Filmkritik | Gappa – Frankensteins fliegende Monster (Japan, 1967)

Gappa - Frankensteins fliegende MonsterDie Toho-Studios hatten mit ihren Monsterfilmen so großen Erfolg, dass sie viele Nachahmer fanden. Die Nikkatsu-Studios stampften zum Beispiel den Film Monsters From A Prehistoric Planet aus dem Boden, dessen Titel in Deutschland nicht gewinnträchtig genug schien, weshalb man mal wieder mit einem bekannten Namen köderte. Deswegen heißt die deutsche Version auch Gappa – Frankensteins fliegende Monster, selbst wenn besagtes Ungetüm wie auch schon in einigen ähnlich betitelten Godzilla-Filmen überhaupt nicht vorkommt. Nachmachen bedeutet allerdings nicht besser machen und so ist Gappa – Frankensteins fliegende Monster nur ein fader Abklatsch, der nach gängigem Schnittmuster geschneidert ist, ohne jemals selbst kreativ zu werden.

Was gibt es Schöneres als Urlaub auf einer Tropeninsel machen zu können, ohne dabei das Land verlassen zu müssen? Eben. Deshalb will der Chef eines Zeitschriftenverlages einen Freizeitpark mit Tropenthema auf einer japanischen Insel gründen. Dafür braucht es allerdings ein paar Attraktionen. Heiße Quellen, in denen man mit Krokodilen kuscheln kann, zum Beispiel. Aber auch andere tropische Tiere und Pflanzen braucht man für die perfekte Illusion, weshalb sich eine Expedition aufmacht, um auf der Südseeinsel Obelisk die dortige Flora und Fauna zu plündern. Die Vulkaninsel ist obendrein von Ureinwohnern bevölkert, die sich einen Ast freuen, endlich wieder einmal auf Japaner zu treffen. Das Angebot, mit nach Japan zu kommen, um fortan im Freizeitpark zu wohnen, schlagen sie allerdings aus. Stattdessen strecken sie den Film lieber mit Tanz und Getrommel im Baströckchen, um die vermeintliche Gottheit Gappa zu besänftigen. Weil unser Team noch was anderes zu tun hat und Eingeborenentänze schon in den Toho-Filmen extrem genervt haben, machen sie einen Ausflug in eine Höhle und stoßen dort auf ein riesiges Ei. Prompt schlüpft eine Kreatur, die irgendwo eine Mischung aus Huhn und geflügelter Eidechse ist – in entsprechender Monstergröße versteht sich. Weil es eine klasse Idee wäre, so ein Monster für eine Art Jurassic Park-Vorläufer auf der Urlaubsinsel zu haben, schleppen sie das Vieh mit nach Tokio. Ein fataler Fehler, was auch die Ureinwohner wissen: Die Eltern des Balgs sind nämlich nicht gerade happy über die Kindesentführung und machen sich für eine großangelegte Zerstörungsorgie auf den Weg in Japans Hauptstadt.

Wüsste man es nicht besser, könnte man dahinter wirklich einen Toho-Film vermuten. Eingeborenentänze und Monsterkult gab es zum Beispiel auch zuhauf in den Filmen rund um Riesenmotte Mothra. Auch das berühmte Ei, aus dem ein Monster schlüpft, ist nichts Neues. Dass man das Monster mit in die Zivilisation nimmt und dadurch eine Katastrophe auslöst, hatten wir auch schon in den Toho-Filmen. Die Verwüstung einer Großstadt und der fruchtlose Militärschlag gegen das Monster waren praktisch in jedem Godzilla-Film. Nur: In den (meisten) Godzilla-Filmen war das unterhaltsamer. Die Miniaturstädte wirken in Gappa – Frankensteins fliegende Monster direkt lieblos, was auch für die Inselkulissen gilt. Das depperte Monster ist irgendwo zwischen Rodan, Giant Condor und dem japanischen Fabelwesen Kappa angesiedelt. Wie gehabt steckt im Latexkostüm ein Mensch, der bei Flugsequenzen recht plump in den Seilen hängt und gerade bei der kitschigen Monsterfamilienzusammenführung seine menschliche Seite ausleben darf.

An der Dramaturgie hapert es wie in den meisten vergleichbaren Toho-Produktionen übrigens auch. Die Figuren sind schemenhaft angedeutet, die Darsteller viel zu steif, die Dialoge hohl und naiv. Den Fortgang der Geschichte kann jeder erahnen, der von einem Godzilla-Film auch nur gehört hat. Das alles war nun auch in den Toho-Produktionen mangelhaft, aber bei Gappa – Frankensteins fliegende Monster unterbietet man die mangelnde Qualität noch einmal extrem. Leider kommt dadurch nicht das gewünschte Trash-Feeling auf, sondern höchstens Langeweile. Und so ist es dann wie bei den meisten Monsterfilmen: so lange das Monster im Bild ist, ist es noch ganz unterhaltsam (auch wenn wir die Szenen schon mal in Besser gesehen haben), aber das graue Außenrum ist extrem öde. Das Ende setzt dann noch mal einen drauf. Nachdem sich die Monster beim Happy End doch tatsächlich in den Armen liegen, dürfen die Hauptfiguren noch ihre Sätzchen loswerden, was sie aus der ganzen Geschichte gelernt haben. Damit hämmert man dann auch dem unbedarftesten Zuschauer die Moral ins Oberstübchen: Zu viel Ehrgeiz und Ichbezogenheit ist nämlich schlecht. Und berufstätige Frauen kommen zum Glück irgendwann von selber drauf, dass sie ja ihren Job als Fotografin an den Nagel hängen könnten, weil Frauen nunmal hinter den Herd gehören.

Ist es schon für eingefleischte Monsterfans schwer, sich bei Gappa – Frankensteins fliegende Monster aufrichtig zu amüsieren, dürfte es für alle anderen nur umso schwerer sein. Naive Dialoge, biedere Minimalhandlung, steife Charaktere und doofe Monster, die für eine lasch inszenierte Zerstörungsorgie verantwortlich sind, sorgen für ein mittelmäßiges Filmvergnügen. Allerdings war einem das vermutlich schon vorher klar.

© Shaoshi, 17. Januar 2013
5/10

大巨獣ガッパ | Daikyoju Gappa
Japan • 1967 • 90 Min. • Monsterfilm
Alternativtitel | Monsters From A Prehistoric Planet
Regie | Haruyasu Noguchi
Drehbuch | Ryuzo Nakanishi, Gan Yamazaki
Darsteller | Tamio Kawaji, Yoko Yamamoto, Yuji Kotaka, Kokan Katsura, Keisuke Yukioka, Saburo Hiromatsu, Shiro Oshimi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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