Filmkritik | 14 Schwerter (China, 2011)

14 SchwerterWie schon der Shaw-Brothers-Klassiker Die Rache der gelben Tiger (1972) bedient sich das von Jackie Chan produzierte Actionspektakel 14 Schwerter bei der Geschichtensammlung rund um die Generalsfamilie Yang. Obendrein bereitet es auch noch dieselbe Episode wie das ältere Werk auf – vielleicht, weil die Geschichte um die heroischen Frauen des Clans unglaubliches Potenzial hat und sie auch in den 70er Jahren schon blendend funktioniert hat. Dann aber macht man Fehler. Besonders schlimm: Für die Regie holt sich Jackie Chan seinen Kollegen Frankie Chan ins Boot. Den dürfte man wohl noch am ehesten für seine zweifelhaften 80er-Jahre-Actionstreifen mit Yukari Oshima kennen, aber auch sein Fantasykomödchen Unforgettable Fantasy (1985) ist beispielsweise so ein Werk, bei dem man sich denkt: »Na ja …« Gedanklich scheint Frankie Chan inzwischen immerhin in den frühen Neunzigern festzustecken, als das übersinnliche Martial-Arts-Kino gerade eine neue Blütezeit erlebt hatte. Zwar lässt er in 14 Schwerter die übersinnlichen Elemente außen vor, stopft den Film jedoch mit allerlei anderen Übertreibungen voll. So entsteht dann ein krudes Historienepos, das modern und doch wie aus einer anderen Zeit wirkt und den heutigen (westlichen) Zuschauer damit vor ein unüberwindbares Hindernis stellen könnte.

China, 11 Jahrhundert: Die nördliche Song-Dynastie ist ziemlich heruntergekommen, Korruption ist an der Tagesordnung und dank der vielen Kämpfe fehlt es dem Land obendrein an Soldaten. Yang Zongbao (überflüssig: Richie Ren) beispielsweise ist der vorletzte Mann des Yang-Clans, dessen Männer dem Land schon seit Generationen als Generäle dienen. Im Krieg gegen das Reich »Western Xia« haben Yang Zongbao und seine Mannen klar das Nachsehen. Bald macht die Kunde von seinem Tod die Runde. Seine Witwe Mu Guying (extrem mittelmäßig: Cecilia Cheung) ist am Boden zerstört, zumal die hartherzige Regierung ihren Sohn Wenguang (verweichlicht: Xiao Mingyu) als nächsten General einziehen will. Freilich wollen die Witwen des Clans den allerallerletzten Mann in der Familie nicht so einfach in den Krieg ziehen lassen, weshalb sich sämtliche weibliche Familienmitglieder inklusive Familienoberhaupt Taijun (unterbeschäftigt: Cheng Pei-Pei) ebenfalls in eine alles entscheidende Schlacht stürzen wollen.

Kampferprobt sind die Frauen sowieso – zumindest in der Theorie, wie uns der Film in leichtfüßigen bis naiven Eingangssequenzen erzählt. Da wird auf dem Hof trainiert was das Zeug hält, immer darauf bedacht, eine schöne Pose in bunten Gewändern abzugeben. Jeder Frau ist dabei eine besondere Waffe zugeordnet, was uns eingeblendete Infotafeln zu patriotischer Musik noch einmal verdeutlichen wollen. Der Einfachheit halber werden uns da auch gleich noch die Namen der Grazien mitgeteilt. Unterscheidbare Charaktere – Fehlanzeige. Dabei sind selbst die Namen für den weiteren Verlauf der Geschichte überflüssig, da man sich sowieso nicht merken kann, wer wer ist (es sei denn, man kennt die Schauspielerinnen) und es im späteren Kampfgetümmel auch egal ist, wer wann über den Jordan geht. Tatsächlich sterben viele Figuren auf dem Schlachtfeld und das sorgt unter den Überlebenden jedes Mal aufs Neue für überbordende Emotionen, für ein Geheule und ein Gesoftel wie man es selten gesehen hat. Selbstverständlich ist ein Krieg eine grausame Angelegenheit und ebenso konsequent lichten sich auf Seiten der Heldinnen die Reihen. Nur – da ich nie eine Gelegenheit hatte, mich auf die Figuren einzulassen, lässt mich ihr Tod entsprechend kalt und das Overacting der Hinterbliebenen berührt mich einfach nicht.

