Filmkritik | Spy Daddy (USA, 2010)

Spy DaddyJackie Chan wird alt. Die ersten Fans haben sich bereits damit abgefunden und doch greifen sie zu jeder neuen Actionkomödie, in welcher der Superstar auftritt. Und werden seit einiger Zeit regelmäßig enttäuscht. Auch Spy Daddy reiht sich in die filmischen Gurken des neuen Jahrtausends. Oder: die Zielgruppe von Jackie Chan-Filmen sind nicht länger die Kinogänger, die auf beinharte Action und sehenswerte Akrobatik stehen, sondern die Familien. Das merkt man ja schon am harmlosen Titel.

Mit einem Zusammenschnitt aus Jackie Chan-Klassikern versucht man eingangs noch die Zuschauer zu ködern. Doch die Actionszenen kennt man bereits aus anderen Filmen und inzwischen ist Spion Bob (Jackie Chan) ja auch gealtert und möchte sich eigentlich in einem 08/15-Ami-Vorort zur Ruhe setzen. Zur Tarnung verdingt sich Bob seine Brötchen mit Schreibwarenimport und stellt mit biederen Outfits und dicker Brille sicher, dass er als größter Langweiler des Planeten gilt. Finden zumindest die drei Gören seiner Nachbarin (Amber Valletta). Er würde Gillian nämlich gern heiraten, aber ihre Kinder haben da was dagegen. Als Gillian für ein paar Tage verreisen muss, bietet sich Bob als Babysitter an, um den Kindern näherzukommen. Es dauert nicht lang, bis die Klischee-Bösewichte hinter Bob her sind. Denn eins der Kinder hat von seinem Computer eine brisante Datei heruntergeladen, welche die Bösewichte gern wieder hätten.

Was will man von einer Actionkomödie erwarten, in der man die Guten und Bösen allein an ihren Haarschnitten identifizieren kann? Der Film reizt sämtliche Klischees aus. Das reicht von den Figuren (Bob als Langweiler, der es natürlich faustdick hinter den Ohren hat; nervige Rotzgören; tumbe Bösewichte mit russischem Akzent) über typische Situationen bis hin zur kompletten Handlung. Natürlich ist klar, dass sich Bob und die Kinder irgendwann zu einem Team zusammenraffen; logisch ist auch, dass Bob schlussendlich als der strahlende Held dastehen wird, die Bösen besiegt werden und das Ende happy ist. Nicht mal ansatzweise versucht man von diesen Pfaden abzuweichen. Immerhin haben wir es mit einem öden, amerikanischen Familienfilm zu tun, da gelten eben diese Gesetze.

Selbst wenn man die Klischees irgendwie akzeptieren kann, kommt man schwerlich auf seine Kosten. Warum? Der Humor ist kindgerecht primitiv und die Kinder im Film (sowie ihr konstruiertes Chaos) kotzen einen nach spätestens zehn Minuten so an, dass man den Film sowieso nicht mehr neutral sehen kann. Die Action kommt obendrein zu kurz. Immerhin haben wir es noch mit Jackie Chans Markenzeichenakrobratik zu tun, wenn auch mehr als deutlich ist, dass Chan die Action nicht mehr ohne Hilfestellung durchziehen kann. Oft kommt Wirework zum Einsatz—für Fans ein Schlag ins Gesicht, aber angesichts des in die Jahre gekommenen Chans akzeptabel.

Spy Daddy, der in chinesischen Schnellzügen seit mindestens einem Jahr rauf und runterläuft, richtet sich gezielt ans Familienpublikum und nervt den Rest mit Pseudohumor, Klischees und unerträglichen Kindern. Dagegen war Rob-B-Hood, der in eine ähnliche Kerbe schlägt, rückblickend noch richtig amüsant. Oder zumindest hatte Jackie Chan Schönling Louis Koo an seiner Seite.

© Shaoshi, 18. November 2012
3/10

The Spy Next Door
USA • 2010 • 95 Min. • Komödie
Regie | Brian Levant
Drehbuch | Jonathan Bernstein, James Greer
Darsteller | Jackie Chan, Amber Valletta, Madeline Carroll, Will Shadley, Alina Foley, Magnus Scheving, Billy Ray Cyrus, George Lopez, Katherine Boecher, Mia Stallard, Maverick McWilliams, Quinn Mason

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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