Filmkritik | Dead Or Alive: Final (Japan, 2002)

Dead Or Alive: FinalMit dem futuristischen Dead Or Alive: Final findet Japans Enfant terrible Takashi Miike einen Abschluss seiner Dead Or Alive-Trilogie. Vorwissen zu den beiden vorangegangenen Filmen braucht man nicht, um sich im dritten Teil zurechtzufinden, waren ja auch schon die ersten beiden Yakuza-Streifen mehr als lose, wenn überhaupt, miteinander verknüpft. Im dritten Teil besetzen die beiden Hauptdarsteller Sho Aikawa und Riki Takeuchi mal wieder ganz neue Rollen in ungewohntem Setting.

Diesmal geht es in die Zukunft, ins Jahr 2346 nämlich, in dem Japan inzwischen von China kontrolliert wird. Passenderweise dazu ist der als Yokohama deklarierte Shauplatz des Films dann in Wirklichkeit auch gammelige Hongkongkulisse, in der man sich ganz nach Belieben in einem Kauderwelsch aus Japanisch und Kantonesisch unterhält. Diese Stadt Yokohama also wird vom verrückten (Miike-gemäß schwulen) chinesischen Diktator Woo beherrscht, der durch Verabreichung von Unfruchtbarkeitspillen die totale Geburtenkontrolle zelebriert. Vor diesem politischen Hintergrund kämpft nun eine Rebellengruppe um Fong (Terence Yin) für ihre Freiheit. Unterstützung finden sie bei dem eigentlich sanftmütigen Kampdroiden Ryu (Sho Aikawa) mit übernatürlichen Fähigkeiten. Bei einer ihrer Attacken, die auch in den eigenen Reihen für Verluste sorgt, entführt die Bande den kleinen Sohn des Polizisten Honda (Japans »Steven Seagal« Riki Takeuchi), der, seit er erfahren hat, dass er auch nur ein unnützer Kampfroboter ist, ganz schön durch den Wind ist. Im grotesken Finale stehen sich die beiden Replikanten dann auch Auge in Auge gegenüber.

Wir befinden uns zwar gut 300 Jahre in der Zukunft, viel hat sich aber nicht geändert. Ein paar Luftschiffe hängen hier und da mal über der Stadt, um uns an den Filmtitel zu erinnern, und Fernseher wurden durch seltsame, halbtransparente Monitore ersetzt, die an verbogene Kleiderbügel erinnern. Auch sonst hält man sich bei der Karikatur der Zukunft an altbewährte Plattitüden—Chinesen als bösartige Weltbeherrscher, Geburtenkontrolle, heruntergekommene Locations, Kampfroboter.

Als Kritik an Chinas Politik und der menschlichen Gesellschaft im Allgemeinen ist Dead Or Alive: Final nicht zu gebrauchen, da zu platt, aber auch als actionlastiger Science-Fiction-Film fällt Miikes Streifen ganz schön durch. Ziemlich am Anfang gibt es eine überdrehte Verfolgungsjagd über Dächer und durch enge Gassen zu treibendem Industrial-Rock-Score, der die Coolness der Szenen unterstreichen soll, das Ganze aber nur unnötig ins Lächerliche zieht. Typische coole Posen, das plakative Ziehen eines Samuraischwerts und akzeptable CGI-Effekte machen halt noch keine coolen Actionszenen, wobei man im Nachhinein zugeben muss, dass diese Verfolgsjagd noch das Beste am Film ist—und im Zuschauer zu hohe Erwartungen für den Rest des Films aufkeimen lässt. Danach wird es nämlich trotz der ein oder anderen eingestreuten Schießerei ganz schön beschaulich. Die Dialoge ziehen sich, viele Szenen (oft unpassend mit Jazzmusik untermalt) bleiben kryptisch und auch das Handeln der Figuren ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Das liegt möglicherweise auch daran, dass man sie kaum charakterisiert hat. Am interessantesten dürfte noch unser diktatorischer Bürgermeister Woo sein, der im Hawaiihemd mit Blutfleckenmuster den irren Diktator gibt, der die Homosexualität als einzig wahre Liebe zelebriert. Riki Takeuchi mit hässlicher Sonnenbrille, Wendemantel und Fönfrisur ist eine Lachnummer, aber auch der blondierte Sho Aikawa als gutmütiger Replikant in Cargohose, der zwar nicht lieben kann aber immerhin zu Selbstzweifel fähig ist, ist nicht viel interessanter.

Es hapert allerdings nicht nur bei den Figuren. Eine Handlung ist kaum vorhanden. Den einzelnen Szenen widmet man sich nie mit der Intensität, die man sich gewünscht hätte. Außerdem überlädt Miike sein Werk mit zu vielen unterschiedlichen Genreelementen. Science Fiction wird trotz des Zukunftssettings nur angedeutet, etwas Endzeit-Flair flackert hier und da mal auf, ein bisschen schwarzer Humor, ein bisschen eingestreute Yakuza-Action, ja sogar Drama-Elemente finden sich zwischendurch, die sich jedoch für die größten Längen im Film verantwortlich zeichnen. Gute Ideen—und davon finden sich tatsächlich einige in Dead Or Alive: Final—werden oft nur angerissen; als Zuschauer weiß man deshalb meist nicht, an was man sich denn nun eigentlich halten soll. So hat der Film genau genommen auch kein richtiges Ende. Warum sich die beiden Replikanten am Ende im staubigen Lagerhaus ein Handkantengemenge liefern, darf man sich selbst zusammenreimen. Da nützen auch die kurz aufflackernden Rückblicke in die beiden Vorgängerfilme nichts. Und wie es sich für einen Takashi Miike gehört, setzt er auch dann noch einen drauf, wenn der Film längst zu Ende sein könnte, und serviert uns einen absolut idiotischen Schlussgag, der bei seiner Zielgruppe aber durchaus für einen Lacher sorgen könnte.

Ein sehr durchwachsenes Filmvergnügen ist der Abschluss von Takashi Miikes Dead Or Alive-Trilogie also geworden. Hinterm neongelben Farbfilter bekommt man nichts Innovatives aufgetischt. Gesellschaftskritik im Zukunftssetting, aufständische Rebellengruppen im coolen Tanktop-Look und Kampfdroiden kennt man zur Genüge und vor allem auch aus besseren Filmen. Im Ansatz passt der Streifen zwar, doch der Gesamteindruck bleibt ziemlich schal. Bis zur Schlussszene hält sich Miike zwar mit grotesken Spielereien zurück und weidet sich auch nicht an exzessiven Gewaltszenen, wobei der Trilogieabschluss auch harmloser ausfällt als die beiden Vorgänger ohne Jugendfreigabe. Gut ist Dead Or Alive: Final trotzdem nicht. Eigentlich kann man froh sein, dass die Dead Or Alive-Reihe mit diesem Werk auch schon wieder beendet ist.

© Shaoshi, 15. November 2009
4/10

Dead Or Alive: Final
Japan • 2002 • 90 Min. • FSK 16 • Action
Regie | Takashi Miike
Darsteller | Sho Aikawa, Riki Takeuchi, Maria Chen, Richard Chen, Josie Ho, Hiroyoshi Komuro, Don Tai, Terence Yin

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Cover-Quelle: movie.douban.com

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