Filmkritik | Tokyo Powerman (Hongkong, 1985)

Tokyo Powerman Mit Jackie Chan wird für Tokyo Powerman ja nicht zu knapp geworben. Eventuell kann man den ein oder anderen Fan sogar noch damit ködern, dass die Dreieinigkeit Jackie Chan, Sammo Hung und Yuen Biao hier wieder mal gemeinsam in einem Film auftaucht. Alles nur ausgefuchste Marketingstrategie, wie der ein oder andere Fan nach dem Sehen enttäuscht erkennen muss. Im Mittelpunkt steht hier nämlich die »Lucky Stars«-Blödeltruppe, über die man auch schon bei Winners & Sinners gelacht bzw. ungläubig den Kopf geschüttelt hat. Immerhin Sammo Hung hat es da auf eine Hauptrolle gebracht, während Jackie Chan und in noch stärkerem Maße Yuen Biao ganz an den Rand gedrängt werden.

Um was es geht? Nicht viel, ehrlich gesagt. Die Agenten Muscles (Jackie Chan) und Ricky (Yuen Biao) sind in Tokio gerade hinter einem ehemaligen Kollegen her, der sich nach großangelegtem Diamantenraub einen schönen Lebensabend machen will. Weil bei der anfänglichen Verfolgungsjagd Ricky gekidnappt wird (und bis zum Finale aus dem Film scheidet), holt Muscles Verstärkung aus Hongkong. Und die setzt sich ausgerechnet aus den unterbelichteten Kleinkriminellen Kidstuff (Sammo Hung), Sandy (Richard Ng), Roundhead (Eric Tsang), Herb (Charlie Chin) und Rawhide (Stanley Fung) zusammen.

Viel Story ist das nicht und so werden die Actionsequenzen, die getreu der 80er-Jahre-Hongkong-Tradition kraftvoll und prägnant daherkommen, mit ellenlangen Blödelszenen zusammengehalten, die weder zur Story beitragen noch sonst einen Funken Intelligenz versprühen. Gut, das Schema ähnelt dem aus Winners & Sinners, und die fünf »Lucky Stars« tauchen hier zwar mit anderen (immer noch bescheuerten) Namen, dafür aber wieder in derselben albernen Konstellation auf. Mit Hirn sind sie zwischenzeitlich auch nicht gesegnet worden, so dass die fünf Männer beim Anblick des schönen Geschlechts sofort versuchen sich in infantiler Armseligkeit gegenseitig auszustechen und mit ihrer pubertären Liebesmüh ganz schön anecken. Und wenn alles nicht klappt, lassen sie sich eben in großer Ninja-Überfallsinszenierung abwechselnd mit ihrer Assistentin Ba Wah (Sibelle Hu) zusammenbinden oder spielen gleich menschliche Matratze. Auf ihrer Mission in Tokio führen sich die fünf auch nicht besser auf. Wie Undercoveragenten wirken sie auch nicht, eher wie schräg gekleidete Touristen, die ihr Hirn daheim gelassen haben. So setzen sie beim Bestellen im Restaurant statt auf Japanischkenntnisse lieber auf kryptische Zeichensprache, hacken permanent aufeinander herum und lassen keine Gelegenheit aus, ihren Freunden grundlos eine runterzuhauen. Dass da was im Kopf nicht stimmt bekommt zumindest der telepathisch unbegabte Sandy zu spüren, der eingangs immerhin in einem Irrenhaus zugebracht hat. Der unvorteilhaft gewandete Sammo Hung dürfte als Kidstuff wohl noch die »reifste« Figur verköpern, was aber noch lange nicht bedeutet, dass er sich deshalb besser benehmen würde.

Jackie Chan ist in seinen Auftritten mit Kämpfen und Stunts beschäftigt, darf eingangs auf einem Riesenrad herumkraxeln und sich eine Autoverfolgungsjagd liefern und später in einer japanischen Geisterbahn allerhand seltsame Gestalten vermöbeln. Auf sonderlich viel Screentime kommt er damit allerdings nicht, darf aber immerhin öfters durchs Bild laufen als Yuen Biao, den man vielleicht gerade mal fünf Minuten zu sehen bekommt und im Finale im Grunde auch erst, als der Endkampf schon geschlagen ist.

Tokyo Powerman gilt also als Actionkomödie. Wobei man Action und Komödie ziemlich strikt aufgeteilt hat. Die Action ist ganz ansehnlich, aber zu kurz. Die Komödie nimmt den meisten Raum der gut 90 Minuten ein und dürfte mit ihrem Holzhammerslapstick, blöden Sprüchen und infantilem, pubertärem Gehabe nicht jedermanns Sache sein. Wer Winners & Sinners gesehen hat, weiß, was ihn bei Tokyo Powerman so ungefähr erwarten wird, und sollte sich, sofern ihm Winners & Sinners nicht gefallen hat, dreimal überlegen, ob er Tokyo Powerman wirklich gesehen haben muss. Wer Winners & Sinners ehrlich lustig fand, dürfte auch bei Tokyo Powerman so manches Mal ins Glucksen geraten. Wobei gesagt werden muss, dass Winners & Sinners um einiges besser ausgeführt war als hier, wo man Szenen wie die Fesselszene so lange wiederholt, bis alle fünf Volldeppen mal an der Reihe waren und kein Zuschauer das mehr lustig findet. Weniger wäre manchmal eben doch mehr.

Insgesamt ist Tokyo Powerman eine Actionkomödie, die in ihrem Actionteil zu kurz ausfällt und im Komödienanteil erstens etwas angestaubt und zweitens so primitiv daherkommt, dass ein Bud Spencer-Film direkt nach Niveau aussieht. Dass man für Tokyo Powerman mit Jackie Chan wirbt, ist eine Mogelpackung und Yuen Biao darf nichts anderes tun als sich gefangen nehmen zu lassen und zuletzt einen seltsam gemusterten Strickpullover zu tragen. Fehlende Handlung und nicht allzu geschickte Inszenierung dieses hirnlosen Spektakels dürften weitere Zuschauer vergraulen. Insgesamt unterhält Tokyo Powerman aber doch—zumindest die, die es bereits lustig finden, dass Eric Tsang klein und Sammo Hung dick ist. Winners & Sinners war allerdings um einiges besser. Immerhin passt die Musik zum Film—die ist nämlich die meiste Zeit genauso blöde wie die Hauptfiguren.

© Shaoshi, 6. Dezember 2010
4/10

福星高照 | Fuk Sing Go Jiu
Hongkong • 1985 • 93 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Alternativtitel | My Lucky Stars
Regie | Sammo Hung Kam-Bo
Drehbuch | Barry Wong Ping-Yiu
Darsteller | Sammo Hung Kam-Bo, Richard Ng Yiu-Hon, Eric Tsang Chi-Wai, Charlie Chin Chiang-Lin, Stanley Fung Shui-Fan, Sibelle Hu, Jackie Chan, Yuen Biao, Yasuaki Kurata, Michiko Nishiwaki, Lam Ching-Ying, Lau Kar-Wing, James Tien Chun, Dick Wei, Walter Tso Tat-Wah, Wu Ma, Bolo Yeung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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