Filmkritik | The Good, The Bad, The Weird (Südkorea, 2008)

The Good, The Bad, The WeirdThe Good, The Bad, The Weird, das klingt verdächtig nach The Good, The Bad And The Ugly (deutscher Titel: Zwei glorreiche Halunken). Das war ja bekanntlich ein Western, und, na ja, The Good, The Bad, The Weird ist auch einer. Nur eben aus Südkorea. So manch einer mag dem Konzept erst einmal skeptisch gegenüberstehen—und dann positiv überrascht werden. Die Südkoreaner beweisen nämlich, dass ein Western aus Fernost in der Tat funktioniert. Und das sogar sehr gut.

Wir befinden uns in der Mandschurei der 1930er Jahre. Finsterling Park Chang-I (»The Bad«; Lee Byeong-Heon) will den Japanern—ihrerseits gerade auf einer Zugreise durch die Mandschurei—eine brisante Schatzkarte stehlen. Allerdings kommt ihm der etwas verrückte Dieb Yoo Dae-Goo (»The Weird«; Song Kang-Ho) zuvor und flüchtet mit der Beute. Fortan hat der kein ruhiges Leben mehr—denn nicht nur ein Kopfgeldjäger (»The Good«; Jeong Woo-Seong) und natürlich »The Bad« sind hinter ihm her, sondern auch die Japaner, welche die Karte ebenso gerne wieder in ihrem Besitz wüssten.

Wer anfangs nicht glauben mochte, dass die ungewöhnliche Mischung sehenswert ist, muss bald einsehen, dass wir es bei The Good, The Bad, The Weird mit Popcorn-Kino allererster Güte zu tun haben. Rasant und kurzweilig hetzt der Streifen von einem Ereignis zum nächsten. Schon fast ein Wunder, dass es in den 124 Minuten keinen einzigen Durchhänger gibt, sind die Koreaner doch dafür bekannt, dass sie ihre Filme normalerweise gern mit ruhigen Momenten des Gesülzes aufplustern. Nicht so bei The Good, The Bad, The Weird. Da wird richtig rangeklotzt. Das hohe Tempo des Films wird auch durch tolle Schnitte und coole Kameraarbeit aufrechterhalten. Einziges Manko: die Kamera agiert teilweise so cool, dass es nur noch affig wirkt. In einigen actionreichen Szenen hätte sie außerdem etwas weniger wackeln können. Insgesamt gibt der Streifen aber viel fürs Auge her. Neben dem superben Computer-Makeup, Hochglanzbildern und perfekter Inszenierung überzeugen auch die Kostüme, die Kulissen von weiten Wüsten und abgewrackten Dörfern.

Mit einem rasanten Überfall auf einen fahrenden Zug geht es verlockend los und endet zuletzt mit einem klassischen Duell. Dazwischen gibt es dann noch Schießereien und Verfolgungsjagden über offenes Wüstengelände mit Motorrädern, Jeeps und Pferden—ein Augenschmaus für den Actionliebhaber. Auch gewalttechnisch ist man nicht zimperlich; man verspritzt viel Blut und verschleißt im Kugelhagel eine Menge Statisten. Die Hauptfiguren fassen sich nicht gerade mit Seidenhandschuhen an und bekommen so einiges ab. Perfekt für einen so konsequenten Actionfilm. Wen interessiert es da noch, dass die Story eigentlich ziemlich simpel ist. Sie schafft immerhin die perfekte Basis für eine sehenswerte Jagd quer durch die Mandschurei und ist dabei auch noch spannend inszeniert.

Die Hauptdarsteller sind für den Western aus Fernost perfekt gewählt. Song Kang-Ho spielt mal wieder einen etwas minderbemittelten Typen, dafür aber so eindringlich und teils mit überdrehtem Witz, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen. Lee Byeong-Heon hingegen nimmt mit seiner bierernsten, düsteren Rolle die gängigen Klischees des skrupellosen Bösewichts aufs Korn und ist beinahe so gut wie Song Kang-Ho. Nur Jeong Woo-Seong, der Dritte im Bunde, verblasst als »The Good« etwas, zumal seine Rolle weit weniger Profil zeigt als die der Kollegen und er einfach nicht so intensiv agiert wie die anderen.

Dass The Good, The Bad, The Weird in den 1930er Jahren angesiedelt ist, vergisst man dank verrückter Frisuren und Perlweißgebissen gerne mal. Ist auch egal. Wichtig ist der Spaß und der ist hier in jeder einzelnen Szene gegeben. Zum einen durch Humor, der nicht albern sondern witzig wirkt, zum anderen natürlich durch die explosiven Actioneinlagen voller Rasanz, Coolness, Konsequenz und Spannung. Optisch aufpolierte Bilder und ein passender, lässiger Soundtrack, der es versteht, klassische Westernmusik in modernes akustisches Ambiente zu verlegen, sorgen für weitere Freude. So kurzweilig vergehen zwei Stunden selten.

© Shaoshi, 29. April 2011
9/10

좋은놈, 나쁜놈, 이상한놈 | Joheun Nom Nabbeun Nom Isanghan Nom
Südkorea • 2008 • 124 Min. • FSK 16 • Western
Regie | Kim Ji-Woon
Drehbuch | Kim Ji-Woon, Kim Min-Suk
Darsteller | Song Kang- Ho, Lee Byeong-Heon, Jeong Woo-Seong, Kim Kwang-Il, Kim Seon-Young, Lee Cheong-Ah, Lee Han-Sol, Lee Sung-Min, Oh Dal-Soo, Oh Seo-Won, Song Yeong-Chang, Eom Ji-Won, Yoon Je-Moon, Ryoo Seung-Soo, Son Byeong-Ho, Ma Dong-Seok, Jo Kyeong-Hoon, Yeom Cheol-Ho, Jo Deok-Jae, Hong Ki-Joon, Hakuryu, Jeong Se-Hyeong, Seong Jeong-Hoon, Lee Seong-Ho, Ki Eun-Se, Park Yeon-Ah, Choi Woo-Hyuk, Lee Seung-Joon

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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