Filmkritik | Emperor And The White Snake (China / Hongkong, 2011)

Und noch ein Film aus der Reihe »Ich bin krank und nutz‘ das mal aus«. Einen Teil habe ich scheinbar schon mal im Fernsehen gesehen, aber im Gegensatz zu Lam Suet auf Hühnerbeinen habe ich mich an die ach so tolle Action des Films kaum noch erinnern können. Das heißt was…

Emperor And The White SnakeDie Chinesen lieben ihre Legenden und so ist es nicht verwunderlich, dass sie fürs Kino immer und immer wieder dieselben Geschichten durchkauen. Die Legende von Madame White Snake, in der sich ein weiblicher Schlangendämon in einen Menschen verliebt und von einem Mönch gejagt wird, ist so ein Beispiel. Um verkaufsträchtiger und auch international erfolgreich sein zu können, wählte man für die Rolle des dämonenjagenden Abts keinen Geringeren als Jet Li, der sich längst auch im Westen einen Namen gemacht hat. Dumm nur, dass der in dem prominent besetzten Romantasy-Spektakel Emperor And The White Snake gar nicht im Zentrum steht.

Sängerin und Schauspielerin Eva Huang ist stattdessen Mittelpunkt des Films. Als »White Snake« Susu rettet sie Kräutersammler Xu Xian (Schwiegermutterliebling Raymond Lam) vor dem Ertrinken und verliebt sich durch den obligatorischen Unterwasserkuss in ihn. Er selbst ist ebenfalls von der unbekannten Schönen angetan, erinnert sich nach seiner Genesung nur nicht mehr an ihr Gesicht. Was für ein Glück, dass Susu beim Laternenfest in Hangzhou nachhilft und die Liebenden doch noch zueinander finden. Auch ihre Gefährtin »Green Snake« Qingqing (Twins-Hälfte Charlene Choi) ist beim Flirten auf den Geschmack gekommen. Ihr läuft nämlich der Lehrling (Wen Zhang) vom dämonenjagenden Abt Fahai (Jet Li) über den Weg, den sie auch dann noch leiden kann, als er sich nach einem Kampf mit Vampiren selbst in ein geflügeltes Ungetüm verwandelt. Abt Fahai indes findet die Vermischung von Dämon und Mensch weniger gut und will zumindest gegen Susu vorgehen.

Was ursprünglich mal eine Horrorgeschichte war, hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einer Liebesgeschichte gewandelt und so ist es nicht verwunderlich, dass Ching Siu-Tungs Verfilmung zuallererst einmal eine Romanze ist. Der wenig originelle Alternativtitel It’s Love lässt ja schon darauf schließen. In diesem familiengerechten Spektakel wird also vor Kitsch nicht Halt gemacht, wenn Susu und Xu Xian die große Liebe finden und Plattitüden wie »wir wollen für immer zusammenbleiben, ja?« zum Besten gegeben werden. Wie wir aus unzähligen anderen Filmen wissen, ist so eine Beziehung dann ja immer zum Scheitern verdammt, vermutlich als Strafe, dass man so platte Dialoge führt. Wer die Legende kennt, und das dürften zumindest in der chinesischen Heimat so ziemlich alle Zuschauer sein, kennt das Ende sowieso schon und so ist eigentlich nur noch der Weg dorthin das Ziel.

