Filmkritik | Shaolin – Kloster der Rächer (Hongkong / China, 1982)

Shaolin - Kloster der RächerAuch ein Superstar wie Jet Li hat einmal klein angefangen. Sein Schauspieldebüt gab der damals noch nicht einmal volljährige Wushu-Kampfkünstler in dem Kung-Fu-Klassiker Shaolin – Kloster der Rächer, ein Streifen, der mit einfachsten Mitteln abgedreht wurde, aber immer noch überaus sehenswert ist—nicht nur für Fans von Jet Li.

Die zugegeben sehr simple Story von Shaolin – Kloster der Rächer hat einen großen Bonus—sie basiert auf historischen Überlieferungen und hat so manches Mal fast schon dokumentarischen Charakter. Im 7. Jahrhundert hat China unter der Herrschaft der Sui zu leiden. Der junge Li Shimin, späterer Gründer und erster Kaiser der Tang-Dynastie, wird von einem tyrannischen General und dessen Mannen drangsaliert und findet Hilfe bei den strenggläubigen, buddhistischen Shaolin-Mönchen, die ihm schließlich im Kampf gegen die Sui beistehen.

Die Legende um die 13 Kampfmönche und den späteren Kaiser Li Shimin wird aber fast schon zur Nebensache, denn Hauptaugenmerk liegt auf der simplen Story um den jungen Chueh Yuan (Jet Li). Dieser musste mit ansehen, wie sein Vater von feindlichen Truppen getötet wurde, und kommt selbst schwerverletzt am Shaolin-Kloster an, wo er von freundlichen Mönchen wieder aufgepäppelt wird. Beeindruckt von ihren kämpferischen Fähigkeiten beschließt Chueh Yuan im Kloster zu bleiben und selbst Mönch zu werden, allerdings nicht aus buddhistischer Überzeugung, sondern vielmehr, um die Kampfkunst der Shaolin zu erlernen, um schlussendlich den unsinnigen Tod seines Vaters zu rächen. Wie gut, dass sich seine Wege schließlich mit dem des flüchtenden Li Shimins kreuzen, so dass Chueh Yuan auch noch dem späteren Kaiser zum Sieg verhelfen kann.

Shaolin – Kloster der Rächer liest sich wie ein klassischer Kung-Fu-Film. Was aber an Jet Lis Leinwanddebüt so gefällt, ist die einigermaßen realistisch gehaltene Darstellung des Klosterlebens. Zwar halten sich die strengen Shaolin-Mönche nicht unbedingt an die Gebote, die Töten oder Fleisch- und Alkoholverzehr verbieten, und sind auch sonst sympathische und lustige Gesellen, doch da man erstmals einen Film in den Hallen des Klosters drehen durfte, bekommt man schöne Aufnahmen des Shaolin-Geländes zu sehen. Jet Li und seine Kumpanen trainieren in eben jenen Räumen, in denen schon echte Mönche vor Tausend Jahren ihre Spuren hinterlassen haben, führen uns durch Grabstätten großer Mönche und nicht zuletzt durch die wunderbare Landschaft der Provinz Henan, wo sich China stolz von einer seiner besonders beeindruckenden Seiten zeigt.

Beeindruckend sind auch die Kampfeinlagen der Mönche, allen voran die des jungen und wendigen Jet Lis. Hier arbeitet man nicht mit Tricks und retuschierten Seilen, hier ist alles handgemacht. Nicht nur Jet Li, auch die Darsteller der Nebenrollen sind echte Profis in Sachen Kampfkunst und trainieren und kämpfen mit verschiedenen Waffen wie Speeren, Stöcken, Seilmessern oder dem Dreigliederstab. Ein Fan von Martial-Arts-Filmen kommt hier voll auf seine Kosten. Dramaturgisch gesehen wird natürlich kaum die Klasse späterer Jet-Li-Filme erreicht. Jet Li, noch völlig unerfahren was die Schauspielerei angeht, schlägt sich wacker, wobei man aber gestehen muss, dass weder von ihm noch von den anderen Darstellern großes Schauspieltalent erwartet wird. So verwundert es denn auch nicht, dass Chueh Yuans Liebe zu einer jungen Schäferin nur angedeutet wird oder die Bösewichte ihre Bösartigkeit nicht durch sensibles Agieren sondern gleich durch unnötig grausame Taten wie das blutige Erwürgen eines Lamms darstellen müssen—wobei immer noch fraglich ist, ob die im Film drangsalierten Schafe diese eher sinnlose Szene lebend überstanden haben.

Glücklicherweise sind nur wenige Szenen in (etwas kitschig geratenen) Studiokulissen entstanden, wie etwa jene, in der sich Jet Li durch die Jahreszeiten trainiert. So bekommt man in Shaolin – Kloster der Rächer tolle Aufnahmen aus dem Shaolin-Kloster sowie der umliegenden Landschaft zu sehen. Auch das realistische Kung-Fu macht Spaß, egal, ob die Mönche nur trainieren oder tatsächlich gegen Feinde kämpfen müssen. Zwar erreicht Shaolin – Kloster der Rächer nie das Niveau eines Shaw Brothers-Films oder späteren Streifen mit Jet Li (etwa diejenigen, in denen er Wong Fei-Hung porträtiert), macht aber immer noch Spaß und beeindruckt mit seiner Bodenständigkeit, einem bisschen verhaltenen Witz und schönen Aufnahmen. Shaolin – Kloster der Rächer ist ein Klassiker, der sich nicht nur für Fans von Kung-Fu-Filmen und/oder Jet Li lohnt.

© Shaoshi, 7. November 2009
8/10

少林寺 | Shao Lin Tzu
Hongkong | China • 1982 • 91 Min. • FSK 16 • Eastern
Alternativtitel | Meister der Shaolin | Shaolin Temple
Regie | Zhang Xinyan
Drehbuch | Lu Shau-Chang
Darsteller | Jet Li Lian-Jie, Yan Di Hua, Ji Chun Hua, Yu Cheng Hui, Wang Jue, Sun Jian Kui, Ding Lan, Liu Huai Liang, Qingfu Pan, Cui Zhi Qiang, Hu Chien Chiang, Wang Guang Quan, Zhang Jian Wen, Du Chuan Yang, Hai Yu

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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