Filmkritik | My Troublesome Buddy (Hongkong, 2003)

My Troublesome BuddyWenn man in Hongkong einen Low-Budget-Film dreht, kann es schon mal vorkommen, dass der den Charakter eines billigen Fernsehfilmchens hat, dem die großen Stars fehlen und ständig das Mikro ins Bild hängt. Die Komödie My Troublesome Buddy ist so ein Fall, der mit ATV-Gesicht Patrick Kam zwar immerhin einen bekannten Schauspieler gecastet hat, aber halt eher einen Seriendarsteller, was das TV-Flair noch verstärkt.

Ken Siu Man (Patrick Tam) ist ein furchtbarer Zeitgenosse, der seine Mitmenschen gern schikaniert und im Gegenzug auch keine Freunde hat. Als er stirbt, geht er mit seinem Gewissen (Lam Suet im schmierigen Unterhemd) einen Deal ein: wenn er es schafft, nach einer bestimmten Frist sieben Leute an seinem Krankenbett zu versammeln, darf er weiterleben. Schnell muss Ken Siu Man feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, Freunde zu finden. Deshalb nimmt er an einem Seminar teil, an dem seine emotionale Intelligenz geschult werden soll. Dort trifft er auch auf die nicht minder garstige Tina (Loletta Lee), in die er sich bald schon verliebt. Kann er die Frist einhalten und noch sechs weitere Menschen finden, die ihn mögen?

Wie nicht anders zu erwarten, wird die mittelmäßige Komödie nicht allzu kreativ abgespult. Ken Siu Mans anfängliche Streitereien sind so geschmacklos oder schlicht und ergreifend blöd, dass man noch nicht mal mehr von schwarzem Humor sprechen kann. Trotzdem schafft es Patrick Tam irgendwie, für seine Rolle einen gewissen Sympathiewert zu gewinnen. Loletta Lee hat es da schwerer. Ihre biestige Art geht einem einfach nur auf die Nerven. Der Humor ist wie erwartet plump, zeugt entweder von schlechtem Geschmack oder zielt mal wieder auf Hongkongs Popkultur ab, wenn sich ein verlotterter Straßenmusiker z.B. Keyond nennt (als Anspielung auf HK-Rockband Beyond – was für ein Schenkelklopfer!) oder Tina im »Even Elephant«-Supermarkt arbeit (als Abklatsch zu »Seven Eleven«, wie es für die ganz Unbedarftem im Film extra noch mal zerredet wird). Humoristisches Highlight dürften die Seminarszenen sein, die nicht nur deshalb ganz witzig geraten sind, weil sich Wong Yat-Fei und Shing Fui-On in Cameo-Auftritten selbst parodieren dürfen.

Auch das Ende ist wenig überraschend. Klar ist, dass sich Ken Siu Man zu einer liebenswerteren Persönlichkeit wandeln wird, und logisch auch, dass er am Ende weiter leben kann. Spannend bleibt es im Rahmen der Komödie trotzdem, weil die Frage nach dem »wie« wirklich bis zum Schluss im Raum steht.

My Troublesome Buddy ist eine ziemlich mittelmäßige Low-Budget-Komödie aus Hongkong, die streckenweise zwar unterhält, in weiten Teilen aber viel zu belanglos geraten ist. Für Zuschauer im Westen, die sich in Hongkongs Popkultur nicht auskennen, bleiben viele Witze obendrein verschlossen. Manchmal ist es also tatsächlich nachvollziehbar, warum Filme es nicht über die Grenzen eines Landes hinausschaffen.

© Shaoshi, 13. Januar 2013
4/10

我的麻烦老友 | Ngo Dik Lut Faan Liu Yau
Hongkong • 2003 • 110 Min. • Komödie
Regie | Yip Wai Ying, Purcy Cheung
Drehbuch | Zhang Lei
Darsteller | Patrick Tam Yiu-Man, Loletta Lee, Lam Suet, Pinky Cheung Man-Chi, Wayne Lai Yiu-Cheung, David Lee Wai-Sheung, Anita Chan Wing-Yin, Wong Yat-Fei, Shing Fui-On, Nelson Cheung, Hong Wa, Felix Lok Ying-Kwan, Ronnie Cheung Ho-Lung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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