Da der Regisseur niemand anders als Ching Siu-Tung ist, darf auch der Actionteil nicht vernachlässigt werden. Ching Siu-Tung hat so manchen Actionklassiker verbrochen und auch mit Jet Li schon zweimal erfolgreich zusammengearbeitet. War Swordsman II (1991) ein Highlight in der Filmographie von beiden, war Schrift des Todes (1996) ein zwar chaotisches, absurdes, aber immerhin unterhaltsames Action-Comedy-Spektakel. Und Emperor And The White Snake dürfte irgendwo dazwischen angesiedelt sein. Der Film ist genauso absurd und überfrachtet wie die anderen beiden, aber zumindest die Effekte grenzen sich doch deutlich positiv zu den grauenhaften Effekten in Schrift des Todes ab. Was jetzt nicht heißen soll, dass Emperor And The White Snake mit guter CGI-Arbeit glänzen könnte. Ganz im Gegenteil. Die Effekte werden im Laufe des Films immer schlechter, so dass man sich spätestens beim Endkampf, wenn eine ganze Gebirgskette in den Fluten untergegangen ist und Jet Li gegen zwei grottig animierte Riesenschlagen kämpfen muss, doch ein bisschen fremdschämen muss. Schade eigentlich, denn Ching Siu-Tung hat seine Action durchaus sehr solide als bombastisches Spektakel inszeniert. Vielleicht aber hätte er sich doch ein bisschen an die früheren Gepflogenheiten halten sollen und nicht so viel Computerarbeit in den Film stecken sollen. Denn obwohl der Streifen teuer produziert scheint, wirkt er im Endeffekt oft einfach nur billig. Jet Li war übrigens noch nie so austauschbar wie hier. Das liegt auch daran, dass er nicht mehr der Jüngste ist und Emperor And The White Snake kein Jet-Li-Film ist, sondern lediglich ein Film mit Jet Li. Außer ein paar steinernen Gesichtszügen und ein paar Seniorengymnastikübungen, die man hinterher mit bunten Computereffekten aufgepeppt hat, bekommen wir von ihm nichts zu sehen. Kung Fu darf er sowieso nicht anwenden, aber wenn man bedenkt, dass Jet Li hier gegen Eva Huang und Charlene Choi kämpfen muss, wären harte Martial-Arts-Schläge sowieso nicht angemessen.

Um den Film dann vollständig zur Kinderei verkommen zu lassen, lässt man noch ein paar animierte und sprechende (!) Tiere durchs Bild hoppeln. Immerhin zu einer witzigen Szene hat es dann doch gereicht: Als Xu Xian vor seiner Eheschließung mit Susu verlangt, erst ihre Familie kennen zu lernen, verwandeln sich die sprechenden Tiere in Cameos wie Lam Suet, Chapman To, Miriam Yeung oder Angela Tong, verhalten sich aber weiterhin tierisch und verwandeln sich während Xu Xians Besuch sowieso langsam wieder zurück in ihre tierische Form. Was dank der Absurditäten, die hier zum Besten gegeben werden, tatsächlich ganz lustig geraten ist, wurde in der deutschen Fassung unverständlicherweise herausgeschnitten. Für weiteren Humor sorgt dann noch Wen Zhangs Verwandlung in einen lachhaft hässlichen Dämon und sein generell beschränktes Verhalten, aufrichtig witzig ist das aber nicht.

Was bleibt ist eine alte Legende, die mit Schwerpunkt auf kitschige Romantik und CGI-Action daherkommt und sich der üblichen Versatzstücke eines solchen Vehikels bedient – eine zum Scheitern verurteilte Liebe, ein Mönch, der verbissen für die natürliche und ethische Ordnung kämpft, ganz viel Fantasy, Zauberei, Kitsch und kindischer Humor. Das alles macht zwar einen runden Blockbuster, bleibt zuletzt aber doch unbefriedigend. Dafür lebt die Story von Emperor And The White Snake einfach zu sehr vom konservativen Geschichtenerzählen, von schlechtem CGI, von der Familientauglichkeit, mit der man zumindest Jet Li-Fans und alle, die bombastisches Fantasyactionkino der alten Schule erwartet haben, verschreckt, von Kitsch und einer tragischen Liebe nach Schema F. So mittelmäßig hätte das hochpolierte Spektakel nun nicht ausfallen müssen. Ach ja, in 3D ist der Streifen, der ja fast schon als Animationsfilm durchgeht, auch noch gedreht. Da ich mich meistens schon nicht für überhandnehmende CGI-Effekte begeistern kann, lässt mich aber auch diese Technik kalt.

© Shaoshi, 24. Januar 2013
5/10

白蛇传说 | Bai She Zhuan Shui
China | Hongkong • 2011 • 103 Min. • Fantasyromanze
Alternativtitel | The Sorcerer And White Snake | It’s Love | Die Legende der weißen Schlange
Regie | Ching Siu-Tung
Drehbuch | Charcoal Tan, Tsang Kan-Cheong, Szeto Cheuk-Hon
Darsteller | Jet Li, Eva Huang Shengyi, Raymond Lam Fung, Charlene Choi Cheuk-Yin, Wen Zhang, Vivian Hsu, Miriam Yeung Chin-Wah, Jiang Wu, Chapman To Man-Chat, Lam Suet, Angela Tong Ying-Ying, Wang Yi-Nan, Sonija Kwok, Song Wenjia, Law Kar-Ying

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Emperor And The White Snake (China / Hongkong, 2011)

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