Filmkritik | Master der Shaolin (Hongkong, 1994)

Master der ShaolinStarbesetzte, aber mittelmäßige Kung-Fu-Actionkomödie aus einem Hongkong der frühen 90er Jahre. Diese Beschreibung trifft auf viele Filme zu, u.a. auch auf das von Wong Jing verbrochene Master der Shaolin. Woran liegt’s? Da hätten wir zum einen Störfaktor Wong Jing, dem Geld wichtiger ist als Qualität und der sich bereits so manchen Schnellschuss erlaubt hat, für den man sich fast schon fremdschämen könnte. Zum anderen hätten wir schlecht ausgeführtes Wirework, einen Jet Li, der hier die wohl steifste Performance seiner Karriere abliefert, primitivste Witze und Wong Jing-typische Skurrilitäten. Überraschenderweise funktioniert eine so krude Mischung in so manchem Hongkong-Film trotzdem, in Master der Shaolin aber nicht. Dafür ist der Streifen viel zu willkürlich und stört obendrein mit einem ganzen Rudel nerviger Kinder.

Die Handlung an sich ist eigentlich ziemlich simpel. Eigentlich—man kann dem Treiben zwar gut folgen, hinterher aber kaum eine vernünftige Zusammenfassung wiedergeben. Nachdem also Hung Hei-Koon (Jet Li), einstmals Schüler im Shaolin-Kloster, von allen verraten und seine Familie bis auf seinen kleinen Sohn ausgelöscht wurde, stellt er diesen vor eine aus Shogun Assassin geklaute Schicksalsentscheidung und taucht unter. Jahre später ist der Sohnemann (Tze Miu) ein fähiger Kung-Fu-Bengel und der Herr Papa noch immer auf der Abschussliste der Ching-Regierung. Hung Hei-Koon arbeitet inzwischen als Leibwächter für einen reichen Herrn, der soeben auf ein gaunerisches Mutter-Tochter-Gespann (Deannie Yip, Chingmy Yau) hereingefallen ist. Die helfen Hung aber gerne, wenn es darum geht, fünf Jungs zu beschützen, die im Besitz einer brisanten Schatzkarte sind, hinter welcher auch der Ex-Mönch mit dem schönen Künstlernamen »Poisonous Man« (Ji Chun-Hua) her ist.

Jet Li ist zwar das Zugpferd der kruden Produktion, doch wird er dem nicht einmal ansatzweise gerecht. Er spielt so steif, dass es ans Unverschämte grenzt, und lässt sich so von allen anderen in Windeseile die Schau stehlen. Kampftechnisch glänzt dann auch eher Kind Tze Miu, obwohl der feiste Junge größtenteils wie auch Filmvater Jet Li leidlich spektakulär an Seilen durch die Gegend gewirbelt wird. Tze Mius kampfsportliches Können kann allerdings nicht dafür entschädigen, dass er noch ein Kind ist—genauso wie ein Großteil wichtiger Figuren. Zwar sind die Jungs im Film schon alle kleine Kung-Fu-Profis, besitzen aber den für Kinder typisch hohen Nervigkeitsfaktor, so dass Master der Shaolin für etliche Zuschauer allein wegen dieser Tatsache zur Qual werden könnte. Leider steht die schöne Chingmy Yau den Jungs, was die Nervigkeit angeht, in so mancher Szene in nichts nach. Den Abschuss stellt dann allerdings Ji Chun-Hua als Endgegner dar. Dank der Einnahme eines Giftes erfuhr der Bösewicht nun ein Upgrade als »Poisonous Man« mit einhergehenden Hautproblemen, die aussehen, als hätte er in der nächstbesten Latrine geplanscht. Dafür ist er nahezu unbesiegbar und fährt in einem lächerlichen Blechgefährt durch die Gegend, dessen tieferen Sinn wohl nur Wong Jing selbst kennt. Am besten gefällt also noch Deannie Yip als habgierige, großmaulige Alte, die nicht nur für die besten Lacher, sondern auch für die emotionalsten Momente zuständig ist und obendrein die höchsten Sympathiewerte trägt.

Master der Shaolin bietet wie viele Hongkong-Filme dieser Zeit und dieses Genres von allem etwas: tolle Kostüme und Kulissen, Action, Humor, Tragik, grotesker Schnickschnack, Referenzen zu anderen Filmen (etwa wenn Wong Jing höchstpersönlich als Fong Sai-Yuk auftaucht) und einzelne, unerwartet unterhaltsame Szenen. Nur leider schafft es Wong Jing nicht, dies zu einem sehenswerten Ganzen zu vereinen. Seltsame Ideen (etwa der »Poisonous Man« und sein superdämliches Fahrzeug oder die merkwürdige Wachsfigurenkabinett-Szene), Klamauk, der mit Entblößen des Hinterteils einhergeht, aber wenigstens mal keine Vergewaltigungswitze beinhaltet, nervtötende Charaktere und wenig sehenswerte Action lassen sich einfach nicht zu einem Schmankerl zusammenstückeln. Für Jet-Li-Komplettisten und Hongkong-Fetischisten mit Hang zum Trash ein übles Muss, für alle anderen entbehrlich.

© Shaoshi, 19. Januar 2012
5/10

洪熙官之少林五祖 | Hong Xiguan Zhi Shaolin Wu Zu
Hongkong • 1994 • 88 Min. • FSK 16 • Eastern
Alternativtitel | The New Legend Of Shaolin | Legend Of The Red Dragon
Regie | Wong Jing, Corey Yuen
Drehbuch | Wong Jing
Darsteller | Jet Li Lian-Jie, Tse Miu (Xie Miao), Chingmy Yau Suk-Ching, Deannie Yip Tak-Han, Ji Chun Hua, Chan Chung-Yung, Adam Cheng Siu-Chow, Damian Lau Chung-Yun, Johnny Wang Lung-Wei, Chu Ko-Liang, Wong Jing

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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