Filmkritik | Pisces (Südkorea, 2000)

Koreaner machen teils echt gute Filme, die im Westen längst nicht nur mehr Geheimtipps sind. Das nicht ganz so bekannte Drama Pisces ist zwar auch ein solider Streifen, spielt aber nicht in der obersten Liga mit. Dafür dürfte er zu ruhig und simpel produziert worden sein. Das Thema an sich ist interessant gewählt. Zwar geht es um die Liebe, allerdings nicht um die romantische, sondern die selbstzerstörerische Art. Ein Liebesfilm, der die Liebe in Frage stellt, könnte man sagen.

Die Geschichte fängt harmlos an, in einer idyllischen, heilen Welt, was den actionverwöhnten Zuschauer vor ein großes Hindernis stellen dürfte. Wir lernen die einsame Ae-Ryun (Lee Mi-Yeon) kennen, die einen Videoladen mit dem passenden Namen »Sad Movies« leitet und auf die große Liebe wartet. Diese betritt bald schon in Gestalt von Nachbar Dong-Suk (Choi Woo-Jae) ihr Leben. Und da, wo andere Filme ihrer Art romantisch und/oder kitschig werden, geht es mit der Beschaulichkeit bergab. Ae-Ryun freundet sich also mit dem erfolglosen Musiker an, doch ihre Liebe wird von Dong-Suk, der bereits eine Freundin (Yun Ji-Hye) hat, nicht erwidert. Kein Grund für Ae-Ryun das Handtuch zu werfen. S wird aus ihrer Liebe selbstzerstörerische Besessenheit.

Die Handlung spitzt sich immer mehr auf das tragische Ende zu, doch der Weg dorthin ist so ruhig inszeniert wie in einem der französischen Dramen, die Ae-Ryn gerne schaut, die inszenatorischen Mittel simpel gewählt. Für koreanische Verhältnisse wirkt diese realistische, unromantisierte Darstellung fast schon etwas roh. Und tatsächlich fehlt der Pep, das gewisse Etwas, das den Zuschauer an die Figuren bindet. Freilich, man kann schon nachvollziehen, wie die liebeshungrige Ae-Ryun in das Verhalten ihres Kumpels mehr hineininterpretiert als von ihm eigentlich ausgeht, man kann auch nachvollziehen, wie sie sich in ihre Liebe zu ihm hineinsteigert oder wie sehr sie darunter leidet. Nur fühlen kann man das nicht, und das, obwohl das Drama durchaus sehr feinfühlig gezeichnet wurde.

Ein Drama, das von seinen Gefühlen lebt, aber diese beim Zuschauer nicht so recht aufzubauen vermag, ist kein allzu guter Streifen. Wer ruhige Filme mag, dürfte etwas geduldiger sein und den Film ein wenig besser bewerten. Aber über mehr als eine mittelmäßige Bewertung kommt Pisces nicht hinaus. Der Fehler dürfte vermutlich dem Script zuzuschieben sein, denn Hauptdarstellerin Lee Mi-Yeon wurde für ihre Leistung immerhin mit dem Blue Dragon Award ausgezeichnet.

© Shaoshi, 7. Januar 2013
5/10

물고기 자리 | Mulgogijari
Südkorea • 2000 • 98 Min. • Drama
Regie | Kim Hyung-Tae
Drehbuch | Kim Hyung-Tae
Darsteller | Lee Mi-Yeon, Choi Woo-Jae, Kwak Seung-Nam, Choi Jung-Yoon, Kim Jeong-Ah, Kim Ka-Yeon, Park Sun-Cheon, Seo Dong-Soo, Choi Jong-Won

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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