Filmkritik | Helen The Baby Fox (Japan, 2006)

Helen The Baby FoxMan muss schon ein ganz besonders gefühlskalter Mensch sein, wenn einem der japanische Familienfilm Helen The Baby Fox rund um ein süßes kleines Füchslein nicht das Herz zu wärmen vermag.

Der Grundschüler Taichi Ogawara (Arashi Fukasawa) ist mit seiner Mutter, einer ständig verreisten Fotografin, eben erst umgezogen. Da der Junge bei seinen Mitschülern kaum Anschluss findet, kommt es nur umso gelegener, als er eines Tages ein verlassenes Fuchsbaby am Straßenrand findet. Mit Hilfe des mürrischen Tierarztes Yajima (Takao Osawa) und dessen Tochter Misuzu (Ryoko Kobayashi) möchte er das Füchslein aufpäppeln. Bald schon stellt sich heraus, dass das kleine Fellbündel weder sehen noch hören kann. Auch seine Stimme und sein Geruchssinn sind eingeschränkt. Ob der kleine Fuchs dank seinem Hirnschaden überhaupt überleben kann, ist zudem mehr als fraglich.

Nicht nur der kleine Fuchs namens Helen scheint in Taichi bald seine Ersatzmutter zu sehen. Und Taichi, der sich mit dem Fuchs identifizieren kann, da beide praktisch ohne Mutter aufwachsen, tut alles dafür, um den zahmen Tier das Leben schmackhaft zu machen. Er zeigt und erzählt ihm vom Sommer, vom Wasser und vom Regen, ganz egal, ob der Fuchs hören oder sehen kann. Zwischen den beiden entwickelt sich bald eine innige Freundschaft, fern jedes Hollywood’schen Pathos oder übertriebenem Trubel und, bis auf einige Kleinigkeiten, durchaus sehr realistisch gehalten.

Charakterzeichnung ist sicherlich nicht Helen The Baby Fox‚ starke Seite. Taichi wird durchaus liebenswert und freundlich—und vor allem ganz ohne klugscheißende Coolness-Allüren wie es in amerikanischen Filmen dieses Typs fast immer der Fall ist—porträtiert, doch alle Menschen um ihn herum bleiben ein bisschen blass und unnahbar. Allerdings sind es kaum die Erwachsenen, die der Zuschauer hier sehen will. Alles, was interessiert, sind die niedlichen Szenen zwischen Taichi und seiner tierischen kleinen Freundin. Mit tapsigen Schritten und kleinen schwarzen Knopfaugen im flauschigen Fell hat sich das Füchslein schon bald ins Herz eines jeden Zuschauers geschlichen. Ob es nun klatschnass ist, Milch schlabbert, fröhlich durchs Löwenzahnfeld springt, einen Hund beschnuppert oder auf einem Plüschbären schläft—das Füchslein ist in jeder Einstellung überaus süß dargestellt worden, so dass man sich kaum an ihm satt sehen kann.

Helen The Baby Fox spielt dabei natürlich überaus berechnend mit den Emotionen des Zuschauers. So können dem Sensiblen vor allem zum Schluss hin durchaus mal die Augen überquellen. Die Musik ist zwar stellenweise ein wenig zu kitschig ausgefallen, weiß aber immer, die entsprechenden Szenen emotional noch um einiges zu verstärken. Doch nimmt man all das gerne hin, denn Helen The Baby Fox ist einfach mehr als reizend anzuschauen und trotz (möglicherweise) vergossener Tränenbäche bleibt man nach dem Genuss des Films mit einem Lächeln zurück.

Die kindliche Naivität und Fantasie, die Helen The Baby Fox dank seinem jungen Hauptdarsteller verströmt, spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Mit einer ruhigen, realistischen Inszenierung vor vielen idyllischen Landschaften erzählt die Romanverfilmung von einem kleinen Jungen, der sein Herz an ein todkrankes Fuchskind verloren hat. Zuckersüße Bilder und tragische Momente bereiten dem Zuschauer eine Achterbahn der Gefühle und ein wunderbares Filmerlebnis mit Tiefe, auch wenn eigentlich kaum etwas passiert. Überaus empfehlenswert für alle Tierliebhaber und solche, die es noch werden wollen. Übrigens: Wer von Helen nicht genug bekommt, kann sich ja mal an Minoru Taketazus gleichnamigem Roman versuchen, auf dem der Film basiert.

© Shaoshi, 28. Januar 2008
10/10

子ぎつねヘレン | Kogitsune Helen
Japan • 2006 • 104 Min. • Tierfilm
Regie | Keita Kono
Drehbuch | Masako Imai
Darsteller | Arashi Fukasawa, Takao Osawa, Yasuko Matsuyuki, Ryoko Kobayashi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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