Filmkritik | Kamikaze Girls (Japan, 2004)

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Kamikaze GirlsMit Kitsch, Witz und Coolness gegen die Langeweile der Zuschauer. Das oder ähnliches müssen die Macher im Sinn gehabt haben, als sie die verrückte Buchverfilmung Kamikaze Girls drehten.

Die siebzehnjährige Einzelgängerin Momoko (Kyoko Fukada) lebt auf dem Land irgendwo in der Nähe von Tokio. Sie träumt davon, in Zeiten des Rokoko zu leben, doch weil das nicht geht, hat sie eine neue Modenische für sich entdeckt—den Lolita-Look, der sich an verträumten kitschigen Rüschenkleider des Rokokos orientiert. Regelmäßig pilgert sie nach Tokio, um sich neue Kleider und Hauben zu kaufen. Als die völlig gegensätzliche Bikerin Ichiko (Anna Tsuchiya) in ihr Leben stapft, ist sie davon gar nicht angetan. Doch Ichiko, so rüpelhaft sie oft auch mit Momoko umspringt, hat in dem eigenartigen Mädchen eine Freundin gefunden und lässt sie nicht mehr in Ruhe. Und so gegensätzlich die beiden auch sein mögen, so langsam freunden sie sich an.

Kamikaze Girls ist eine kunterbunte Achterbahnfahrt durch die Traumwelten einer modeversessenen Siebzehnjährigen. Die hochpolierte Optik mit übersättigten, radioaktiven Farben und die lockere, lebenslustige Inszenierung lassen an den Stil von Animé erinnern. Nicht nur einmal wird deshalb auch eine kurze Geschichte anhand einer überdrehten Zeichentricksequenz erzählt, was für viele jedoch Geschmacksache sein dürfte.

Bei der herrlich überdrehten Inszenierung hat Kamikaze Girls wahrlich keine Probleme. Es wird durchaus witzig oder auch mal völlig surreal, wenn Momoko bei ihren Tagträumereien einfach mal abhebt und mit verklärtem Blick durch die Lüfte schwebt. Im krassen Gegensatz dazu steht Ichiko, die ständig von ihrer Mädchen-Motorrad-Gang redet und dementsprechend düster und unmädchenhaft herumläuft. Tatsächlich sieht man sie dann aber nur ein einziges Mal mit ihrer Gang, nämlich ganz zum Schluss, als Ichiko aussteigen will und es zu einer überzogenen finalen Schlägerei kommt, bei der auch Momoko kräftig mitmischt.

Momokos überbordende Rüschenmode von dem Label »Baby, The Stars Shine Bright« (und das gibt’s wirklich), in der Kyoko Fukada wie ein aufgestyltes Riesenbaby aussieht, mag Geschmackssache sein—ebenso Momokos schrullige Familie rund um ihren nutzlosen Vater, die Insekten-zerquetschende Oma oder die weggelaufene Mutter oder auch Ichiko in ihrer ständig fiesenden Art, ihr aufgemotzter rosa Motorroller oder sämtliche andere Nebenrollen, die von dümmlichen Bauerntrotteln, schmierigen Halbstarken bis hin zu tuntigen Designern reichen.

Doch unter all der verzerrten Realität, all den Kuriositäten und überzogenen Gegensätzen findet sich doch ein wahrer allgemeingültiger Kern. Der Kampf um Freundschaft, ums Erwachsenwerden, um Unabhängigkeit und die Suche nach dem eigenem Platz im Leben.

Die Hauptdarstellerinnen hätten besser nicht gewählt werden können. Da haben wir das Popsternchen Kyoko Fukada als Momoko, die die Kitsch-Prinzessin mehr als gut verkörpert, nur leider dank grausiger Synchronisationsstimme zur unerträglichen, selbstverliebten Zicke verkommen ist. Überhaupt sind die meisten Synchronstimmen Mankos, da die Sprecher teilweise ihre Stimmen übelst verstellen. Die japanisch-russisch-stämmige Anna Tsuchiya als Möchtegern-Punkerin Ichiko ist ebenso perfekt in Szene gesetzt.

Das bunte, überdrehte Kamikaze Girls mit hörenswertem Soundtrack verarbeitet das Erwachsenwerden also mal auf ganz andere Weise (und teils auch mit gewöhnungsbedürftigen Ideologien) und richtet sich mit seinen bizarren Einfällen vor allem an eine sehr junge Zielgruppe bzw. alle jung Gebliebenen. Mit einem treffsicheren Gespür für einen unkonventionellen Erzählstil, ungewöhnlicher, poppiger Optik und allerlei Komik wird Kamikaze Girls die Zuschauerschaft polarisieren wie nur wenige Filme. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Und Vorsicht ist geboten: Für Kamikaze Girls kann man ganz schön schnell viel zu alt werden. Geschmacksache.

© Shaoshi, 6. Dezember 2008
6/10

下妻物語 | Shimotsuma Monogatari
Japan • 2004 • 103 Min. • FSK 12 • Komödie
Regie | Tetsuya Nakashima
Drehbuch | Tetsuya Nakashima
Darsteller | Kyoko Fukada, Anna Tsuchiya, Hiroyuki Miyasako, Sadao Abe, Eiko Koike, Shin Yazawa, Hirotaro Honda, Kirin Kiki, YosiYosi Arakawa, Katsuhisa Namase, Ryoko Shinohara, Yoshinori Okada

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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