Durch die fehlende Bindung an die Figuren kommt obendrein keinerlei Spannung auf. Dabei wären die Voraussetzungen eigentlich gegeben: Als die Heldinnen beispielsweise von den lachhaft barbarischen Feinden in einem Tal eingekesselt werden, hätte man eine spannende Flucht inszenieren können. Was macht man stattdessen? Ruhig bleiben, in die nächste Höhle klettern und warten, bis die riesigen Feuerbälle der Feinde vorbeigerollt sind. Auch über eine Schlucht rettet man sich auf eine Art, die so dumm wie unrealistisch ist. Andererseits kann man in diesem Film auch ungestraft seine Vorgesetzten mitten im Wort einfach stehen lassen, was zeigt, dass der Film seine eigenen Gesetze in Sachen Logik schreibt.

Die Brutalität des Krieges hängt zwar unheilvoll über den Schlachtplätzen, aber schlägt dank Frankie Chans kunterbunter, überladener Inszenierung nie so hart zu wie es sich für einen Film dieses Kalibers eigentlich gehört. Da marschieren die Legendary Amazons (Alternativtitel) wie Paradiesvögel in bunten Rüstungen aufs Schlachtfeld, befördern, wenn es sein muss, mit einem einzigen Schlag ganze Grüppchen an Gegnern ins Jenseits und wirbeln dank schlechtem Wirework-Einsatz unrealistisch durch die Lüfte. Das passt einfach nicht in ein Schlachtgetümmel, in dem die Beteiligten schwere Rüstungen tragen und teils ebenso sperrige Waffen mit sich führen. Entsprechend schwer hatten es die zumeist untrainierten Schauspielerinnen dann auch bei den Kämpfen, weshalb auf diverse technische Tricks zurückgegriffen werden musste, die diese Szenen nur noch umso künstlicher erscheinen lassen. Mehr Bodenständigkeit und Realismus hätte die ausufernden Schlachtenszenen sicher um einiges intensivieren können. So bleibt ein Spektakel, das in seiner Machart durchaus in der ein oder anderen Szene nostalgisch an die Hongkongfilme der frühen Neunziger erinnert, sogar ein bisschen unterhält, aber eben nicht auf der emotionalen mitreißenden Ebene, die hier wünschenswert gewesen wäre.

Zuletzt ließen es sich die Chinesen wieder einmal nicht nehmen, trotz Kriegsszenerie auch ein bisschen Humor in den Streifen einzubauen. Zwar ist der herrlich absurd – etwa wenn General Wenguang bei einem hochoffiziellen Anlass das Muttersöhnchen raushängen lässt – aber rein von der Stimmung her passt das einfach nicht in den Kriegsfilm, den ich mir doch lieber ernst gewünscht hätte.

14 Schwerter hat durchaus Unterhaltungswert – wenn man sich eben damit abfinden kann, dass man es hier nicht mit einem realistischen, bodenständig inszenierten Historienfilm zu tun hat, sondern mit einem überdrehten Actionspektakel, das zwar erstaunlich nah am Hongkongfilm der frühen Neunziger Jahre dran ist, aber in der Mischung von Kampfkunst und modernen Elementen (groß angelegtes Historienepos, Spezialeffekte) nicht sonderlich gelungen ist. Schablonenhafte Heldinnen ohne Wiedererkennungswert sowie mangelnde bzw. übertrieben schlecht dargestellte Emotionen und fehlende Spannung trüben den Spaß. Einen gewissen Unterhaltungswert hat 14 Schwerter trotzdem, wenn auch nicht in dem Ausmaß, den man sich gewünscht hätte.

© Shaoshi, 28. Januar 2013
6/10

杨门女将之军令如山 | Yang Men Nü Jiang Zhi Jun Ling Ru Shan
China • 2011 • 108 Min. • Action
Alternativtitel | Legendary Amazons
Regie | Frankie Chan Fan-Kei
Drehbuch | Frankie Chan Fan-Kei, Liu Heng
Darsteller | Cecilia Cheung Pak-Chi, Richie Ren, Liu Xiaoqing, Cheng Pei-Pei, Xiao Mingyu, Kathy Chow Hoi-Mei, Chen Zihan, Jin Qiaoqiao, Ge Chunyan, Lin Wei, Yukari Oshima, Li Jing, Yang Zitong, Yu Na, Liu Dong, Zhou Xiaofei, Wang Ti, Zhao Qianyu, Wu Ma, Grace Yip Pui-Man, Fung Hak-On

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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