Filmkritik | Once Upon A Time In Tibet (China, 2010)

Once Upon A Time In TibetWährend des Zweiten Weltkrieges halfen die Amerikaner den Chinesen, die von den Japanern terrorisiert wurden, indem sie eine Luftbrücke von Indien in die chinesische Provinz Yunnan bauten. Viele US-Piloten fanden auf ihrem Flug über den Himalaya den Tod. Auch das Flugzeug des US-Soldaten Robert (Joshua Hannam) stürzt über dem unwirtlichen Gebirgszug ab. Er hat allerdings Glück und überlebt. Schneeblind und geschwächt torkelt er durchs tibetische Hochland, bis er ein Dorf erreicht. Dort lebt die junge Witwe Yongcuo (Song Jia), die als Hexe verschrieen ist und so dazu verdonnert wird, den »rothaarigen Teufel« gesund zu pflegen. Nach anfänglicher Abneigung kümmert sich Yongcuo gerne um den Fremden. Als dieser endlich wieder gesund ist, entwickeln die beiden bald eine tiefe Zuneigung zueinander. Inzwischen macht die Nachricht die Runde, ein Ausländer hätte eine einheimische Frau getötet und müsse deshalb festgenommen werden. Der Sklave Jiangcuo (Peter Ho) sieht das als seine Chance, sich so die Freiheit und eine Heiratserlaubnis zu beschaffen und will den Mörder mit allen Mitteln erwischen. Dumm nur, dass er den Mörder in Robert vermutet, der nicht länger sicher ist.

Nach Ganglamedo ist Once Upon A Time In Tibet der zweite Film in einer von der Regisseurin Dai Wei angedachten Tibet-Trilogie und ist überaus sehenswert. Besonders löblich ist, dass Tibet hier nicht als Esoterik-überfrachtetes Wunderland sondern überraschend bodenständig porträtiert wird. Karges Hochland, raues Klima, schrullige Bewohner—eingefangen in wunderbaren Bildern vom taiwanesischen Kameramann Mark Lee, der schon in z.B. In The Mood For Love für visuellen Augenschmaus sorgte. Dieses faszinierende Gebirgsland stellt nun also die Kulisse einer etwas anderen Liebesgeschichte, die stets haarscharf an der Grenze zum Kitschigen vorbeischlittert, aber immer einfühlsam und liebenswert erzählt wird. Obendrein ist Once Upon A Time In Tibet trotz seiner gemächlichen Inszenierung und vorhersehbaren Momente en Gros spannend umgesetzt und fesselt bis zur letzten Minute.

Auch die Schauspieler sind absolut überzeugend, allen voran natürlich Song Jia, die so in ihrer Rolle als Einheimische Yongcuo aufgeht, dass man meinen möchte, sie hätte noch nie etwas anderes gemacht. Peter Ho spielt seine undurchschaubare Rolle auf der Suche nach dem Mörder sehr eindringlich und stellt das Innenleben seiner Figur mit wenigen Mitteln dar. In Nebenrollen glänzen ferner Tino Bao und der tibetanische Sänger San Muke als leicht naiver Stammesgenosse von Yongcuo. Joshua Hannam spielt den verlorenen Ami, der konsequent alle auf Englisch vollquatscht, stellenweise zwar etwas merkwürdig, aber im Laufe des Films lernt man auch sein Spiel liebzugewinnen.

Once Upon A Time In Tibet ist ganz klar eine Empfehlung wert. Die Geschichte ist zwar simpel und schlittert oft am Kitsch vorbei, wird aber mit Herz und Sympathie erzählt. Heimlicher Gewinner des Films sind und bleiben aber die vortrefflich gewählten Kulissen des tibetischen Hochlands, an denen man sich nicht sattsehen kann. Ob also Liebesgeschichte oder Landschaftsaufnahmen—da dürfte für fast jeden was dabei sein. Reinschauen lohnt sich!

© Shaoshi, 20. Januar 2012
8/10

西藏往事 | Xi Zang Wang Shi
China • 2010 • 98 Min. • Abenteuerdrama
Regie | Dai Wie
Drehbuch | Zhaxidawa, Qing Mu
Darsteller | Song Jia, Joshua Hannam, Peter Ho Yun-Tung, Tino Bao, San Muke

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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