Filmkritik | The Kung Fu Master (China, 2012)

The Kung Fu MasterZumindest Genre-Fans sollten sich eigentlich freuen, wenn man 2012 noch einen klassischen Eastern dreht. Allerdings hält sich der mit The Kung Fu Master so nichtssagend betitelte Streifen an die üblichen Genrekonventionen und versucht nicht einmal ansatzweise frischen Wind in das Genre zu bringen. Einziger Pluspunkt: Der Film arbeitet eine bestehende Legende um den Martial-Arts-Helden Dong Haichuan ab, der den Baguazhang-Kampfstil erfunden haben soll. Und zurück zum Minus: Obwohl man einige Elemente eingebaut hat, um keine allzu langweilige Biografie drehen zu müssen, schaffen es die Macher nicht einmal ansatzweise, etwas Interessantes aus dem Material zu zaubern. Denn sie versäumen komplett, dass ein Film auch von einer Handlung leben muss statt nur von einem berühmten Helden und schönen Frauen in Nebenrollen.

Held Dong Haichuan ist also schon in jungen Jahren ein Kung-Fu-As und gerät der Gerechtigkeit wegen gerne mal in Unannehmlichkeiten. Als er sich mit dem örtlichen Arschloch anlegt, soll er keine ruhige Minute mehr finden. Nachdem der böse Childe nämlich alle eliminieren lässt, die Dong Haichuan wichtig sind, bleibt auch unser Held nicht untätig und wird fortan als Verbrecher gesucht. Inzwischen hat er einen neuen Meister gefunden und trainiert zehn Jahre lang in seinem Versteck Kung Fu. Gealtert und pockennarbiger hat er sich also der Kampfkunst verschrieben, wird von seinen Feinden nun aber endlich aufgespürt und soll dingfest gemacht werden.

Eine rudimentäre Story lässt sich hier noch vermuten, aber das Ganze wird so unaufgeregt abgespult als würde man Szenen für eine klassische TV-Dokumentation drehen. Spannung kommt zu keiner Zeit auf, da man sich eben an althergebrachte Konventionen klammert. Sobald die erste Frau auftaucht, ist klar, dass sie mit Dong Haichuan ein Paar wird; klar ist auch, dass sie zunächst belagert und dann gerettet wird oder dass dem Helden wichtige Menschen ermordet werden und er ihren Tod rächen will. Haben wir schließlich alles schon tausendmal so gesehen. Neben dem Rachethema wird obendrein noch die Geschichte vom lernbegierigen Schüler bemüht, der in einem Zusammenschnitt so lange übt, bis er der Beste seiner Art ist – obwohl fraglich ist, warum eigentlich. Immerhin ist Dong Haichuan laut Erzählerstimme schon so toll auf die Welt gekommen! So simpel geht es auch weiter. Als Dong Haichuan zum Tode verurteilt wird, ist klar, dass er überleben wird. Immerhin befinden wir uns gerade mitten im Film und er ist der Held. Auch dass er aus dem Gefängnis freikommen wird, ist logisch. Nur: wo man nun einen Anlass für sehenswerte Action oder kreative Spielereien gehabt hätte, löst man die Zwickmühlen schlicht und ergreifend langweilig. Bürokratie statt Haudrauf macht sich in einem Actionfilm eben nicht besonders gut.

Überhaupt schafft es The Kung Fu Master nie über das Niveau einer Vorabendserie hinaus und das ist nicht nur bei der versaubeutelten Dramaturgie so, sondern setzt sich auch in dem zwar schönen aber kitschigen Soundtrack oder den anfänglichen Turtelszenen vor ansehnlicher Naturkulisse fort. Die Action wird gleich ganz verschenkt, womit man dem Eastern endgültig den Gnadenstoß versetzt. Entweder sieht man kaum was oder das Wirework ist so übertrieben oder schlecht eingesetzt, dass es nur noch primitiv wirkt. Gut, auch in früheren Werken wirbelten die Kämpfer wie verrückt durch die Lüfte, aber immerhin ansehnlich. Genau so ein übertriebenes Spektakel soll in The Kung Fu Master aber vermieden werden. Man zeichnet schließlich eine Biografie nach echtem Vorbild und die Zensurbehörden bestehen seit einiger Zeit bei solchen Dingen auf einen gewissen Realismus. Deshalb stört das Wirework auch so unglaublich, weil es einfach nicht in den Erzählstil passt, zumal die Kämpfer so hilflos wie nasse Säcke in den Seilen hängen. Da ist nichts mit Kampfästhetik, das ist höchstens unfreiwillig komisch.

The Kung Fu Master ist vorhersehbarer 08/15-Schund. Das Thema des Eastern wird ohne jegliche Kreativität oder Innovation durchgekaut. Man krallt sich an Altbewährtes ohne Hang zur Variation, und dann auch noch ohne den Charme der alten Produktionen. Was bleibt, ist ein Billigfilmchen, das zwar mit der polierten Optik des neuen Jahrtausends daherkommt, aber sonst in allen Belangen durchfällt und schlichtweg langweilt. Hier lohnt sich wirklich gar nichts – weder Handlung, Action, Figuren, Schauspieler noch die zugrunde liegende Legende reißen irgendwas raus. Lieber noch mal einen alten Shaw-Brothers-Film schauen.

© Shaoshi, 28. Dezember 2012
2/10

八卦宗师 | Ba Gua Zong Shi
China • 2012 • 120 Min. • Eastern
Regie | Chan Shukai
Drehbuch | Ou Lihao
Darsteller | Ou Lihao, Miu Tse, Sun Xiyao, Bruce Leung Siu-Lung, Canti Lau Sek-Ming, Xiong Xinxin, Wu Wen, Chen Tiejun, Zhou Qing, Chiang Tao, Wang Meiying, Han Jiawen, Duan Yalan

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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