Filmkritik | Yobi, The Five Tailed Fox (Südkorea, 2007)

Yobi, The Five Tailed FoxFünf- bzw. neunschwänzige Füchse sind in der chinesischen, koreanischen und japanischen Mythologie fest verankert. Kein Wunder, dass sich diese in der Regel weiblichen Fuchsgeister, die sich in Menschengestalt verwandeln können und ursprünglich von Menschenlebern und deren Seelen lebten, oft in Fantasyfilmen, Serien, Manga und Animé thematisiert werden. Der südkoreanische Zeichentrickfilm Yobi, The Five Tailed Fox verarbeitet das Thema auf etwas kindgerechtere, märchenhafte Weise und wird dadurch zur Perle für Groß und Klein.

Als eine Gruppe Außerirdischer (in Form von flauschigen, kindlichen Knuddelmonstern) auf der Erde landet, schaffen sie es leider nicht mehr zurück nach Hause. Deshalb nimmt sich Yobi, ein kleiner fünfschwänziger Fuchs, ihrer an und wohnt fortan mit ihnen. Hundert Jahre später haben es die Aliens geschafft, das Raumschiff soweit wieder fahrtüchtig zu machen, doch einer der Aliens vereitelt durch seine Tolpatschigkeit den Start und wird aus der Gruppe ausgestoßen. Das kleine Männchen findet in einer kleinen Schule Zuflucht, wo die schwer erziehbaren Grundschüler um Lehrer Kang die seltsame Kreatur schnell in ihr Herz schließen. Um den Alien aus der »Gefangenschaft« zu retten, nimmt Yobi Menschengestalt an und geht fortan als kleines munteres Mädchen zur Schule. Dort freundet sie sich mit dem ruhigen Jungen Geum-ee an, als auch schon ein alter Fuchsfänger die Präsenz einer Fuchsfee wittert und Yobi schnell in Bedrängnis gerät. Als ihr dann auch noch ein mysteriöser Schatten dabei helfen will, eine Menschenseele zu ergattern, ist Dramatik vorprogrammiert.

Einem südkoreanischen Zeichentrickfilm geht man wahrscheinlich eher mit gemischten Gefühlen entgegen, vermutlich auch, weil man in der Regel nicht allzu viele bis noch gar keinen gesehen hat und nicht weiß, was einen erwartet. Und egal, welche Vorurteile man eventuell hegte, man wird positiv überrascht. Die Zeichnungen in Yobi, The Five Tailed Fox sind so niedlich wie in einem Disney-Film, so feingliedrig wie in einem japanischen Animé und dabei doch etwas ganz Eigenständiges. Man merkt sofort, dass bei Yobi, The Five Tailed Fox mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Yobi als Fuchs ist wohl das niedlichste Wesen, das seit Jahren über den Animationshimmel gehoppelt ist, aber auch bei Yobi in Gestalt eines quirligen Mädchens mit realistischen Bewegungen überzeugt der Zeichenstil auf ganzer Linie. Die Hintergründe (welche sehr viele Waldszenen beherbergen) sind detailliert und mal realistisch und mal voller Fantasie ausgeschmückt und tragen viel zur insgesamt sehr märchenhaften Atmosphäre des Films bei. Auch der wunderschöne Score sorgen für die traumhafte Stimmung und das Wärmegefühl, das man bei Yobi, The Five Tailed Fox so oft verspürt.

Auch die Geschichte gefällt. Voller Fantasie und Mystik arbeitet man hier eine zugegeben eher altbewährte Story zu etwas Besonderem auf. Yobi ist bei Weitem keine dieser hinterlistigen Fuchsfeen, die einen Mann nur betören, um dessen Seele zu ergattern. Yobi agiert hier als zehnjähriges Mädchen, ist unschuldig, trotzig und will eigentlich auch gar kein Mensch werden. Sie hat zwar ihren eigenen Kopf, aber auch ein gutes Herz. Auch gefallen einige Ideen überaus gut—wie etwa der düstere Schatten, der sich nur an Wänden und Fußböden fortbewegen kann, oder die Idee, dass die Seelen, welche bis zur Wiedergeburt unsere Welt verlassen, als Vögel in eine Art Zwischenwelt gelangen, wo sie in unzähligen Käfigen auf ihr nächstes Leben warten. In genau dieser Zwischenwelt befindet sich zuletzt auch Yobi und muss eine schicksalhafte Entscheidung treffen. Was zeigt, dass der Film nicht nur warmherzig sondern auch spannend ist und man nicht unbedingt voraussagen kann, was als nächstes geschieht. Und das, obwohl Yobi, The Five Tailed Fox, ehrlich gesagt, doch eher auf Kinder zugeschnitten ist. Das zeigen die Szenen mit den kindischen, einfältigen Außerirdischen doch recht deutlich. Obwohl die Außerirdischen den Film nicht stören, muss doch angemerkt werden, dass sie im Grunde überflüssig sind, zumal ihr Schicksal am Ende auch unaufgelöst bleibt und Yobi auch sehr einfach aus einem anderen Grund die Menschenschule hätte besuchen können.

Yobi, The Five Tailed Fox ist eine absolute Empfehlung wert. Fantasievoll, märchenhaft und wunderschön gezeichnet bietet das Zeichentrickabenteuer nicht nur was für die Augen sondern auch was für die Sinne. Die Geschichte berührt, das herzzereißende Finale ist ein Traum und die Filmmusik das i-Tüpfelchen. Wer Yobi, The Five Tailed Fox nicht sehen will, weil es ein Zeichentrickfilm ist, hat Pech. Denn so einen schönen, liebevoll inszenierten Trickfilm sieht man selten. Im Zeitalter der computeranimierten Abenteuer eigentlich gar nicht mehr. Schön, dass es manchmal eben doch noch was Handgemachtes gibt, dem so viel Aufwand zugestanden wurde wie Yobi, The Five Tailed Fox. Es hat sich gelohnt.

© Shaoshi, 10. November 2010
8/10

천년여우 여우비 | Cheonnyeon-Yeou, Yeoubi
Südkorea • 2007 • 85 Min. • Fantasy [Animé]
Regie | Lee Seong-Kang

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Cover-Quelle: movie.douban.com

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