stehen. Scheinbar lebt man in Thailand nicht nur idyllisch am Strand, sondern hinterm Mond gleich links. Die Freude an der Stadt ändert sich schlagartig, als schon der erste Auftrag eher verpatzt wirkt und man sich dann auch noch dank übernaiver Einstellung zum Leben sexuell bedrängt fühlt und einen schmierigen Discotypen erschießt. Von da an geht alles schief, da King es wohl auch verpasst hat, den Vieren den Unterschied zwischen Gut und Böse zu erklären. Die Freunde wissen wohl, dass sie fliehen müssen, denn nach mehreren Morden muss nicht nur das eigentliche Ziel ihres Einsatzes sondern dank dämlicher Unwissenheit auch noch Kings Ex-Kollege Bill ins Gras beißen. Neben Gangstern sind nun auch noch Polizisten und Anführerin Fanny hinter dem orientierungslos herumirrenden Vollidioten-Quartett her. Das geschieht freilich nicht ganz ohne Verluste in den eigenen Reihen. Und weil man es freilich noch ein wenig kitschig braucht, schleppt man sich unter Mobilisierung der letzten Kräfte bzw. Ausnutzung einer flugs auserkorenen Geisel Richtung Strand, wo es schließlich auch zum finalen Kampf zwischen King und seinen Schützlingen kommt, da er inzwischen nicht nur Ex-Kollege Bill zu rächen hat.

The Hidden Enforcers nimmt ein fragwürdiges Ende, wohl weil die Story, die so völlig idiotisch aus dem Ruder gelaufen ist, selbst nicht so genau weiß, was sie eigentlich bezwecken will. Stümperhafte Schießereien, die härter sein wollen als sie eigentlich sind, aber immerhin mit ausreichend Kunstblut, erschossenen Polizisten und sogar einem toten Kind aufwarten können, paaren sich einfach nicht gut mit der unerträglichen Dummheit und Flippigkeit der jungen Zöglinge, seltenhohlen Dialogen und unfreiwilliger Komik. Ein sichtlich gelangweilter Sammo Hung hockt dabei meist nur faul auf seinem fetten Arsch oder glotzt pseudo-spirituell-dümmlich in die Pampa. Ist ja nett, dass der Altstar den Jungen den Vortritt lässt, nur ist das hier nicht unbedingt von Vorteil.

Auch wenn die Story um The Hidden Enforcers zugegeben einen gewissen Unterhaltungswert vorweisen kann, sind ihre unzähligen Schwächen nur allzu offensichtlich. Was im Ansatz gut gemeint war, wird dank grottigem Drehbuch zu einem der wohl dümmsten Actionfilme aller Zeiten (bei dem auch Kung-Fu-Kloß Sammo Hung so gut wie nichts von seinem kämpferischen Können zeigt). Was man hier an nervigem Stumpfsinn vorgesetzt bekommt, ist kaum zu glauben. Wären die Guten da mal besser im thailändischen Busch geblieben und hätten uns mit diesem Murks verschont.

© Shaoshi, 2007
3/10

殺手狂龍 | Saai Sau Kwong Lung
Hongkong • 2002 • 89 Min. • Action
Regie | Nam Yin
Drehbuch | Nam Yin, Rex Hon Yiu-Ting
Darsteller | Sammo Hung Kam-Bo, Nadia Chan Chung-Ling, Ken Wong Hop-Hey, David Lee Wai-Sheung, Monica Lo Suk-Yee, Tong Ka-Fai, Simon Loui Yu-Yeung, Sek Sau, Emily Kwan Bo-Wai, Cheng Chu-Fung, Bessie Chan Ming-Kwan, William Ho Ka-Kui, Jameson Lam Wa-Fan

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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