Filmkritik | Once Upon A Time In China And America (Hongkong, 1997)

Once Upon A Time In China And AmericaNach Teil 1-3 der populären Once Upon A Time In China-Reihe übernahm Zhao Wen-Zhou die Rolle des berühmten chinesischen Volkshelden Wong Fei-Hung. Fans sind sich jedoch einig: in den 90er-Jahren gibt es nur einen wahren Wong Fei-Hung—und das ist Jet Li. Also schlüpfte der für den sechsten Teil, Sammo Hungs Once Upon A Time In China And America, noch einmal (und nicht zum letzten Mal, übrigens) in die Rolle des Wong Fei-Hungs, der diesmal im Wilden Westen die Handkanten sprechen lässt.

Wong Fei-Hung (Jet Li) reist also mit Tante Yee (Rosamund Kwan) und Diener/Schüler Ah Qi (Xiong Xin-Xin) nach Amerika, um die dortige Filiale der Po Chi Lam-Apotheke zu besuchen, die von Dr. Sol (Chan Kwok-Pong) betrieben wird. Auf dem Weg durch den Wilden Westen trifft das Reisegrüppchen auf den surferblonden Cowboy Billy (Jeff Wolfe), der ihnen prompt hilft, als sie von Indianern überfallen werden. In diesem Trubel verschwindet jedoch Wong Fei-Hung, der sich später ohne Gedächtnis unter Indianern wiederfindet. Dank seiner medizinischen und kämpferischen Fähigkeiten gilt er dort schnell als angesehen, während seine Gefährten nach ihm suchen und im Städtchen von den klassischen Westerngestalten (Bösewichte, Sheriffs) aufgemischt werden. Als Wong Fei-Hung endlich wieder zu den anderen findet, ist guter Rat teuer. Die chinesische Gemeinde wird nämlich des Banküberfalls bezichtigt und, nachdem sich in Po Chi Lam tatsächlich Geldsäcke finden lassen, zum Tode verurteilt. Billy kann ihnen diesmal allerdings auch nicht helfen—der soll nämlich gleich mitgehangen werden.

Wer Shang-High Noon gesehen hat, dem dürfte die Story bekannt vorkommen. Die Idee vom Kung-Fu-Künstler im Wilden Westen stammt nämlich von Jackie Chan höchstpersönlich. Sein Busenfreund Sammo Hung stahl ihm allerdings die Idee und verwurstete sie zum sechten Aufguss der Once Upon A Time In China-Reihe. Jackie Chan war erstmal beleidigt, und obwohl sich die beiden inzwischen wieder versöhnt haben, bestand Jackie Chan darauf, das Material drei Jahre später noch einmal auf seine Weise zu verfilmen. Im Vergleich kommt Jackie Chans später entstandenes Original besser weg, doch damals legte Once Upon A Time In China And America einen immensen Erfolg in Hongkongs Kinos an den Tag. Und das durchaus zu Recht.

Jet Li ist in Höchstform und spielt Wong Fei-Hung charismatisch bis elegant. Die Kampfszenen, wenn öfters auch mal mit schlecht retuschiertem Wirework, können sich sehen lassen. Da wir es ja mit dem Wilden Westen zu tun haben, wird zwar auch viel geschossen, doch halten sich Kung Fu und Schießereien gut die Waage, so dass hier ein jeder auf seine Kosten kommen könnte. Obendrein unterhält auch der Humor, der im Westen aber wieder mal vielen zu überdreht sein dürfte.

Einige Minuspunkte gibt es trotzdem. Darüber, dass der Film kaum Handlung hat, kann man großzügig hinwegsehen. Ist bei dieser Art von Filmen ja meistens so. Auch dass die Nebenfiguren sich meistens eher dämlich benehmen, lässt sich noch irgendwie verschmerzen, agieren sie immerhin noch im Rahmen solcher HK-Filme. Richtig schlimm wird es jedoch bei den internationalen Schauspielern, die allerhöchstens drittklassig sind und den Film nach unten ziehen. Das gilt leider auch für Jeff Wulfe, der ja eine relativ wichtige Rolle innehat. Nächstes Manko: wo Jackie Chan und Owen Wilson das perfekte Buddy-Team bilden, agieren hier die Chinesen erstaunlich losgelöst von Jeff Wulfe. Zwar laufen sich alle mal über den Weg und können sich gut riechen, doch hätte der Film ohne ihn genauso funktioniert. Auch dass der Oberbösewicht – ein Cowboy – Kung Fu kann, ist etwas befremdlich. Aber solche Fragen nach Logik darf man in einem Actionfilm sowieso nie stellen, egal woher der Streifen kommt.

Trotz der grottigen internationalen Schauspieler und albernem Humor ist Once Upon A Time In China And America eine unterhaltsame Actionkomödie geworden, die zwar von Perfektion weit entfernt ist, aber ganz gut in die Reihe um den populären Volkshelden Wong Fei-Hung passt. Gerade in den Actionszenen kann sie nämlich voll und ganz überzeugen und darauf kommt es bei einem Actionfilm schließlich an.

© Shaoshi, 12. November 2012
6/10

黃飛鴻之西域雄獅 | Wong Fei-Hung: Chi Sai Wik Hung See
Hongkong • 1997 • 95 Min. • Action
Alternativtitel | Once Upon A Time In China 6
Regie | Sammo Hung Kam-Bo
Drehbuch | Tsui Hark
Darsteller | Jet Li Lian-Jie, Rosamund Kwan Chi-Lam, Hung Yan-Yan (Xiong Xin-Xin), Chan Kwok-Bong, Richard Ng Yiu-Hon, Jeff Wolfe, Roger Yuan, Patrick Lung Kong, Lau Kar-Wing, Mars, Chrysta Bell Zucht, William Fung, Johnny Koo Kwok-Wah, Joseph Sayah, Ryon Marshall, T.J. Storm, Gavin Perry

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s