Filmkritik | Coming Back (China, 2011)

Ab 14. April 2014 in Deutschland unter dem Titel Der Fluch der Tang-Dynastie erhältlich!

Coming Back

Ich weiß nicht, warum Coming Back so gern als lustiges Krimidrama bezeichnet wird. Denn nach zweimaliger Betrachtung bin ich immer noch der Meinung, dass es sich bei dem Film um eine stinknormale Komödie handelt. Noch dazu um eine nicht besonders gute.

Simon Yam darf sich mal wieder zum Affen machen. Seine Rolle als Li Zhenmu, Parfumkolumnist einer Beautyzeitschrift, ist eingangs noch so skurril wie sein stepptanzender rosa Bösewicht aus Looking For Love, nur leider längst nicht so gut und unterhaltsam in Szene gesetzt. Da helfen auch keine pinken Socken mehr. Im Fortlauf der Geschichte wird seine Persönlichkeit sowieso egal. Der so feminin wirkende Frauenverführer hatte früher nämlich mal einen bodenständigeren Job – Gemälderestaurateur. Und das soll ihm zum Verhängnis werden. Warum? Bösewicht Zhao Ying (Jack Kao), der sein Quartier in einer Turnhalle bezogen hat, will ein besonderes Gemälde stehlen und schickt seine Obernulpen auf eine reichlich dümmliche Bildentwendungsaktion ins Museum. Auf der Flucht wird das Bild (wieder auf doofe Art und Weise) beschädigt und Zhao Ying braucht nun den besten Restaurateur der Welt, um es zu reparieren. Li Zhenmu ist aber nicht kooperativ. Er leugnet sogar (aus fadenscheinigen Gründen, wie wir später erfahren), das Handwerk überhaupt zu verstehen. Also setzt Zhao Ying sein Häschen Min Yue (Annie Yi) auf Li Zhenmu an, der zwar prompt mit ihr schläft – doch außer einer rudimentär angedeuteten Sexszene hat das keine Auswirkungen auf den Film. Wichtiger ist da schon, dass Li Zhenmus Tochter, die er bis dato nie kennen gelernt hat, nach dem Tod seiner Ex-Frau bei ihm einzieht. Miao Xin (Wei Na) ist auch mit zwanzig noch nicht aus der Pubertät raus, ist meistens trotzig, wild und will ihrem Vater nie verzeihen. Dass er sich jetzt um sie kümmert, ignoriert sie und meint stattdessen, mit Hilfe des dümmlichen Security-Manns Teng Wei (Xia Dejun) ihre eigene Entführung inszenieren zu müssen. Wie sich herausstellt, ist das aber gar nicht nötig, da Zhao Ying inzwischen seine depperten Lakaien losgeschickt hat, um sie tatsächlich zu kidnappen. Miao Xin weiß das natürlich nicht und spielt mit. Daraufhin gerät Li Zhenmu in Bedrängnis und will das Bild doch noch reparieren.

Obwohl man meint, der Film hätte überhaupt keine Handlung, braucht es doch so viele Worte, um alle Handlungselemente in einer Rezension unterzubringen. Deshalb wirkt der Streifen auch so inkonsistent. Vielleicht auch deswegen der Pseudo-Genremix Komödie-Krimi-Drama? Dabei ist von Krimi keine Spur und nur weil ein paar Bösewichter ein teures Gemälde stehlen, qualifiziert sich das noch lange nicht fürs Crime-Genre. Ebenso ist ein Film noch lange kein Drama, nur weil mal jemandem die Augen feucht werden oder die Vater-Tochter-Beziehung tatsächlich von einem Konflikt lebt. Dafür ist die Beziehung zwischen Li Zhenmu und seiner Tochter viel zu oberflächlich, Interaktion findet zwischen den beiden die meiste Zeit sowieso nicht statt und allzu interessante Auswirkungen hat die Beziehung auch nicht. Bleibt noch der Humor. Der ist gewohnt primitiv und plump und lebt hauptsächlich von den dümmlichen Nebendarstellern wie die beiden geistig beschränkten Handlanger oder dem ständig nervösen Teng Wei, der ebenfalls nicht der Hellste ist. Die Komik lebt hauptsächlich von Slapstick, der durch schlechtes Timing und lasche Regie nicht richtig funktioniert. Unter der Regie leidet übrigens auch der ganze Film. Dass Miao Xin die Entführung freiwillig mitmacht, hätte Potenzial gehabt, wird aber total verschenkt. Auch die Restauration des Bildes ist wenig spannend, der Zeitdruck oder Li Zhenmus Angst um seine Tochter nie spürbar. Was anfangs noch relativ lässig beginnt (etwa Simon Yams Einführung in einer ellenlangen Szene bei der Arbeit), zieht sich im Mittelteil extrem, nur um dann zu einem lieblosen Ende zu finden. Und weil man so die 90 Minuten nicht vollkriegt, erzählt man eben noch die Legende um die Frau auf dem Gemälde, wo dann noch ein bisschen Kostümfilm-Flair aufkommt, wenn Attentäterinnen schwertschwingend durch die Lüfte wirbeln und Cheng Pei-Pei kurz als mysteriöse Nonne vorbeischaut. Der Vater-Tochter-Konflikt aus der Legende soll Parallelen zur aktuellen Situation von Li Zhenmu aufweisen. Nur macht das alles keinen Sinn und der Twist in der Legende interessiert mich nicht, da ich die Figuren nie kennen gelernt habe und es mir letztlich egal ist, ob die Attentäterin ihren Vater töten will oder nicht.

Coming Back ist eine unausgegorene Versatzstückmischung aus kindischem Humor, Vater-Tochter-Konflikt, Gemäldediebstahl, fingierter Entführung, die dann echt wird, und überzeugt weder mit Humor, Spannung, Action oder Gefühlen. Obendrein ist der Film so zäh und oberflächlich, dass man ihn direkt beim Sehen wieder vergisst. Ich habe auch erst bei der Hälfte gemerkt, dass ich ihn letztes Jahr schon einmal gesehen habe.

© Shaoshi, 10. Januar 2013
3/10

回马枪 | Hui Ma Qiang
China • 2011 • 90 Min. • Komödie
Alternativtitel | Der Fluch der Tang-Dynastie
Regie | Li Yuan
Drehbuch | Li Yuan
Darsteller | Simon Yam Tat-Wah, Annie Yi, Xia Dejun, Jack Kao, Stephy Qi, Wei Na, Wang Daqi, Bai Hongbiao, He Ziming, Cheng Pei-Pei, Laure Shang, Show Ma, Chang Cheng, Yuan Chengjie, Zuo Tengyun, Zi Yi, Huang Qiange, Chen Zhen, Xiao Yi, Zhang Xi, Yuan Weijing, Du Yuxun, Liang Lei, Chen Ganlin, Lai Yuan, Lin Qi, Wang Fanyi, Jiao Ting, Gao Yinan, Yao Xingzhu, Wang Xianchen

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Coming Back (China, 2011)

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