Filmkritik | Rumble In The Bronx (Hongkong / USA, 1995)

Rumble In The BronxNach ersten zaghaften Ausflügen ins US-Kino der 80er Jahre wagt Jackie Chan mit Rumble In The Bronx schon einen viel eindeutigeren Schritt in den Westen. Zwar arbeitet man mit einem fast durchgängig chinesischen Team, doch die amerikanische Kultur hat ihre Spuren hinterlassen: psychopathisch kichernde Rockergangs mit Cyberpunkanleihen und goldkettenbehangene Schwarze als Diamantendiebe. Diesmal verschlägt es den Kampfkomiker Jackie Chan nämlich nach New York, das in Wirklichkeit Kanada-Kulisse ist, wo er sich als Gutmensch durch altbewährtes Handlungskonstrukt prügelt. Und das liest sich so:

Eigentlich kommt Keung (Jackie Chan) nur wegen der Hochzeit seines Onkels Bill (Bill Tung) nach New York, entschließt sich aber spontan dazu länger zu bleiben und Elaine (Anita Mui in verschenkter Rolle), die eben Onkel Bills Supermarkt aufgekauft hat, als Supermarkt-Bodyguard auszuhelfen. Das ist auch dringend nötig, da der Laden mitten in der Bronx immer wieder zur Zielscheibe diverser Gangsterbanden wird. Keungs Hilfe geht jedoch bald nach hinten los, als er sich ausgerechnet mit Nancy (Francoise Yip), der Freundin vom miesgelaunten Bandenchef, und ihrem kleinen behinderten Bruder anfreundet. Als einer aus der Bande zwei Diamantendieben die Beute abluchsen kann, gerät die Bande schnell ins Visier skrupelloser Supergangster, die sich erst als FBI ausgeben, aber eigentlich so dermaßen böse sind, dass nur Keung im Alleingang über sie triumphieren und seine gekidnappten Freunde retten kann.

In Rumble In The Bronx reiht man im Grunde also nur beliebige Versatzstücke aneinander und ergibt so auch kein rundes Ganzes. Jackie Chans Hilfe bei der Verteidigung des Supermarkts ist ziemlich nebensächlich und dient eigentlich auch nur dazu, später ein ganzes Gebäude zu zerlegen. Auch Jackie Chans Invasion der Rockerbande, als er sich ausgerechnet mit Nancy einlässt, ist ein schon tausendmal da gewesener Twist. Am Ende hebt man dann richtig ab und lässt Jackie Chan auch noch gegen eine Truppe Erzbösewichte antreten, die nicht einmal vor Mord durch Häckselmaschine zurückschrecken. Jackie Chan spielt dabei denselben Gutmenschen wie eh und je, der zwar Kung Fu kann, sich aber erst mal lieber nicht wehrt und sich nach Flaschenbombardement blutüberströmt nach Hause schleppt, ehe er endlich aus der Reserve gelockt werden kann. So viel Handlung, wie man immer noch meinen könnte, hat der Film übrigens auch nicht. Die verstümmelte US-Fassung, auf der auch die deutschen Fassungen basieren, lässt nämlich gerade noch so viel Handlung übrig, dass man sich zwar noch zurecht findet, aber viele Szenen als überflüssig enttarnt.

Die Handlung war in Jackie Chan-Filmen aber seit jeher höchstens zweitrangig und auch bei Rumble In The Bronx ist die schwache Handlung unwichtig. Der Fokus liegt auf den Actionszenen und die sind reichlich gesät, gewohnt wild und voller Stunts. Zwar gibt man sich in den USA—versicherungspolicenbedingt—nicht ganz so wagemutig wie in Hongkong, lässt Jackie Chan aber noch genügend Stunts ausführen und hält sich auch bei den Kampfchoreographien mit Kühlschränken etc. an den gewohnten Jackie-Chan-Stil, dass der Fan auf seine Kosten kommt. Allerdings kann sich der Film nicht einmal einen richtigen Schluss leisten, weshalb Jackie Chans finale One-Man-Show mit Luftkissenboot, Lamborghini und Schwert auch ziemlich abrupt aufhört. Überhaupt passt das Finale in seiner idiotischen Form auch gar nicht zum Rest des Films und hat dann auch mit der Bronx kein bisschen mehr zu tun.

Insgesamt zählt Rumble In The Bronx sicher noch zu den besseren Werken von Jackie Chan, ist aber wohl nur für Fans erträglich. Man will es im Film mal wieder allen recht machen und packt auch noch viel zu viele überflüssige Momente in den Streifen. Auch mit dem Humor hält man sich stark zurück und bedient sich dafür an so ziemlich jedem Klischee, das sich irgendwie einbauen lässt. Somit verkommt Rumble In The Bronx zur 0815-Jackie-Chan-Actionkomödie. Man bekommt mal wieder genau das serviert, was man erwartet. Öde. Die Verstümmelungsschere rationalisiert den Film auch noch aufs Wesentliche zusammen. So kommt zwar keine Langeweile auf, aber auch keine Rasanz. Eher drängelnde Hektik, damit man bald wieder nach Hause kann.

Dementsprechend lieblos wirkt das Resultat, gerade auch gegen Ende hin, wo man nach dem »Pferd riecht Stall«-Effekt immer überhasteter auf eine Schlussszene hinsteuert. Das mag auch daran gelegen haben, dass Jackie Chan sich inzwischen das Bein gebrochen hat und nur noch eingeschränkt agieren kann, aber auch die restliche Chose ist nur bedingt akzeptabel. Rumble In The Bronx ist weder Hongkong- noch US-Film. Zwar durchaus ambitioniert, aber ohne echte Hingabe. Das kommt halt auch bei den Zuschauern an—wenn vermutlich auch nur bei denjenigen, die sich nicht von den relativ solide inszenierten Actionszenen blenden lassen. Rumble In The Bronx ist nicht gerade Zeitverschwendung, aber auch nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Überhaupt ist der Streifen schnell wieder verdaut. Es ist einfach nichts beeindruckend genug, dass es einem länger im Gedächtnis bleiben könnte. Rumble In The Bronx ist kurzweilige, durchschnittliche Kost für Jackie-Chan-Fans. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

© Shaoshi, 12. Dezember 2009
5/10

紅番區
Hongkong | USA • 1995 • 105 Min. • FSK 16 • Actionkomödie
Produzent | Barbie Tung Wan-Si
Regie | Stanley Tong
Drehbuch | Fibe Ma Mei-Ping, Edward Tang Ging-Sang
Darsteller | Jackie Chan, Anita Mui Yim-Fong, Bill Tung Biu, Francoise Yip, Garvin Cross, Marc Akerstream, Morgan Lam, Ailen Sit Chun-Wai, Chan Man Ching, Alex To, Yueh Hua, Eddy Ko Hung, Emil Chau Wah-Kin

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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