Filmkritik | Gallery Of Fools (Hongkong, 1981)

Gallery Of FoolsAn Tagen, an denen man so gar nichts zu tun hat, kann es schon mal vorkommen, dass man im Fernsehen an den belanglosesten Sachen hängen bleibt. An biederen Filmchen zum Beispiel, die so irrelevant und unbekannt sind, dass es noch nicht einmal in ihrer Originalsprache viele Online-Informationen dazu gibt. Die Golden Harvest-Produktion Gallery Of Fools ist so ein Vertreter. Ob der Film nun 1980, 1981, 1985 oder 1986 entstanden ist, ist unklar, da die Quellen stark auseinander gehen. Fakt ist jedoch, dass der Film so extrem in den 80er-Jahren feststeckt, dass die an sich so dümmliche Jugendkomödie fast schon wieder ihren Reiz hat.

Wir lernen eine Gruppe junger Leute kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Nail, Soot, Milk Bread, Handsome und Wool auf Seiten der Jungs und Xiu Xiu und ihre Freundinnen mögen die Schule nicht und verbringen die Zeit lieber mit so coolen Hobbys wie Motorradfahren in der Kiesgrube, Klavierspielen oder ferngesteuerte Flugzeuge steuern (ebenfalls in der Kiesgrube). Was für Rebellen! Weil Nail unter der bevorstehenden Scheidung seiner Eltern leidet, wollen die Freunde zur Ablenkung eine Motorradtour durch Hongkongs Hinterland machen. Der Wochenendtrip erweist sich allerdings als nicht mehr ganz so spaßig, als sie beim Zelten nachts von maskierten »Unbekannten« getriezt werden (dem Zuschauer ist natürlich klar, wer die »Unbekannten« sind). Schaffen es unsere Freunde durch dieses Erlebnis eine Richtung in ihrem Leben zu finden, sich Ziele zu setzen und für diese zu kämpfen?

Puh, aus heutiger Sicht wirkt das Filmchen extrem angestaubt. Obwohl die Jugendlichen nichtsnutzige Unruhestifter sind, wirken ihre Streiche einfach nur kindisch. Wenn die Jungs etwa einem Mädchen einen piepsenden Sender in die Windel-große Slipeinlage einbauen, ist das nicht nur kindisch, sondern auch furchtbar unlustig. Das schlägt sich auch in den Dialogen nieder, die wohl frech und witzig sein sollen, aber heute einfach nur naiv und total unschuldig wirken. So ändern sich also die Zeiten. Im Umkehrschluss funktioniert auch der Humor der Komödie nicht mehr und der Unterhaltungswert sinkt ins Bodenlose. Hat man nicht gerade ein Faible für die 80er Jahre und all ihre Scheußlichkeiten, bleibt kaum noch was Interessantes über. Denn auch mit der biederen und oberflächlichen Erzählweise kann man heute keinen Blumentopf mehr gewinnen. Eine richtige Handlung hat der Film sowieso nicht, sondern hangelt sich eher von einem banalen Ereignis zum nächsten. Zwar wirkt der Streifen durchaus realistisch und thematisiert Probleme, mit denen sich die Jugend von damals sicherlich identifizieren konnte, aber zu einem spannenden Höhepunkt braucht es mehr als ein paar Jugendliche mit Affenmasken, die vor den Zelten unserer Freunde ein bisschen Schabernack treiben (der mit Zelt anzünden und Fesseln aus heutiger Sicht zugegeben als kriminell bestraft werden dürfte). Trotzdem wirkt das Finale lächerlich und nie bedrohlich, obwohl die Freunde (und hier auch die Jungs) sich vor Angst fast in die Hose kacken. Dabei waren sie vor dieser Nacht doch so unendlich gut drauf. Immerhin wird den halben Film über in einer Tour gelacht, gegackert und gekichert – und das nicht nur auf Seiten der züchtigen Mädchen. Dadurch wird der Film dann noch naiver, Dramatik und Spannung erreichen rasch den Nullpunkt. So gerät selbst eine Schlauchboot-Tour, bei der einer der Jungs halb ertrinkt, zum harmlosen Spaß. Immerhin geht ja alles gut aus und nach einer Runde Gekicher herrscht wieder Idyll in den Bergen von Hongkong.

Filme aus den 80er Jahren sind ja so eine Sache für sich, aber nicht viele sind dermaßen schlecht gealtert wie Gallery Of Fools. Handlung ist praktisch keine vorhanden und die Jugendlichen und deren Taten sind so naiv und kindisch, dass es teilweise eine echte Qual ist, den belanglosen Ausflug zu verfolgen.

© Shaoshi, 17. Januar 2013
1/10

哥们的糗事 | Go Mun Di Cau Si
Hongkong • 1981 • 95 Min. • Komödie
Regie | Fu Wei-Te
Drehbuch | Yip Wan-Chiu, William Cheung Gin
Darsteller | Ho Kai-Man, Lin Xiu-Ling, Yeung Hing-Wong, Yeung Git-Mooi, Kei Kwong-Chou, Suen Paang, Got Siu-Bo, Man Chung-San, Leung Sau-Geun, Ng Man

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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