Filmkritik | The Door With Father’s Love (China, 2011)

The Door With Father's LoveDenkt man an asiatische Filme, welche die Beziehung zwischen einem Vater und seinen Töchtern in den Mittelpunkt stellt, fällt einem vielleicht zuerst das taiwanesische Drama Eat Drink Man Woman ein. Ang Lees Vorzeigedrama um einen kochenden Witwer und seine drei erwachsenen Töchter hatte es in sich, widmete es sich doch einfühlsam den Problemen der Protagonisten und glänzte dabei sogar noch als beschwingte Komödie. In China wollte man mit The Door With Father’s Love offensichtlich in diese Fußstapfen treten. Allerdings, wie nicht anders zu erwarten, sind diese für Regisseur Pei Jun und sein Team ein paar Nummern zu groß.

Auch in The Door With Father’s Love geht es um einen alternden Vater (Li Mingchen) und seine drei erwachsenen Töchter. Anders als in Eat Drink Man Woman steht der Vater aber nicht im Mittelpunkt, fungiert ja noch nicht einmal richtig als Kitt, der die Familie zusammenhält, sondern wirkt eher wie eine Randerscheinung. Das ist schade. So haben zwar alle drei Töchter ihre ganz eigenen Handlungsstränge, der Vater aber praktisch keinen. Tochter Yang Wen (Yang Wenwen) ist mit ihrem Leben unzufrieden. Ihr Verlobter (Wang Xun) ist ein Loser und in ihrer Bar in Chengdu hängen immer nur dieselben Verlierergestalten rum. Ihre Schwestern bereiten ihr auch nur Kummer. Yang Qian (Wu Shiqian) kann sich ihren Luxus nur leisten, weil sie eine Affäre mit ihrem Chef hat, und Tomboy Yang Dong (Xu Dongmei) ist das größte Sorgenkind in der Familie: Schon früh ist sie von zu Hause weggegangen, um eine Martial-Arts-Schauspielerin zu werden, arbeitet aber lediglich als Statist und ansonsten in einer Kfz-Werkstatt, wo sie der miesepetrige Chef immerhin wohnen lässt. Als sich nun Besuch vom Vater ankündigt, versuchen die drei Schwestern zusammenzuhalten und ihm ein gutes Bild von sich zu zeigen. Und wo jetzt eigentlich so etwas wie eine Story ins Rollen kommen sollte, gibt es ganz einfach keine.

Handlungsarmut an sich wäre ja noch nicht einmal so schlimm. Schließlich gibt es drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und in ihren Lebensstilen durchaus genügend Konfliktpotenzial zur Verfügung haben. Dumm nur, dass die Schwestern unterschiedlich gewichtet sind. So ist die luxusversessene Yang Qian fast schon eine Randfigur (ihre Situation gibt zugegeben auch am wenigsten her), während die wilde Yang Dong ziemlich in den Mittelpunkt gekehrt wird. Sie landet schon mal bei der Polizei, übt Kickboxen und ist am Filmset schrecklich auf den Hauptdarsteller eifersüchtig, was sich in unterträglich kindischem Streichespielen äußert. Die Beziehung zum Werkstättenchef ist zwar keine sonderlich gute, aber doch so etwas wie ein Vater-Tochter-Ersatz. Die Beziehung zu ihrem echten Vater wird dafür nie so recht deutlich, da die beiden kaum Szenen miteinander haben. Der zu Besuch kommende Vater wohnt nämlich so lange bei Tochter Yang Wen, die im Film auch sehr zentral steht und mit ihrem Vater offensichtlich noch die beste Beziehung hat. Mit ihrem ewig depressiven Blick auf die Welt und ihrer generell schlechten Laune ruft sie allerdings nicht unbedingt viele Sympathien beim Zuschauer hervor. Tja, und der titelgebende Vater? Der kommt überraschend zu Besuch, ist eine Weile da und geht wieder. Sinn? Irgendwie so was wie eine Familienzusammenführung, nur wenig nachvollziehbar. Die Familienszenen am Esstisch beschränken sich auf stummes Essen (durchaus wirkungsvoll allerdings), aber die Beziehung zwischen ihm und seinen Töchtern wird nie so ganz real. Er entschuldigt sich, dass er ihnen ein schlechter Vater war (obwohl es die Mutter war, die die Familie damals sitzen gelassen hat), bekocht seine Töchter und hilft in der Bar, aber irgendwie bleibt das alles unbefriedigend. Auch mit der Diagnose Demenz wird nur ganz oberflächlich umgegangen. Der Film wird dadurch einfach nicht rund. Das dürfte auch daran liegen, dass die Mischung aus comichaftem Humor (der viel von Running Gags zehrt), seichtem Drama und übertriebenem Pathos gegen Ende einfach nicht passt.

The Door With Father’s Love hätte Potenzial gehabt, allerdings hätte man den Film ganz anders aufziehen und sich auf ein Genre beschränken müssen – Komödie oder Drama. So kommen beide Teile schlecht weg und der Inhalt wird ziemlich unbefriedigend. Zwar werden am Ende die Probleme der Töchter gelöst, aber Vaters Demenz wird einfach aus der Welt geschwiegen. Stattdessen gibt es pathetische Voice Overs zu schwülstiger Musik zu hören und einen positiven Ausblick auf das Leben der Töchter, auf das Leben im Allgemeinen, auf uns alle. Hach. So gesehen machen die Figuren im Film durchaus eine Wandlung durch, nur gestaltet sich der Weg als wenig sättigend und trotz des teilweise gelungenen (wenn auch infantilen) Humors mäßig unterhaltsam. Das hätte man besser machen können. Eat Drink Man Woman hat ja deutlich gezeigt, wie ein gutes Vater-Tochter-Drama-Komödchen funktioniert.

© Shaoshi, 19. Januar 2013
5/10

当爸爸来敲门 | Dang Ba Ba Lai Qiao Men
China • 2011 • 94 Min. • Drama | Komödie
Regie | Pei Jun
Drehbuch | He Nan
Darsteller | Xu Dongmei, Yang Wenwen, Wu Shiqian, Hei Zi, Li Mingchen, Wang Xun, Qiu Jun, Chen Lijuan, Zhao Liang, Wang Hu, Liu Yan, Xiao Yanyun, Gan Luming, Yan Junli, Zhang Zhibin, Li Yunliang, Jiang Bincheng, Zeng Hezhi, Xu Tianzi, Zhang Waner

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | The Door With Father’s Love (China, 2011)

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